Fabian

Fabian: Prozesstag 23

Prozesstag 23 – 26.08.2026

Vorbemerkungen

Es geht noch einmal darum, ob die von der Verteidigung beantragte neue Zeugin gehört werden soll, Fabians Fußballtrainerin. Diese will neben einer Verhaltensveränderung bei Fabian auch bemerkt haben, dass dieser vor irgendjemanden Angst hätte. Er habe jedoch nicht gesagt, um wen es sich handele. Die Staatsanwaltschaft lehnt die neue Zeugin ab, da diese Fabian noch nicht lange genug gekannt habe, um eine fundierte Aussage über sein Verhalten zu treffen. Zudem möchte die Verteidigung ein neues Gutachten über die Branddauer des Leichnams in Auftrag geben.
Die Verteidigung gibt an, dass Gina H. sich aufgrund ihrer Verfassung derzeit nicht den Fragen des Gerichts stellen möchte, allerdings legt Richter Holger Schütt ihr Nahe, dies in Zukunft in Erwägung zu ziehen.

Zeugin 1 – Polizistin

Die Beamtin führte die erste Befragung mit Gina H. nach dem Leichenfund durch. Sie wurde am 14. Oktober nach Klein Upahl gerufen. Hier sei sie auf die Angeklagte getroffen, die sehr in sich gekehrt wirkte und nicht auf Ansprache reagierte. Erst nach mehrmaligem Ansprechen habe sie die Polizistin wahrgenommen und die Aussage ihrer Begleiterin Heike M. laut bestätigt. Gemeinsam mit Gina H. fuhr die Zeugin dann nach Rostock und führte auf dem dortigen Revier die Befragung durch. Man habe bis zum Abend über ihren Tagesablauf sowie den Leichenfund gesprochen. Gina H. habe mehrfach erwähnt, dass sie völlig mitgenommen sei, aber sie nicht mehr weinen könne, weil sie schon so viel geweint habe. Am nächsten Tag habe sich die Angeklagte von selbst noch einmal bei der Polizei gemeldet, weil sie noch einmal etwas zum Sachverhalt beitragen wollte. Schon an diesem 15. Oktober habe sich der erste Verdacht gegen Gina H. ergeben. Grund dafür waren die widersprüchlichen Aussagen von ihr selbst, Olaf K. und Christian D., die von der Angeklagten bereits am Abend des 13. Oktober zur Leiche geführt wurden.

Die Aussagen der Angeklagten wurden auf Video aufgezeichnet. Die Verteidigung möchte nicht, dass diese Videos vor dem Gericht als Beweise zugelassen werden. Grund dafür sei die Tatsache, dass bereits bei diesen Vernehmungen ein Verdacht gegen Gina H. bestand, über den sie jedoch nicht informiert worden sei. Die Staatsanwaltschaft wünscht die Zulassung des Videomaterials. Das Gericht zieht sich zur Beratung zurück.

Fabian: Prozesstag 22

Prozesstag 22 – 24.08.2026

Einlassung von Gina H.

Sie habe Matthias R. im April 2021 kennengelernt und es sei Liebe auf den ersten Blick gewesen. Kurze Zeit später sei sie gemeinsam mit ihrem Sohn J. nach Groß Breesen gezogen. Hier wohnen Matthias R.s Großeltern. Fabian sei regelmäßig einmal in der Woche ebenfalls dort gewesen. Man habe eine harmonische Zeit erlebt, aber auch Streitereien geführt, was aber alles in einem völlig normalen Rahmen gewesen sei. Nach wenigen Monaten des Zusammenseins habe Gina H. ein Kind von Matthias R. erwartet, gemeinsam habe man sich jedoch gegen die Schwangerschaft entschieden. Gina H. begründet dies durch ihre damals regelmäßig auftretenden depressiven Schübe.
Größere Streitigkeiten gab es dann, nachdem Matthias R. sich auf einer Weihnachtsfeier betrunken habe und mit gleich drei Frauen sexuelle Textnachrichten ausgetauscht habe. Bedingungslose Treue sei für sie das A und O in einer Beziehung. Sie gibt zu, dass dies dazu führt, dass sie wütend wird, wenn von dieser Vorstellung auch nur ein wenig abgewichen wird. Bei späteren Streitereien sei es zu Handgreiflichkeiten gekommen, bei denen sie sich einen Ellenbogen angebrochen habe, nachdem Matthias R. sie so schwer gestoßen habe, dass sie das Gleichgewicht verlor. Auch geprellte Rippen waren das Ergebnis einer dieser gewalttätigen Auseinandersetzungen. Letzteres war ebenjener Vorfall gewesen, nachdem Fabian entschieden habe, den Kontakt zu seinem Vater abzubrechen. Seine eigene Aussage sei es gewesen, dass er den „Respekt“ vor seinem Vater verloren habe.

Im Jahr 2024, nach dem Tod ihres Pferdes sowie ihres Stiefvaters habe sie nahezu panische Verlustängste entwickelt. Ihre Angst davor, Matthias R. zu verlieren, habe dieser als Kontrollzwang interpretiert. Sie selbst habe das nicht so gesehen, könnte seine Ansicht jedoch heute nachvollziehen.

Das Stück Küchenrolle mit Fabians Blutanhaftung, welches in ihrem Auto gefunden wurde, stamme von August 2025. Hier habe Fabian sich am Fuß verletzt. Gina H. habe die Wunde mit Küchenrolle versorgt.

Nach der Trennung von Matthias R. habe es ihr den Boden unter den Füßen weggerissen. Zwei Suizidversuche ihrerseits seien glücklicherweise rechtzeitig bemerkt und somit verhindert worden. In einem gemeinsamen Gespräch danach habe man sich gut verstanden.
Ihre Pferde liebe sie besonders, da die Tiere sie durch schwere Zeiten begleitet haben. Es belaste sie sehr, dass sie ihre schlechte Laune auch mal an ihnen ausgelassen habe. Sie selbst sei schockiert darüber, dass sie dazu in der Lage sei, derart zu reagieren. Gina H. ist so stark in Tränen aufgelöst, dass die Verhandlung kurz pausiert werden muss.

Nach der Pause berichtet Gina von ihrer finanziellen Situation. Sie sei mit ihrer Rente gut ausgekommen und so teuer sei der Unterhalt für die Pferde nicht. Finanzielle Abhängigkeit von Matthias R. habe nicht bestanden.

Die Angeklagte berichtet, dass sie aufgrund der Drogenabhängigkeit ihrer Mutter gemeinsam mit ihrer Schwester bei den Großeltern aufwuchs. Da diese nicht wollten, dass man von der Drogenabhängigkeit erfahre, habe man verbreitet, dass die Mutter der beiden Mädchen unter Krebs leide. Sie gibt zu, dass sie auf ihre Schwester in Jugendzeiten neidisch war, sie weist jedoch den Vorwurf ihrer Schwester zurück, dass die Großmutter sich nicht ausreichend um deren Tochter gekümmert habe. Gina H. gibt an, dass ihre Großeltern die wichtigsten Menschen in ihrem Leben seien, die inzwischen sogar Morddrohungen erhalten haben.

Vor allem das Bild, dass man von Gina H. in der Öffentlichkeit zeichne, entspreche nicht der Wahrheit. Sie leide tatsächlich unter einer psychischen Erkrankung, benötige wirklich Hilfe und auch die Vergewaltigung sei eine Tatsache, die sie habe erleiden müssen. Sie gibt zu, anders zu sein und an vielen Stellen auf Unterstützung angewiesen zu sein. Deshalb habe sie auch die AWO sowie einen Therapeuten zu Rate gezogen. Zudem weiß sie auch, dass sie ein misstrauischer und eifersüchtiger Mensch ist und auch von ihrem Kontrollzwang wisse sie inzwischen, den sie jedoch für berechtigt halte. Ihr Sohn sei für sie das wichtigste auf der Welt, deshalb sei es ihr wichtig gewesen, an sich zu arbeiten. Zudem sei sie nicht nur mit ihren Pferden beschäftigt, sondern unterstütze ihre pflegebedürftigen Großeltern aktiv bei deren Alltagsbewältigung. Hier sei sie auch als Pflegeperson eingetragen.

Gina H. gibt zu, Reize gezielt eingesetzt zu haben, halte dies aber nicht für problematisch, da dies einfach die Waffen einer Frau seien, um zum Ziel zu kommen. Der Zeuge Jörg M. (s. Zeuge 6 – Prozesstag 16) sei für sie immer nur ein väterlicher Freund gewesen.
Vor allem Christian D. (siehe Prozesstag 11) sei zu einem Freund in ihrem Leben geworden, in den sie sich hätte verlieben können, doch ihr Herz gehöre Matthias R. Liebe sei es im Endeffekt nicht geworden, sie sei jedoch überzeugt, dass er genauso für sie fühle. Die freundschaftliche Beziehung der beiden sei ohne jedwede Gegenleistung ausgekommen. Man sei einfach füreinander dagewesen, habe sich zweimal geküsst und sich im Arm gehalten. Diese Vertrautheit habe sie so nie gekannt oder zulassen können. Gina H. geht davon aus, dass der Kontaktabbruch daher rühre, dass Christian D., auch wenn sie keinen Sex hatten, seine Frau auf eine gewisse Weise mit ihr betrogen habe. Seine Lügen im Zeugenstand seien lediglich zum Schutz seiner Familie vorgetragen worden.
Für Olaf K. (siehe Prozesstag 12) hat sie wenig zärtliche Worte übrig. Ihm wirft sie gezielte Lügen aus Hass ihr gegenüber vor. Sein sexuelles Interesse an ihr habe er mehrfach deutlich kundgetan und damit eine klare Grenze überschritten, auch wenn er sie nicht körperlich bedrängt habe. Er habe sich mehrfach während gemeinsamer Telefonate selbst befriedigt, ihr anzügliche Fotos geschickt usw. Sie habe dies jedoch aus Einsamkeit toleriert und es genossen, dass jemand sie für anziehend hielt. Olaf K. sei ihr „seelischer Mülleimer“ gewesen. Zudem habe Olaf K. ihr erzählt, dass er als Jugendlicher wegen Mordes im Gefängnis war, ob es sich dabei um die Wahrheit oder lediglich um Aufschneiderei handele, vermag sie nicht zu beurteilen. Sein Hass auf Matthias R. sei jedoch deutlich spürbar gewesen. Vor allem, als Gina und Matthias sich nach der Trennung doch wieder annäherten, sei Olaf K. wütend geworden. Er habe ihr sogar damit gedroht, ihr das „Liebste“ zu nehmen und ihre Beziehung zerstören zu wollen. Was damals für sie wenig Sinn ergab, sei rückblickend für sie nun sehr aussagekräftig.

 

Am 10. Oktober 2025 habe Gina H. ihren Sohn morgens in die Schule gebracht, um dann einen längeren Spaziergang zu machen. Sie habe den Kopf nach all den Ereignissen freikriegen wollen. Es sei ihr darum gegangen, über alles nachzudenken, um schließlich zu entscheiden, wie sie mit der Gesamtsituation weiter umgehen wolle.
Nachdem der Hufschmied gegen 9:45 Uhr gegangen sie, habe ihre Großmutter sie gebeten, Bankgeschäfte in Güstrow zu erledigen. Dieser Bitte sei sie nachgekommen. Dort angekommen habe sie bemerkt, dass die Bankkarte nicht im Auto lag und so sei sie zurück zum Hof, um sie dort zu holen. Nachdem sie bei der Bank war, sei sie dann in den Wald bei Klein Upahl gefahren, um ihren Gedanken nachzuhängen. Von hier aus habe sie Christian D. ein Foto ihres Standorts gesendet. Als er auf das Bild nicht reagiert habe, habe sie ihr Handy ausgeschaltet. Sie habe in Ruhe nachdenken wollen. Nach dem Spaziergang habe sie ihr Handy wieder angeschaltet und Christian D. erneut kontaktiert. Man habe ein gemeinsames Treffen für 13:00 Uhr am Bolzsee vereinbart. Dass sie zu dieser Zeit am Leichenfundort vorbeifuhr, sei ihr gar nicht bewusst gewesen. Sei sie wirklich die Täterin, so wäre sie nicht so „dumm“ gewesen, sich dort von Menschen oder Fahrzeugen sehen zu lassen.
Um 13:00 Uhr sei sie am Bolzsee gewesen, um direkt danach ihren Sohn von der Schule abzuholen. Es sei gar nicht genug Zeit gewesen, um zwischen dem Treffen und der Abholung ihres Sohnes noch einmal zum Tümpel zu fahren, zumal ihr dieser vor dem 13. Oktober nicht einmal bekannt gewesen sei.
Am Nachmittag des 10. Oktober habe ihr Großvater sie gebeten, im Internet nach einem Unfall zu recherchieren, der sich in der Gegend ereignet habe, aufgrund dessen gäbe es dich Suchanfrage „Polizei“ in ihrem Google Account.

Ihr emotionsloses und eifersüchtiges Verhalten während der Zeit, als Fabian als vermisst galt, erklärt sie so, dass sie ein allgemeines Problem im Umgang mit Menschen habe. Das könne ein „normaler“ Mensch nicht verstehen. Sie hätte sich gern mehr in die Suche mit eingebracht, allerdings sei es in dem Moment auch für sie wichtig gewesen, dass Matthias R. aktiv auf sie zukomme, um diese Hilfe von ihr zu erbitten, ihr also zu zeigen, dass er Hilfe von ihr wünsche. Dass er diese Hilfe nicht bei ihr suchte, konnte sie nicht nachvollziehen, sie habe jedoch inzwischen auch mithilfe ihrer Anwälte gelernt, dass dies für Menschen, die diese Dispositionen nicht kennen, nicht verständlich ist.
Gemeinsam mit Christian D. habe sie schließlich darüber philosophiert, was mit Fabian geschehen sein könne. Man sei schließlich auf die Idee gekommen, dass er auch einen Unfall gehabt haben könnte. Daraufhin habe der Jäger ihr mitgeteilt, dass es nicht ungewöhnlich sei, dass er dann schon von Tieren angefressen worden sein könnte. Da diese Aussage sie die gesamte Nacht beschäftigt und sie sogar bis in ihre Träume verfolgt habe, habe sie sich entschieden, am nächsten Morgen zu googeln: „Fressen Wildschweine Menschen“ / „Fressen Wildschweine tote Menschen“.
Am Abend des 13. Oktober sei sie mit Christian D. an der Nähe des Tümpels unterwegs gewesen, um Zeit allein zu verbringen. Die treibende Kraft für dieses Treffen an diesem Ort sei der Jäger gewesen. Die Aussage, dass sie auf dieses Treffen bestanden habe und den Ort ausgewählt habe, sei eine Lüge gewesen.. Am Tümpel angekommen habe Christian D. mit seiner Taschenlampe auf etwas am Boden geleuchtet und gesagt, dort läge etwas wie eine „verbrannte Puppe“. Die Angeklagte habe sofort gewusst, dass es sich dabei nur um Fabian handeln könne. Christian D. habe Angst bekommen, seine Jagdlizenz zu verlieren, da er sich in einem fremden Revier befände. Den Tränen nahe habe er sie angefleht, nicht die Polizei zu rufen. Auch wenn Gina H. dieses Verhalten „erbärmlich“ fand, habe sie sich entschieden, seinen Wunsch zu respektieren.
Sie habe sich dann an Olaf K. gewendet und gehofft, dass dieser gemeinsam mit ihr die Polizei verständigen würde. Gemeinsam sei man mit einer Taschenlampe zur Leiche gefahren. Entgegen ihrer Erwartungen habe auch dieser es abgelehnt, entsprechende Schritte einzuleiten, da beide keine vernünftige Erklärung dafür hätten, warum man um diese Uhrzeit an diesem Ort sei. Man sei unverrichteter Dinge wieder nach Hause gefahren. Am nächsten Morgen habe Olaf K. nur neben ihr im Stall gestanden und sie beobachtet. Schließlich habe er das Schweigen mit der Aufforderung gebrochen, der Polizei nicht zu erwähnen, dass man am Tümpel Turnschuhe getragen habe, damit würde man nur schlafende Hunde wecken. Dass sie beim Fund der Leiche gelacht habe, sei eine Lüge.
Gina H. gibt zu, mit Olaf K. bereits am 11. Oktober darüber gesprochen zu haben, dass man sich gegenseitig ein Alibi für den 10. Oktober gebe. Grund dafür sei gewesen, dass bereits an diesem Tag die ersten Spekulationen in den sozialen Medien darüber aufgetaucht seien, dass sie etwas mit dem Verschwinden des Jungen zu tun habe.

Am Morgen des 14. Oktober habe sie schließlich Heike M. kontaktiert und ihr mitgeteilt, dass sie die Leiche gefunden habe und dass sie Christian D. sowie dessen Familie schützen möchte. Deshalb habe sie auch die Geschichte mit dem Rodeln erfunden, um nicht den Anschein zu erwecken, dass sie allein mit ihm dort gewesen sei. Es sei Heikes Idee gewesen, mit der Schleppleine an den Fundort zu gehen und auch noch einmal zur Leiche hinunterzugehen, um dort frische Spuren zu hinterlassen und die Geschichte somit zu bekräftigen. Sie habe eigentlich nicht mehr zur Leiche gehen wollen, der Vorschlag sei jedoch einleuchtend für sie gewesen. Nachdem die Polizei verständigt wurde, habe sie an der Geschichte festgehalten, die Leiche an diesem Morgen entdeckt zu haben, Heike M. hingegen habe sich für die andere Version entschieden. Sie sei Heike jedoch nicht böse gewesen, im Gegenteil, sie sei ihr dankbar dafür, dass sie sich für die Wahrheit entschieden habe.

Gina H. gibt an, dass sie nicht das Gefühl habe, dass man überhaupt nach anderen Möglichkeiten für einen Verdächtigen gesucht habe, es sei immer nur um sie gegangen, was sie nicht verstehen könne. Es sei jedoch nicht ihre Aufgabe, einen alternativen Verdächtigen zu liefern. Bereits am 14. Oktober habe es die ersten Gerüchte über ihre Beteiligung am Mord gegeben, dieser Hass laste schwer auf ihr. Sie habe mit dem Mord an Fabian nichts zu tun, das glaube ihr auch Matthias R.

Erneut geht es nun um Olaf K. Dieser habe seine Turnschuhe nach dem Abend des 13. Oktober mit Bremsenreiniger gesäubert. Als dies nicht den gewünschten Effekt erzielte, habe er sie verbrannt. Bei der Kleidung, die er an diesem Abend trug, habe es sich um eine Garnitur Arbeitskleidung gehandelt. Da er den Job inzwischen nicht mehr ausübe, habe er die Kleidung bereits an den Arbeitgeber ausgehändigt. Gina H. verwundere dies sehr, da an dieser Kleidung doch die Spuren des 13. Oktober zu finden seien und er dies auch bei der Polizei ausgesagt habe. Daher sei die Entsorgung der Kleidung gar nicht nötig gewesen. Es sei zudem eindeutig zu erkennen gewesen, dass Fabians Körper verbrannt wurde, Olaf K. gab in seiner Aussage jedoch an, dass er dies nicht habe erkennen können.
Das verschwundene Messer aus der Werkstatt sei für sie ebenfalls eine Lüge. Sie habe sich zwar an der Suche beteiligt, jedoch habe sie sich dabei keine Mühe gegeben. Sie glaube gar nicht, dass es dort überhaupt ein Messer gegeben habe. Sie halte die gesamte Situation für eine Inszenierung seitens Olaf K.

Mit Fabian selbst habe sie zu Beginn ein paar Startschwierigkeiten gehabt, dies habe sie jedoch als normal empfunden, da es für den Jungen eine Umstellung gewesen sei, dass sein Vater eine neue Freundin habe. Später habe sich das Verhältnis jedoch gebessert, er habe gelernt, die Situation anzunehmen und ihr schließlich auch den Eindruck vermittelt, sich bei ihr wohlzufühlen. Sie habe sich mit Fabian verbunden gefühlt, da sie selbst ähnliches durchgemacht haben. So habe auch sie nur wenige Freunde in der Kindheit gehabt. Für sie sei Fabian ein Teil der Beziehung gewesen und habe dieser auch nie im Weg gestanden. Sie habe Fabian geliebt wie ihr eigenes Kind.

Die Angeklagte wird keine Fragen zu ihrer Einlassung beantworten.

 

Schlussbemerkungen

Verteidiger Andreas Ohm gibt, an, dass er weitere Zeugen laden möchte, darunter Fabians Fußballtrainerin sowie eine Freundin von Dorina L.
Laut Andreas Ohm könne die Fußballtrainerin Angaben zur Sache machen, da Fabian ihr gegenüber erwähnt habe, dass ihr jemand Angst mache. Die Freundin von Dorina L. habe bereits am 13. Oktober auf Social Media vorgeschlagen, bei Klein Upahl nach der Leiche zu suchen. Dies sei nicht nur ein Hinweis auf Täterwissen, sondern würde auch erklären, warum Christian D. diesen Ort wählte. Zwei weitere Zeugen hält der Verteidiger für interessant. Zum einen ein Mädchen, das Fabian am 10. Oktober um 14:30 Uhr noch gesehen haben möchte sowie einen Mann, der berichtet, dass Zeugen im Voraus beeinflusst worden seien.
Die Staatsanwaltschaft ist gegen die neuen Beweisanträge der Verteidigung, da diese weder dem Verfahren zuträglich noch rechtlich zulässig seien.

Fabian: Prozesstag 19

Prozesstag 19 – 09.07.2026

 

Zeugin 1 – Polizeibeamtin

Im Rahmen der Vermisstensuche sei sie mit dem Fall beauftragt gewesen. Am 11. Oktober 2025 habe sie gemeinsam mit einem Kollegen Gina H. aufgesucht, um mit ihr über Fabian zu sprechen. Gina H. habe sie bereits erwartet. Zu dem Zeitpunkt sagte sie den Polizisten, dass sie Fabian zum letzten Mal in den Sommerferien gesehen habe. Bereitwillig habe sie die Beamten ins Haus geführt und zeigte sich auch sonst freundlich und kooperativ. Die Zeugin gibt an, die Situation als glaubwürdig eingeschätzt zu haben.

Die Zeugin wird entlassen.

 

Zeuge 2 – Polizeibeamter

Der Beamte führte ein Gespräch mit Olaf K. in dessen zu Hause. Nach dem Gespräch habe der Zeuge gerade gehen wollen, als Olaf K. ihn zurückrief. Gemeinsam seien sie in die Werkstatt gegangen, in der der Zeuge auf eine Stelle in der Wand zeigte, in der mehrere Einstichlöcher zu erkennen gewesen seien. Er gab an, dass hier immer ein Arbeitsmesser stecken würde, doch dies sei verschwunden.
Einige Zeit später habe Olaf K. sich gemeldet, um mitzuteilen, dass das Messer wieder aufgeteilt sei. Das Messer sei in einem Karton aufgetaucht, in dem es sonst nie gelegen hätte. Olaf K. berichtete, dass dies für ihn unerklärlich sei, da er dort zuvor schon gesucht hatte.

Der Zeuge wird entlassen.

 

Sprach- und Chatnachrichten

Die Nachrichten sind aus der Zeit der Trennung von Gina H. und Matthias R. Die Angeklagte spricht mit einer Bekannten und gibt an, dass sie finanziell ruiniert sei, da Matthias R. sich von ihr getrennt habe. Auch bei ihrer Bekannten habe sie Schulden, von denen sie nun nicht wisse, wie sie sie begleichen solle.

 

Zeuge 3 – Facharzt für Psychotherapie

Der Zeuge ist der ehemalige behandelnde Therapeut von Gina H. Die erste gemeinsame Sitzung habe man im November 2017 gehabt. Die Angeklagte war zu dieser Zeit gerade schwanger. Ihr war bereits zuvor eine emotional-instabile Persönlichkeitsstörung (Typ Borderline) sowie soziale Phobie diagnostiziert worden. Der Zeuge beschreibt Gina H. als gute Mutter, die sich liebevoll um ihren Sohn kümmerte. Dies konnte er beobachten, da sie ihren Sohn mehrere Male zu den gemeinsamen Sitzungen mitbrachte.
Aufgrund ihrer Persönlichkeitsstörung lebe Gina H. von der Erwerbungsunfähigkeitsrente. Der Leistungsdruck sowie Menschenmassen seien für sie nicht aushaltbar. Der Richter merkt an, dass Reitturniere genau in ebendieses Muster fallen: Leistungsdruck gepaart mit Menschenmassen. Diese Verbindung sei dem Therapeuten jedoch nicht aufgefallen.

Im Hinblick auf ihre Familie habe Gina H. keine persönliche Verbindung zu ihrer leiblichen Mutter und auch der leibliche Vater habe keine Bedeutung in ihrem Leben.

Die Beziehung zu Matthias R. hat er als stabilisierenden Faktor im unbeständigen Leben von Gina H. empfunden. Es habe ihr Sicherheit gegeben, in einer geordneten Struktur zu leben, allerdings habe ihr sein Alkoholkonsum sehr zu schaffen gemacht. Zudem sei es für Gina H. wichtig, dass gewisse Abläufe vollkommen nach ihren Vorstellungen laufen müssen, was typisch für die Borderline-Persönlichkeitsstörung sei. Der Zeuge habe Matthias R. in einer Therapiesitzung kennengelernt und das Gefühl gehabt, dass dieser sich große Mühe gegeben habe, doch Gina H. dies nicht anerkennen konnte, zudem habe sie erwartet, dass Matthias R. für die Finanzierung der Beziehung sorge. Nachdem der Therapeut sie auf diesen Umstand ansprach und ihr mitteilte, dass sie sich gegenüber ihrem Partner aggressiv verhalte, habe sie die nächste Therapiesitzung unentschuldigt versäumt.
Dass die Angeklagte gleich zwei Suizidversuche hinter sich habe und auch in der Psychiatrie war, habe der Therapeut erst im Nachhinein erfahren. Normalerweise würde der behandelnde Therapeut in einem solchen Fall informiert werden, dies habe jedoch nicht stattgefunden. Der Richter merkt an, ob dies damit zusammenhängen könne, dass die Suizidversuche lediglich als Druckmittel gedacht waren. Der Zeuge möchte sich darauf nicht festlegen, kann es jedoch auch nicht als unmöglich ausschließen.
Er gibt an, dass Gina H. sich in den Sitzungen auch schon bereiterklärt habe, eine Zeit in einer Klinik zu verbringen, habe dies jedoch immer wieder ausgeschlagen, da sie wegen ihrer Pferde und ihres Sohnes gebunden sei.
Das letzte Treffen fand am 26. September 2025 statt, also nach der Trennung von Matthias R. Hier habe der Zeuge das Gefühl gehabt, dass Gina H. stabil und der Lage gewachsen sei. Bei einer Borderline-Persönlichkeitsstörung seien kurzfristige Stimmungswechsel jedoch keine Seltenheit.

Am 04. November 2025 erhielt der Zeuge einen Anruf seitens Gina H. Jemand habe dem Jugendamt mitgeteilt, dass sie suizidal sei und deshalb ihren Sohn J. abgeben müsse. Sie verlangte von ihrem Therapeuten ein Attest, in dem er sich dafür aussprach, dass dies nicht die Wahrheit sei. Der Therapeut lehnte dies ab, da die letzte Sitzung dafür schon zu lange zurückläge.

Der Zeuge wird entlassen.

 

Zeugin 4 – Pädagogische Psychologin der Arbeiterwohlfahrt

Die Zeugin kennt Gina H. aus dem Jugendalter, dort habe sie einmal mit ihr zusammengearbeitet. Ein zweites Mal habe sie die Zeugin im Hinblick auf den Umgang mit ihrem Sohn J. beraten.
Sie habe Gina als unsicheres Mädchen kennengelernt, dem es schwerfiel, Vertrauen zu fassen. Als sie Gina dann 17 Jahre später wiedersah, habe sie freiwillig um Unterstützung bei der Erziehung ihres Sohnes gebeten. Es sei vor allem darum gegangen, Konflikte besser lösen zu können. J. sei öfter einmal laut geworden, wenn er seinen Willen nicht bekommen habe. In der Zusammenarbeit habe sie festgestellt, dass beide impulsive Charaktere waren, wodurch die Konflikte auch öfter einmal hochkochten.
Am 09. Oktober 2025 sagte Gina H. einen gemeinsamen Termin mit ihrem Sohn bei der AWO mit der Begründung ab, dass J. krank sei. Es sei direkt ein neuer Termin vereinbart worden. Der Richter weist darauf hin, dass J. an diesem Tag nicht krank, sondern ganz normal in der Schule gewesen sei.

Am 27. Oktober 2025 habe die Zeugin mit der Angeklagten telefoniert und nach ihrem Befinden und dem ihres Sohnes gefragt. Gina H. habe berichtet, dass ihr Auto beschlagnahmt worden und sie in den Fokus der Presse geraten sei. Weitere Details zur Tat habe sie nicht berichtet, die Zeugin habe auch keine Fragen diesbezüglich gestellt.

Die Zeugin wird entlassen.

 

Aufzeichnung Audioüberwachung JVA Bützow

In diesem aufgezeichneten Gespräch zwischen Gina H. und Matthias R. geht es darum, dass die Angeklagte der Meinung ist, vom Staatsanwalt erpresst zu werden, damit sie eine Aussage mache. Auch Fabians Vater fühlt sich von der Kripo zu einer Aussage „erpresst“. Matthias R. ist jedoch von Ginas Unschuld überzeugt, die diese auch immer wieder beteuert. Sie gibt an, dass sie nicht gewusst habe, sich am 10. Oktober in der Nähe des Tatorts aufzuhalten und auch, dass sie zur Zeit seines Verschwindens in der Nähe der Wohnung war, sei Zufall, da sie gerade Besorgungen für ihre Großeltern in Güstrow machte. Matthias R. bestätigt noch einmal, dass er ihr glaube und spricht ihr Mut zu. Als Matthias R. erzählt, dass Dorina L.s Arbeitgeber Beerdigung und Grabstein bezahlt habe, fragt Gina, wofür dann die Spendengelder verwendet worden seien.

 

Abschlussbemerkungen

Der Staatsanwalt sieht in den Gesprächen zwischen Gina H. und Matthias R. einen eindeutigen Manipulationsversuch seitens der Angeklagten. Der Verteidiger gibt dem Staatsanwalt an dieser Stelle recht und betont, dass man zu diesem Umstand in der Einlassung der Angeklagten im August genauer eingehen werde.

Die Verhandlung geht nun in eine vierwöchige Pause.

Fabian: Prozesstag 18

Prozesstag 18 – 07.07.2026

 

Vorbemerkungen

Die Verteidigung weist darauf hin, dass die Angeklagte ihre Entscheidung zurückgezogen hat, ihren Hausarzt von der Schweigepflicht zu entbinden. Der damit am 19. Verhandlungstag erwartete Mediziner wird nicht aussagen.

 

Zeugin 1 – Polizeibeamtin

Die Beamtin war mit der Untersuchung von Fabians Handy betraut. Sie rekonstruierte, dass der Junge am Abend des 09. Oktober noch mit einem Freund telefoniert habe. Am Morgen des 10. Oktober habe er ebenjenen Freund um 06:52 Uhr angerufen, dieser habe jedoch nicht abgehoben.
Nach Fabians Verschwinden wurde noch einmal auf sein Google-Konto zugegriffen, dies konnte jedoch einem von Dorina L. engagierten Privatermittler zugeschrieben werden.

Am 14 Oktober sei die Beamtin bei Gina H.s Großeltern zu Hause gewesen. Auch Olaf K. war hier anwesend, der sich interessiert an den Ermittlungen zeigte und auch fragte, warum und nach was mit Hunden gesucht werden würde. Er habe sich selbst als „seelischen Beistand“ bezeichnet. Zudem habe er gegenüber den Polizisten angemerkt, dass er sich gedacht habe, dass Gina „noch mal“ in den Wald fahren würde. Auf Nachfrage, ob er wisse, was Gina am Sonntagabend getan habe, habe er zunächst ausgesagt, dies nicht zu wissen, habe dann jedoch kurz darauf seine Aussage korrigiert und behauptet, mit Gina gemeinsam auf der Pferdekoppel gewesen zu sein.
Kurze Zeit später sei auch Matthias R. in alkoholisiertem Zustand am Haus der Großeltern von Gina H. aufgetaucht. Er habe den Polizisten gegenüber erwähnt, dass er Gina H. alles zutrauen würde und zeigte ihnen diverse Chatnachrichten, in denen Gina H. sich darüber beschwerte, nicht bei der Suche nach Fabian helfen zu dürfen.
Am 14. Oktober schrieb Matthias R. um 13:13 Uhr an Gina, dass man bei Klein Upahl die verbrannte Leiche eines Kindes gefunden habe, woraufhin Gina H. antwortete, dass sie jetzt nicht reden könne.

Die Zeugin wird entlassen.

 

Zeugin 2 – Polizeibeamtin

Die Beamtin war an der Auswertung der Handys von Christian D. und Heike M. beteiligt. Sie gibt an, dass zahlreiche Chatnachrichten im Verlauf von Christian D.s Handys (privat wie geschäftlich) gelöscht wurden und somit ganze Konversationen keinen Sinn mehr ergaben.
Am 13. Oktober 2025 schrieb Gina H. um 20:57 Uhr an Christian D., dass sie sich entschuldigen und ihm etwas gestehen müsse. Eine Antwort seitens Christian D. habe es nicht gegeben. Nach dem gemeinsamen Besuch am Tümpel in Klein Upahl habe Gina um kurz vor Mitternacht noch einmal geschrieben, dass sie mit der Situation nicht klarkäme, worauf Christian D. antwortete, dass es wirklich eine schwere Situation sei.
Am Abend des 5. November habe Gina H. an Christian D. geschrieben „Jetzt fängt der Scheiß von vorn an“, nachdem der Fall Fabian in Aktenzeichen XY … ungelöst thematisiert wurde.

Die Auswertung von Heike M.s Handy bestätigt ihre Aussage vom 13. Prozesstag im Wesentlichen.

Die Zeugin wird entlassen.

 

Sprach- und Chatnachrichten

Dieses Mal handelt es sich um Nachrichten aus Februar 2025 zwischen Gina H. und Matthias R. Abermals wird deutlich, dass die beiden viele Unstimmigkeiten hatten. Vor allem die Eifersucht der Angeklagten ist zentrales Thema. Sie wolle wissen, wo Matthias R. sich aufhalte und mit wem er rede. In einer Sprachnachricht ist sie wütend darüber, dass Matthias R. so lange bei seiner Zahnärztin ist und wirft ihm vor, sich extra für den Arztbesuch umgezogen zu haben.

Am 27. März 2025 sagt Gina H. in einer Sprachnachricht an Matthias R., dass er genau wisse, dass er sie erpressen könne, da sie von ihm abhängig sei. Sollte er aufhören, sie finanziell zu unterstützen, würde sie alles verlieren.
Auch Matthias R. ist sich der schwierigen finanziellen Lage durchaus bewusst. Er gibt mehrfach an, nicht mehr zu wissen, wo er noch Geld auftreiben solle. Er würde schon mehr arbeiten als er könne und will seinen Kummer in Alkohol ertränken.

Um sich finanziell abzusichern, wäre Gina sogar bereit gewesen, freizügige Bilder auf der Plattform Onlyfans zu veröffentlichen. Hierzu gab es bereits Kontakt zu einem Fotografen.

 

Zeugin 3 – Polizeibeamtin der Mordkommission

Die Beamtin war u.a. an der Auswertung des Handys von Matthias R. beteiligt. Vor allem die Tatsache, dass Matthias R. den Kontakt zu Dorina L. aufrechterhalten hat, war Gina H. ein Dorn im Auge. Nach Fabians Verschwinden habe die Angeklagte kaum Verständnis für den besorgten Vater aufbringen können, stattdessen habe sie ihm abermals Vorwürfe gemacht, sich nicht genug um sie zu kümmern.

Die Zeugin wird entlassen.

 

Zeugin 4 – Polizeibeamtin

Bereits beim Verschwinden des Jungen war die Polizeibeamtin im Einsatz und führte ein Gespräch mit Dorina L., die sichtlich besorgt und hilflos wirkte.

Die Beamtin war dann am 14. Oktober 2025 nach der offiziellen Meldung des Leichenfundes durch Gina H. am Tümpel bei Klein Upahl im Einsatz. Sie gibt an, dass Gina H. ihnen den Weg zur Leiche per Geste gewiesen habe. Gina H. habe wenig emotional und ihre Aussage auswendig gelernt gewirkt. Vor allem die Tatsache, dass der Junge wie „Müll“ weggeworfen und seiner „letzten Würde“ beraubt wurde, habe die Zeugin besonders mitgenommen. Auch für sie habe es sich um eine außergewöhnlich schreckliche Erfahrung gehandelt, sodass sie nach dem 14. Oktober therapeutische Hilfe in Anspruch nehmen musste.

Die Zeugin wird entlassen.

 

 

 

 

Fabian: Prozesstag 17

Prozesstag 17 – 02.07.2026

 

Zeugin 1 – Liane W.: ehemalige Nachbarin von Gina H.

Die Zeugin gibt an, ein rein nachbarschaftliches Verhältnis zur Angeklagten gehabt zu haben. Ab und zu sei ihr Sohn J. bei ihnen zu Besuch gewesen. Gina H. sei in therapeutischer Behandlung gewesen und habe ihr berichtet, dass sie psychische Probleme habe, ihr selbst sei dies jedoch nie aufgefallen. Sie sei zwar den Kindern gegenüber auch mal etwas lauter geworden, jedoch nie hangreiflich. Liane W. gibt ebenfalls an, dass Gina H. ihre Pferde an erste Stelle setzte.
Im September 2025 habe sie den Kontakt zur Angeklagten nach einem Streit abgebrochen. Nachdem die Tochter der Zeugin Matthias R. eine Freundschaftsanfrage auf Facebook geschickt habe, sei Gina H. eifersüchtig geworden und habe sie zur Rede gestellt. In diesem Zuge habe ihr die Zeugin auch vorgeworfen, dass sie sich mehr um ihre Pferde kümmere als um ihr eigenes Kind.
Liane W. beschreibt Fabian als wilden, aufgeweckten Jungen, den sie jedoch nur sporadisch angetroffen habe. Ihr sei jedoch aufgefallen, dass Ginas Umgang mit Fabian härter war als mit ihrem eigenen Sohn. Zudem habe sie dem Jungen häufig vorgeworfen, zu dick zu sein und abnehmen zu müssen.
Die Nachbarin gibt an, dass Gina H. ihre Spaziergänge mit Sohn und Hund zuvor immer nur in Reimershagen gemacht habe, Klein Upahl sei nie ein Ausflugsziel gewesen. Sie habe sich sehr darüber gewundert, als sie gehört habe, dass Gina dort spazieren gegangen sein will.

Die Zeugin wird entlassen.

 

Zeugin 2 – Sandra H.: ehemalige Nachbarin von Gina H.

Die Zeugin kennt Gina H. schon seit Kinderzeiten. Als Nachbarn habe man sich immer wieder miteinander unterhalten und habe auch gemeinsame Spaziergänge unternommen. Nach der Trennung von Matthias R. und dem Suizid-Versuch habe sie ihr geraten, sich professionelle Hilfe zu suchen.
Die Zeugin berichtet, dass sie selbst familiäre Verbindungen nach Klein Upahl habe und auch in der Nähe arbeite, sie habe Gina H. doch noch nie dort angetroffen. Auch der Begriff „Schweinesuhle“ werde von den Anwohnern nicht verwendet. Man nenne den Ort „Wasserloch“.
Als sie am 10. Oktober von Fabians Verschwinden erfahren habe, sei ihr als erster Gedanke durch den Kopf gegangen, dass Gina etwas damit zu tun haben könnte. Allerdings habe sie nicht an einen Mord gedacht, sondern eher daran, dass sie den Jungen mit zu sich nach Hause genommen habe.
Das erste Gespräch mit Gina H. nach dem Auffinden der Leiche sei nicht mehr mit den Gesprächen von früher vergleichbar gewesen. Man sei nicht mehr freundlich, sondern distanziert miteinander gewesen. Die Angeklagte habe von der Zeugin verlangt, sich in ihre Lage zu versetzen, denn immerhin habe sie die Leiche gefunden. Gina H. selbst habe bei diesem Gespräch übermüdet gewirkt.

Auf Nachfrage der Nebenklage gibt die Zeugin an, dass Klein Upahl kein besonders guter Ort zum Schlittenfahren sei. Gina H. hatte zuvor behauptet, dort im Winter zum Rodeln gewesen zu sein und den Ort daher zu kennen.

Die Zeugin wird entlassen.

 

Zeugin 3 – Katrin L.: ehemalige Nachbarin von Gina H.

Auch diese Zeugin kennt Gina H. von Kindstagen an. Sie berichtet, dass sie schon früher immer darauf gepocht habe, zu bekommen, was sie wolle, dies habe sich nicht geändert. Auch dann, als Männer ins Spiel kamen, habe diese häufig zu Streitereien geführt, bei denen Gina H. zu hören gewesen sei.
In der Nachbarschaft sei die Beziehung von Matthias R. und Gina H. auf Unverständnis gestoßen. Niemand habe verstehen können, dass er sich von ihr derart ausnutzen lasse. Jeden Sonntag sei es zu Streitereien gekommen, die in der Nachbarschaft zu hören gewesen waren. Es sei hauptsächlich um Geld gegangen. Während Matthias R. das Konsumverhalten seiner Partnerin anprangerte, habe sie ihm vorgeworfen, sich nicht genug um sie, sondern nur um seine „dreckige Familie“ zu kümmern. Die Ausschreitungen seien jedoch stets verbal geblieben. Matthias R. habe sich sozial immer weiter isoliert und sei nur noch arbeiten gegangen. Im Hinblick auf die Kinder habe Gina H. überfordert gewirkt und viel geschimpft. Sie habe nie gesehen, dass sie ihren Sohn oder Fabian liebevoll behandelt oder gar in den Arm genommen habe. Einmal sei ihr Kind im Winter bei Ginas Sohn zu Besuch gewesen und in einen Gartenteich gefallen, da sie die Kinder unbeaufsichtigt gelassen habe. Danach habe ihr Kind nicht mehr mit Ginas Sohn spielen dürfen. Ihr Kind habe ihr im Anschluss an das Verbot berichtet, dass Gina H. gesagt habe, man könne ja dann spielen, wenn Mama nicht da sei, dann würde sie es ja nicht merken. Als Fabian irgendwann nicht mehr zu Besuch kam, habe Gina H. einer Kindergärtnerin erzählt, dass dies daran liege, dass Matthias R. sie geschlagen habe und der Junge dies beobachtet habe.
Die Zeugin berichtet, dass Gina H. eine hohe Fluktuation im Umgang mit anderen Menschen habe. Erst habe man sich verstanden, dann habe Gina über die entsprechenden Personen nur noch negativ besprochen. Es seien regelmäßig Männer auf dem Hof gewesen. Die Zeugin vermutet, dass sie dort mit den Pferden geholfen haben könnten. Sie selbst habe mit Gina nur wenig Kontakt gehabt. Es habe sich allgemein jedoch alles um die Pferde gedreht. Schlittenfahrten, Kutsch- oder Jagdausflüge nach Klein Upahl seitens der Angeklagten seien ihr nicht bekannt.
Als Fabian verschwand, habe die Zeugin sofort im Gefühl gehabt, dass Gina etwas damit zu tun habe, da sie immer gegen Matthias R.s Familie gewettert habe.
Nach Fabians Verschwinden habe die Angeklagte wesentlich erleichterter gewirkt als sonst und sogar Feuer in ihrer Feuerschale auf dem Hof gemacht. Feuer sei eine große Leidenschaft Ginas gewesen. Nach dem Tod ihrer Lieblingsstute Tiffy habe sie die Pferdedecken auf dem Hof in einer Schubkarre verbrannt, was vor allem durch die starke Geruchsbelästigung in der Nachbarschaft aufgefallen sei.
Derzeit würde Matthias R. die Pferde versorgen.

 

Zeugin 4 – Sabine H.: ehemalige Nachbarin von Gina H.

Die Zeugin kennt Gina H. seit Jugendzeiten. Sie habe von Beginn an Zweifel gehabt, dass die Angeklagte die Leiche nur zufällig gefunden habe. Ihr Verdacht ging jedoch eher in Richtung des Vaters. Sie habe geglaubt, dass Gina gerade dabei sei, Matthias R. zu decken. Aus großer Sorge habe sie die Angeklagte dann angerufen und habe erwartet, diese in entsprechend desolatem Zustand vorzufinden, sie sei jedoch in Bezug auf Fabian völlig emotionslos geblieben, was sie völlig verwundert habe. Stattdessen habe sie am Telefon gesagt, genervt von der Situation zu sein, vor allem vom Gottesdienst und dass Fabian versucht habe, sie und Matthias R. auseinanderzubringen. Da die Zeugin mit einer solchen Reaktion nicht gerechnet habe, sei sie am Telefon völlig überfordert gewesen. Gina H. habe dann nur noch darüber berichtet, wie viele Lügen und Gerüchte über sie im Internet kursieren würden. Die Zeugin habe dann versucht, das Gespräch schnell zu beenden mit den Worten: „Keine Sorge, sie werden das Schwein schon finden.“ Gina H. kommentierte dies nur damit, dass die Leiche bereits zur Beerdigung freigegeben sei und somit keine DNA mehr gefunden werden könne. Sabine H. berichtet, dass sie dieses Gespräch sehr mitgenommen habe. Sie berichtet, dass Gefühl gehabt zu haben, Gina nie gekannt zu haben und den Anruf bereut zu haben.
Im Hinblick auf die Beziehung von Matthias R. und Gina H. berichtet die Zeugin, dass die Angeklagte einmal angegeben habe, durch einen Streit mit Handgreiflichkeiten einen gebrochenen Arm davongetragen zu haben. Matthias R. habe sie geschubst.
Bezüglich der Schlittenfahrten kann sie berichten, dass Gina H. früher in Reimershagen gerodelt sei.

Die Zeugin wird entlassen.

 

Zeuge 5 – Max G.: Stallbursche von Gina H.

Der Zeuge erscheint mit einem Betreuer vor Gericht. Grund dafür sei sein ADHS sowie Legasthenie und eine Intelligenzminderung.

Der Zeuge behauptet, nach seiner Aussage bei der Polizei mehrfach schwer bedroht worden zu sein. Die betreffende Person sei im Gerichtssaal. Es handele sich dabei um Raffaela J. eine Freundin von Dorina L. Daraufhin wird die Dame des Saales verwiesen.

Max G. berichtet, Anfang Dezember am späten Abend in der Einfahrt seines Zuhauses zwei Personen angetroffen zu haben. Diese haben ihm einen Betrag von 5000 EUR geboten, wenn er vor Gericht „vernünftig“ aussagen würde. Man habe ihn dazu drängen wollen, vor Gericht ein negatives Bild von Gina H. zu zeichnen. Er habe aussagen sollen, dass sie eine schlechte Mutter sei und mit Tieren nicht umgehen könne, dies sei jedoch die Unwahrheit. Das Geld würde er bekommen, wenn Gina aufgrund seiner Aussage im Gefängnis landen würde. Er habe das Angebot abgelehnt und die beiden Personen abgewimmelt. Das Kennzeichen des Wagens habe er nicht erkannt. Danach habe man ihn noch mal zu einem anderen Zeitpunkt aus dem Auto heraus bedroht.
Er selbst stehe mit dem Fall Fabian nicht in Verbindung und habe seine Informationen nur vom Hörensagen seiner Familie. Bei der Polizei hatte er jedoch ausgesagt, aus dem sozialen Medien davon erfahren zu haben.
Im Jahr 2020 habe er als Stallhilfe auf Ginas Reiterhof gearbeitet. Mit der Zeit habe sich eine „beste Freundschaft“ entwickelt und man sei immer füreinander dagewesen.
Richter Holger Schütt fragt nun nach einer Aussage, die der Zeuge bei der Polizei getätigt haben soll, hier sei es darum gegangen, dass Fabian Gina mehr geliebt habe als seine eigene Mutter. Der Zeuge gibt jedoch an, so etwas nie gesagt zu haben. Auch weitere Aussagen, die er bei der Polizei getätigt hab, lehnt er nun als Missverständnis ab oder beruft sich auf Erinnerungslücken.
Max G. erzählt nun, dass er mit gezielten Lügen versucht habe, aus Gina die Wahrheit herauszubekommen in der Hoffnung, sie damit schließlich entlasten zu können. Er habe ihr zum Beispiel berichtet, einen Informanten bei der Polizei zu haben, dies sei jedoch nicht der Fall gewesen, sondern lediglich eine List.
In einem gemeinsamen Telefonat vom 18. Oktober 2025 habe man über Fabians Leichenfund gesprochen. Gina H. habe gesagt, dass sie zur Jagd eingeladen gewesen sei und sie den toten, bereits von Wildschweinen angefressenen Körper durch das Nachtsichtgerät gesehen habe. Sie habe Fabian jedoch am Gesicht erkennen können. In einem späteren Gespräch habe sie dann auf die andere Version der Geschichte umgeschwenkt.

Der Zeuge wird entlassen.

 

Die Nebenklage gibt an, gegen den Zeugen wegen Falschaussage in Bezug auf die Freundin von Dorina L. rechtliche Schritte einleiten zu wollen.

Fabian: Prozesstag 16

Prozesstag 16 – 01.07.2026

 

Zeugin 1 – Martina F.: Gerichtshelferin

Die Zeugin hat am 09.01.2026 mit Gina H. über ihr Leben gesprochen und darüber einen schriftlichen Bericht verfasst. Sie gibt an, dass dies ausschließlich die Erzählungen Gina H.s seien, die sie nicht überprüft habe.
Die Angeklagte habe ihr erzählt, eine schwere Kindheit gehabt zu haben. Sie sei gemobbt worden und habe Gewalt erlebt, zu der auch sexuelle Nötigung gehört habe. Zudem sei sie häufig umgezogen. Beruflich habe sie sich nie orientieren können, mit Männern habe sie nie Glück gehabt und sie habe psychische Probleme entwickelt.

Im gesamten Gespräch sei Gina H. sehr redefreudig gewesen und habe bereitwillig auf Fragen geantwortet, wobei sie jedoch keine konkreten Daten oder Ereignisse habe wiedergeben können. Der Zeugin sei aufgefallen, dass der angeklagten Tiere wichtiger seien als Menschen. Dies wäre besonders dadurch zu sehen gewesen, dass sie, wenn sie von ihren Tieren sprach, emotional anwesend gewesen sei. Bei allen anderen Berichten habe sie sich eher abgeschottet.

Die Zeugin wird entlassen.

 

Zeugin 2 – Elisa S.: Tierärztin

Die Zeugin betreut die Pferde der Angeklagten schon seit über 10 Jahren. Sie beschreibt die Beziehung zu Gina H. als rein geschäftlich. Trotzdem habe sie aus dem WhatsApp Status oder aus Facebook einige private Details aus dem Leben der Angeklagten mitbekommen, die diese Plattformen vornehmlich für das Verbreiten ihrer Probleme nutzte. Nach der Trennung von Matthias R. habe sie an ebendiesem Ort veröffentlicht, dass sie keinen Grund mehr zu leben habe.

In den letzten fünf Jahren habe Gina H. bei ihr insgesamt sechs Pferde behandeln lassen. Die Kosten in Höhe von insgesamt 8000 EUR seien alle bezahlt worden. Wer die Rechnungen beglichen hat, wisse die Zeugin jedoch nicht.

Die Tierärztin berichtet, dass Gina H. immer schnell und zuverlässig auf WhatsApp Nachrichten geantwortet habe außer am 10. Oktober 2025. Hier habe sie zum ersten Mal über eine Stunde gebraucht, um ihr zu antworten, nachdem sie ihr um 11:32 Uhr geschrieben habe. Sonst habe sie immer spätestens nach 10 Minuten eine Antwort erhalten. Nach dem Verschwinden des Jungen habe man ebenfalls Kontakt wegen der Pferde über WhatsApp gehabt. In diesem Zuge kam auch das „Thema Fabian“ auf, wie die Angeklagte es nannte. Gina H. habe hier völlig emotionslos gewirkt, was die Zeugin sehr verwundert hat. Sie habe die Angeklagte schließlich gefragt, ob vielleicht ein Ex-Freund von Dorina L. als potenzieller Täter in Frage käme, woraufhin sie keine Antwort mehr erhalten habe. Allgemein hatte die Zeugin das Gefühl, emotional mehr involviert in das Verschwinden des Jungen zu sein als die Angeklagte.
Nach dem Fund der Leiche habe Gina H. Elisa S. gegenüber gesagt, nicht in Klein Upahl gewesen zu sein. In den Sprachnachrichten, die nach dem Leichenfund ausgetauscht wurden, wirkt Gina H. völlig emotionslos und spricht hauptsächlich über ihre Pferde sowie die Gerüchte, die über sie auf Social Media kursieren. Elisa S. habe dieses Verhalten völlig seltsam gefunden, zumal Gina H. nach dem Tod ihres Lieblingspferdes Tiffy im Jahr 2024 einen völligen Zusammenbruch gehabt habe. Kurze Zeit vor Gina H.s Festnahme sei der Tierärztin ein WhatsApp Status der Angeklagten besonders in Erinnerung geblieben. In diesem habe sie gepostet: „Manchen Menschen musst du deine schlechte Seite zeigen, damit sie verstehen, wie nett du die ganze Zeit zu ihnen warst.“
Allgemein schätze die Zeugin die Angeklagte als risikobereiten Menschen ein, der sich über Gefahren und Folgen einer Handlung nicht bewusst sei. So sei sie z.B. mit mehreren Pferden gleichzeitig ohne Führung ausgeritten oder habe ihren Hund ungesichert zwischen den Pferden herlaufen lassen. Ihren Sohn J. habe sie bereits im Alter von einem Jahr auf ihrem Rücken festgeschnallt sei dann losgaloppiert.

Die Zeugin wird entlassen.

 

Zeuge 3 – Stefan E.: Freund von Matthias R.

Der Zeuge berichtet, dass Gina H. ihn vor allem nach der Trennung von Matthias R. kontaktiert habe, um über das Beziehungsaus zu sprechen. Unter anderem habe sie ihm erzählt, dass Fabian den Kontakt abgebrochen habe, weil sie ihn darüber informiert habe, dass sein Vater ihr gegenüber gewalttätig geworden sei. Irgendwann seien dem Zeugen die Kontaktversuche und die Gespräche zu viel geworden, sodass er Gina H. schließlich auf WhatsApp blockiert habe. Matthias R. habe zunächst erleichtert über das Ende der Beziehung gewirkt, was er von Gina H. nicht behaupten könne.
Noch am Abend des 14. Oktober habe Matthias R. bei ihm angerufen und berichtet, dass er glaube, dass die Angeklagte mit dem Mord in Verbindung stehe. Der Zeuge gibt an, dass er nicht den Eindruck gehabt habe, dass Matthias R. zu diesem Zeitpunkt unter Alkoholeinfluss stand. Richter Holger Schütt merkt an, dass Matthias R. in seiner eigenen Aussage diesen Punkt abgestritten habe und völlig betrunken gewesen sei will. Hiermit zeige sich ein merklicher Unterschied zwischen seiner Aussage und der von Stefan E.  Dieser kann sich nicht erklären, warum Matthias R. plötzlich eine andere Version der Dinge erzähle.

Der Zeuge wird entlassen.

 

Zeuge 4 – Andreas M.: Ehemaliger Arbeitgeber von Gina H.

Der Besitzer eines Reitsportgeschäftes beschäftigte Gina H. von April bis Juni 2025 in seinem Lager in Teilzeit. Die psychischen Probleme der Angeklagten seien im bei der Einstellung bekannt gewesen. Er habe sie schließlich wegen Diebstahls kündigen müssen, den er jedoch nicht zur Anzeige gebracht habe, da er sich wenig Erfolg ausgerechnet habe. Der Richter wirft ein, dass Gina dem Sozialamt gegenüber angegeben habe, die Stelle selbst gekündigt zu haben, da sie übermäßig viel habe arbeiten müssen. Der Zeuge lehnt diesen Vorwurf strikt als Lüge ab. Privaten Kontakt habe er zu der Frau keinen gehabt.

Der Zeuge wird entlassen.

 

Zeugin 5 – Ulrike K.: Arbeitskollegin von Matthias R.

Die Zeugin kennt Gina H. nur vom Sehen, hatte jedoch ein freundschaftliches Verhältnis zu Matthias R. und habe daher die Informationen über die Beziehung ausschließlich aus seinen Erzählungen. Diese stand von Anfang an unter keinem guten Stern. Matthias R. habe sich immer mehr kontrollieren lassen und Gina H. habe ihn unter den Pantoffel gestellt. Eines Tages habe Matthias R. ihr gegenüber angegeben, dass er vermute, dass Gina eine Spyware auf seinem Handy installiert habe. Gemeinsam habe man das Mobiltelefon untersucht, sei jedoch nicht fündig geworden. Auch diesen Umstand hatte Matthias R. in seiner Zeugenaussage abgestritten.
Der Richter fragt die Zeugin, ob sie eine sexuelle Beziehung zu Matthias R. gehabt habe, da Gina H. dies bei ihrer polizeilichen Vernehmung ausgesagt habe. Die Zeugin bezeichnet diesen Umstand als „lächerlich“.

Die Zeugin wird entlassen.

 

Zeuge 6 – Jörg M.: Freund von Gina H.

Der 70-Jährige kennt Gina H. schon seit ihrer Kindheit. Seit ca. 8 Jahren verbindet die beiden eine Freundschaft. Der Zeuge gibt an, dass Gina nicht nur unter mangelndem Selbstbewusstsein, sondern auch unter mangelnder Empathie sowie der Tendenz zu Überreaktionen neige. Sie sei jedoch eine herausragende Reiterin mit einem großen Wissen über Pferde, was er an ihr sehr schätze.
Jörg M. gibt zu, Gina H. regelmäßig finanziell unterstützt zu haben. Insgesamt sei die Summe vierstellig gewesen. Sie habe ihm leidgetan, da sie lediglich von ihrer Erwerbsunfähigkeitsrente ein Kind und fünf Pferde haben finanzieren müssen. Er bestätigt zudem, dass die Angeklagte, um diesen Lebensstandard zu halten, finanziell völlig abhängig von Matthias R. gewesen sei.
Am 14. Oktober 2025 habe sie dem Zeugen völlig aufgelöst davon berichtet, bei einem Spaziergang mit den Hunden Fabians Leiche zufällig entdeckt zu haben.
Der Richter liest nun zahlreiche Nachrichten aus dem Jahr 2024 vor, die zwischen dem Zeugen und der Angeklagten verschickt wurden. Alle Nachrichten haben einen romantischen und zweideutigen Klang. Der Zeuge lehnt jedoch ab, ein sexuelles Interesse an Gina H. gehabt zu haben. Auch das Geld habe er ihr nur aus Mitgefühl überweisen und nicht, weil er andere Absichten hatte.
Jörg M. berichtet, dass sie Trennungen im menschlichen Bereich schnell verkraftet hat, den Tod ihrer Stute habe sie jedoch nur schwer ertragen.

Der Zeuge wird entlassen.

 

Zeugin 7 – Silke G.: Friseurin von Gina H.

Am 10. Oktober hat die Zeugin von Fabians Verschwinden erfahren und die Meldung über ihren Status geteilt. Kurz darauf habe Gina H. sie angeschrieben, um ihr mitzuteilen, dass es sich bei dem verschwundenen Kind um ihren „Ziehsohn“ handele. Sie habe ihr mitgeteilt, dass sie hoffe, dass Fabian bald gefunden werden würde.
Am 11. Oktober schickte ihr die Angeklagte eine Sprachnachricht, in der sie ihr mitteilte, dass Fabians Mutter ihn vernachlässige und er am Tag seines Verschwindens allein mit Bauchschmerzen zu Hause gewesen sei. Sie berichtet, dass er immer allein sei und kein Mittagessen bekäme. Zudem sagt sie: „Fabian war wirklich fett“. Die Tatsache, dass die Angeklagte bereits am 11. Oktober von Fabian im Präteritum spricht statt im Präsens, obwohl die Leiche noch nicht gefunden wurde, lässt die Zeugin aufhorchen, sie redet sich jedoch ein, dass Gina H. damit auf die Zeit vor der Trennung von Matthias R. anspricht.
Am 17. Oktober überwog jedoch ihr schlechtes Gefühl, da sie sich mit dem Gedanken nicht anfreunden konnte, dass ausgerechnet Gina die Leiche gefunden haben will und so kontaktierte die Zeugin eine befreundete Polizistin.
In einer weiteren Sprachnachricht sagt Gina H., dass es viel schlimmer sei, dass geglaubt werde, dass sie Fabian ermordet habe. In diesem Zuge berichtet sie der Zeugin davon, dass sie bereits am Abend des 13. Oktober mit zwei Freunden am Fundort war.

Die Zeugin wird entlassen.

 

Zeuge 8 – Marian J.: Ehemaliger Freund von Gina H.

Der Zeuge gibt an, in den Jahren 2020 und 2021 viel mit der Angeklagten unternommen zu haben. Er sei auch verliebt in sie gewesen, Gina habe ihn jedoch nur ausnutzen wollen. Ihre Bitten um Geld habe er abgelehnt. Marian J. beschreibt, dass die Angeklagte einmal einen Pferdesattel gestohlen habe. Als sie ihn in den Diebstahl mit reinziehen wollte, kam es zum Streit. Da Gina H. immer wieder aufbrausend und unberechenbar reagiert habe, habe der Zeuge auch nicht davor zurückgeschreckt, andere vor dem Kontakt mit ihr zu warnen. Zudem habe Gina ihre Stute Tiffy während eines Turniers ins Gesicht geschlagen.
Der Zeuge wird entlassen.

Fabian: Prozesstag 15

Prozesstag 15 – 26.06.2026

 

Zeuge 1 – Sachverständiger für operative Fallanalyse

 

Hinweis

Bei der operativen Fallanalyse handelt es sich um ein Konstrukt, in dem Wahrscheinlichkeiten und Strukturen zur Rekonstruktion einer Tat herangezogen werden. Sie liefert wichtige Hinweise jedoch keine mit z.B. einem DNA-Profil vergleichbaren Aussagen.

 

 

Der Kriminalhauptkommissar gibt zu bedenken, dass aufgrund der Tatsache, dass zu der Zeit, als mit der operativen Fallanalyse begonnen wurde, die Tatverdächtige bereits in Haft und somit bekannt war. Das „Profilerteam“ bestand aus drei weiteren Fallanalytikern, zwei Personen, die die angeführten Analysen immer wieder in Frage stellen sollten sowie einem Psychologen.
Der Sachverständige gibt an, dass der Zeitraum von vier Tagen zwischen der Tat und dem Auffinden der Leiche eine besondere Herausforderung für die Fallanalytiker darstellte.

Fabian starb durch sechs Messerstiche in den Brustkorb, von denen zwei direkt das Herz trafen. Die Leiche wurde laut den Schätzungen des Brandursachenermittlers im Zeitraum von 13:30 Uhr und 14:00 Uhr angezündet. Den Brand fotografierte eine Zeugin. Der Fallanalytiker gibt an, dass die Tat mit unbedingter Tötungsabsicht durchgeführt wurde.
Das „Profilerteam“ rekonstruiert den Tattag wie folgt:
Fabian war am Morgen des 10. Oktober 2025 krank zu Hause. Er beschäftige sich mit seinem Handy. Sein Fahrrad steht gut sichtbar vor der Eingangstür, sodass von außen zu erkennen ist, dass der Junge anwesend sein muss, da er sonst mit dem Fahrrad zur Schule fuhr. Da auf Fabians Handy keine Anrufe oder Nachrichten zu verzeichnen sind, die einem Täter zuzuordnen wären, gehen die Ermittler davon aus, dass spontan bei ihm geklingelt wurde. Die Person muss Fabian bekannt, gegebenenfalls sogar gut bekannt gewesen sein, da er die Tür öffnete. Zudem muss die Person ihm einen positiven Anreiz gegeben haben, um mit ihm gemeinsam die Wohnung freiwillig zu verlassen. Dadurch, dass keine Spuren vor Ort zu finden waren, die auf ein gewaltsames Eindringen oder einen Kampf hindeuteten, ist dieses Szenario anzunehmen.
Der Tatort spricht für einen ortskundigen Täter. Der Platz ist gezielt und in Tötungsabsicht ausgesucht worden, da er vom Weg aus nicht einsehbar ist.
Die Spuren am Leichnam des Kindes lassen zwei Tötungsszenarien zu. Entweder lag Fabian auf dem Rücken, der Täter hat auf ihm gekniet und von oben herab gestochen oder der Täter hat Fabian von hinten in den Schwitzkasten genommen und dann zugestochen. Das 10 cm lange Messer böte im zweiten Szenario keine Gefahr, durch den Körper des Jungen zu dringen und den Täter selbst zu verletzen. Da keine Spuren darauf hinweisen, dass Fabian sich gewehrt oder versucht habe, wegzulaufen, ist anzunehmen, dass der Angriff gegen ihn plötzlich erfolgte und er arglos war.
Fabian ist gezielt und nicht als zufälliges Opfer und mit Tötungsabsicht ausgewählt worden. Da nur zwei Stiche für die Tötung notwendig waren, jedoch sechs Stiche geführt wurden, ist von einem sogenannten „Overkill“ oder auch „Übertöten“ zu sprechen. Das bedeutet, dass mehr Gewalt für die Tötung angewendet wurde, als nötig war, was auf eine persönliche Beziehung zwischen Täter und Opfer hindeutet.
Das anschließende Verbrennen des Leichnams könne sowohl mit dem Vernichtungswillen in Bezug auf den Jungen als auch den Wunsch nach Bestattung als auch den Wunsch nach Beweisvernichtung erklärt werden. Die Tatsache, dass Fabians rechte Hand sowie sein Gesicht beim Verbrennen ausgespart blieben, lässt mit hoher Wahrscheinlichkeit auf einen Täter schließen, der eine persönliche Verbindung zu dem Jungen hatte. Aber auch ohne das Verbrennen des Gesichts, sei eine Beziehungstat höchstwahrscheinlich anzunehmen.

Auf Nachfrage der Verteidigung betont der Sachverständige, dass sowohl eine Frau als auch ein Mann körperlich zu der Tat fähig gewesen wäre. Im Hinblick auf emotionales Verhalten und die damit verbundenen Stimmungen, spielt das Geschlecht für die Ausführung keine Rolle.

Ob das Verbrennen von Anfang an Teil der Tatplanung war, will der Sachverständige nicht bestätigen, er geht jedoch davon aus, dass der zeitnahe Zusammenhang zwischen Tötung und Verbrennen darauf schließen lässt, dass beide Faktoren zusammen betrachtet werden müssen. Jedoch sei die Kombination von Verbrennen und scharfer Gewalt sehr selten.

Der Zeuge wird entlassen.

 

Zeuge 2 – Polizeihauptkommissar

Der Beamte hat am 14. Oktober 2025 gegen 10:00 Uhr morgens den Anruf der Angeklagten entgegengenommen. Er spricht jedoch aus dem Gedächtnis, da das Telefonat nicht aufgezeichnet wurde. Er war zur Zeit des Anrufs zudem allein. Er schildert das Gespräch so, dass die aufgeregte Frau mit zittriger Stimme am Telefon nur sagte, dass sie „ihn“ gefunden habe. Der Zeuge vergleicht die Stimmlage mit jemanden, der aufgrund eines Fundes aufgeregt gewesen sei, es sei jedoch nicht zu vergleichen gewesen mit jemanden, der z.B. einen Verkehrsunfall melde. Auf Nachfrage des Polizisten antwortete sie: „Na, den Fabi, oder dass, was von ihm übrig ist.“ Der Beamte fragte nach dem Standort der Angeklagten, die antwortete, dass sie beim Spazierengehen im Wald mit ihren Hunden sei. Eines der Tiere habe sich losgerissen und sei zur Leiche gelaufen. Die Leiche liege in einer „Wildschweinkuhle“. Dieser Begriff sei von der Angeklagten am Telefon verwendet worden. Weder er noch seine Kollegen haben diesen Ort je so benannt. Er erinnere sich so besonders daran, da er ihn an einen Film erinnert habe, in dem darüber gesprochen wurde, dass menschliche Überreste von Schweinen gefressen werden.

Der Zeuge wird entlassen.

 

Zeuge 3 – Kriminaloberkommissar

Der Beamte führte das zweite Telefongespräch mit Gina H. nach dem offiziellen Fund der Leiche am 14. Oktober. Die Frau habe am Telefon berichtet, dass sie ein Skelett gefunden habe, das Gesicht sei jedoch noch zu erkennen gewesen. Daher habe sie Fabian erkannt. Sie gab an, einst mit Fabians Vater zusammen gewesen zu sein und daher den Jungen identifizieren zu können. Während des Gesprächs habe Gina H. einen gefassten Eindruck gemacht.

Der Zeuge wird entlassen.

 

Sprach- und Chatnachrichten

Es werden mehrere Sprachnachrichten zwischen Gina H. und Matthias R. abgespielt. Die Nachrichten aus dem Zeitraum 05. Juni – 30. Dezember 2024, also noch während der gemeinsamen Beziehung.

Gina H. fühlte sich von Matthias R. vernachlässigt. Vor allem zum dritten Jahrestag ihrer Beziehung habe sie eine besondere Aufmerksamkeit von ihm erwartet. Seine Aufmerksamkeit gelte vorwiegend anderen Menschen und nicht ihr. Zudem wirft sie ihm vor, nicht offen und ehrlich zu ihr zu sein und ihr zu wenig zu erzählen. Ihr sei schon lange aufgefallen, dass sie für ihn keine Priorität mehr habe. Sie sagt zudem, dass das Reiten und die Pferde für sie nicht nur ein Hobby seien, ohne dass sie nicht leben könne.
Matthias R. gibt an, dass er fast nur noch am Arbeiten wäre, um Gina H.s Lebensunterhalt zu finanzieren. Regelmäßig gibt er ihr seinen Kontostand durch und wie lange es noch dauern würde, bis das nächste Geld eingehe. Es sei ihm nicht möglich, das alles noch zu finanzieren. Darauf antwortet Gina H., dass es für einen Kaffee an der Tankstelle ja offenbar noch reichen würde. Als Matthias R. abstreitet, an der Tankstelle gewesen zu sein, gibt Gina H. an, dass er dort beobachtet worden sei. Insgesamt ist zu erkennen, dass die Angeklagte eine starke Kontrollsucht über Matthias R. auszuüben versuchte.

Auch Matthias R. Alkoholkonsum kommt in den Nachrichten wieder zur Sprache. Als es um den Besuch einer Party geht, die Matthias R. gern besuchen möchte, schlägt Gina H. ihm vor, dass er die Party auf einen Drink besuchen darf und sie ihn danach sofort abhole. Es sei denn er verspreche ihr, keinen Alkohol zu trinken, dann dürfe er allein nach Hause kommen. Er solle jedoch um 21:00 Uhr zu Hause sein. Matthias R. ist wütend über diesen Vorschlag und fühlt sich bevormundet. Gina H. hat kein Verständnis, da Matthias R. an sie und ihre Psyche zu denken habe.

Fabian: Prozesstag 14

Prozesstag 14 – 23.06.2026

 

Zeuge 1 – Polizeiobermeister Dennis K.

Dennis K. war als Fahrer am 14. Oktober 2025 im Einsatz. Er hielt sich in der Nähe von Gina H. und Heike M. auf, während seine Kollegen den Einsatzort begutachteten. Von Heike M. habe er einen sehr emotionalen Eindruck gehabt. Sie sei aufgebracht gewesen und habe viel geweint. Gina H. habe sich als Fabians Ziehmutter vorgestellt und erwähnt, dass sie erst kürzlich einen Suizidversuch hinter sich habe. Sie habe Stiefel getragen und eine enge, dunkle Hose. Während der Unterhaltung habe Gina H. erwähnt, dass der Tümpel sich für die Entsorgung einer Leiche gut eigne, zudem habe sie Fabians Mutter erwähnt und sie verantwortlich machen wollen. Sie habe Fabian oft allein gelassen, weshalb er für sein Alter sehr selbständig gewesen sei. Die hinzugezogenen Seelsorger haben keinen Zugang zu den Frauen gefunden, deshalb sei der Zeuge noch dortgeblieben. Gina H. habe dann eine Polizeibeamtin gefragt, warum sie so böse dreinschaue. Der Zeuge habe dies nicht so empfunden. Beide Frauen seien nicht froh darüber gewesen, ihr Handy abgeben zu müssen. Gina H. habe gesagt, dass auf ihrem Handy Dinge seien, die die Polizei nichts angehen würden, Heike M. hingegen habe nicht auf das Handy als Kommunikationsmittel verzichten wollen. Letztendlich haben beide Frauen ihre Mobiltelefone nach kurzer Diskussion jedoch ausgehändigt. Er habe die Situation nicht als übermäßig ungewöhnlich empfunden.
Im Auto habe Gina H. schließlich wortlos aus dem Fenster gestarrt, während Heike M. immer wieder betonte, dass die Situation für die Angeklagte doch schlimmer sein müsse. Zeitweise habe Gina H. nicht mehr auf Ansprache reagiert. Auf die Frage, wo sie gedanklich gewesen sei, habe sie nicht geantwortet. Als der Zeuge mit Heike M. allein im Auto war, habe sie bitterlich geweint und Angst gehabt, die Situation nicht verarbeiten zu können, er habe ihr empfohlen, sich alles von der Seele zu reden. Dies habe Heike M. zum Anlass genommen, ihm die Wahrheit über die Auffindesituation zu sagen. Gina H. habe sie an diesem Morgen gegen 7 Uhr angerufen. Noch schlaftrunken habe sie gehört, dass Gina H. ihr mitteilte, die Leiche bereits in der Nacht mit zwei Männern gefunden zu haben. Heike M. sei sofort zu einer Aussage bereit gewesen, auch wenn sie ihrer Freundin Gina eigentlich nicht habe schaden wollen.

Der Zeuge wird entlassen.

 

Telefongespräch zwischen Gina H. und Heike M.

In dem achtminütigen Gespräch berichtet Gina von der gegen sie gerichteten Hetzjagd in den sozialen Medien. Sie gibt an, sich nicht mehr zum Einkaufen zu trauen. Zudem hätte auch Jäger Christian den Kontakt zu ihr abgebrochen. Auch Matthias habe sich nicht bei ihr gemeldet, seit Gina die Leiche gefunden habe. Sie bittet Heike M. darum, die Wahrheit zu verschweigen. Heike M. lehnt dies jedoch ab.

 

Zeuge 2 – Kriminalhauptkommissar Frank F.

Der Beamte war mit der Überwachung der Telefone sowie der Vernehmung von Zeugen betraut. Zudem hat er einen Zeitstrahl über die Ereignisse erstellt.
Der Zeuge berichtet, dass er derjenige war, der Gina H. ihr Handy zurückbrachte. Als diese einen Anruf von Matthias R. erhielt, war er noch zugegen. Er habe gehört, wie dieser am Telefon geschrien, ihr vorgeworfen habe, etwas mit Fabians Tod zu tun zu haben und Gina H. gebeten habe, ihn erst einmal nicht mehr anzurufen. Die Angeklagte habe mitgeteilt, dass Fabians Vater am Telefon betrunken war. Zudem habe sie bereitwillig zugegeben, dass Spuren von Fabian in ihrem orangefarbenen Ford Ranger zu finden sein würden. Diese seien bei einem gemeinsamen Ausflug im Sommer entstanden. Danach habe sie ihr Auto nicht mehr gereinigt. Auch ihre Kleidung habe sie freiwillig übergeben. In der Befragung habe sie angegeben, dass sie eine Rente von 1200 EUR monatlich erhalte. Ihr Verhältnis zu Fabian sei gut gewesen. Es sei lediglich ein Bauchgefühl gewesen, welches sie zu dem Tümpel geführt habe, an dem sie Fabians Leiche schließlich gefunden habe. Die Leiche habe sie durch Christian D.s Nachtsichtgerät erblickt.

In einer Befragung habe ein Bekannter von Gina H. mitgeteilt, dass er, um ihre Reaktion zu testen, der Angeklagten erzählt habe, dass aufgrund von Holzdieben rund um den Tümpel Wildkameras aufgestellt worden seien. Der Bekannte habe ausgesagt, dass Gina H. geantwortet habe, dass sie entweder „Glück oder Pech“ haben würde.
Der Richter spielt das entsprechende Telefongespräch vor, bei dem der Bekannte diese List gegen die Angeklagte anwendete. Gina H. wirkt zunächst ungläubig und lehnt die Existenz von Kameras an einem solch abgelegenen Ort ab und gibt an, dass Kameras nur an Wildfutterstellen zu finden sind und es im Umkreis des Tümpels auch kein Holz gab. Der Richter erinnert daran, dass Gina H. im Gespräch mit Olaf K. angegeben habe, am 10. Oktober in der Nähe des Tümpels gewesen war, da sie einen Tierheilpraktiker habe aufsuchen wollen. Es werden nun Bilder des Weges gezeigt, der zu dem genannten Tierheilpraktiker führt. Am Wegesrand sind große Holzstapel zu erkennen.

Der Beamte gibt an, dass Gina H. versucht habe, mit Olaf K. am Telefon ein Alibi abzusprechen. Für ihn sei es eindeutig gewesen, dass der Mann ein sexuelles Interesse an Gina gehabt habe. Auffällig sei zudem gewesen, dass Gina H. ihr Verhalten am Telefon merklich änderte, nachdem Matthias R. ihr mitteilte, dass er davon ausgehe, dass sie von der Polizei abgehört werden. Im Hinblick auf die Telefonate erwähnt der Beamte auch noch einmal, dass Gina H. in einem Gespräch mit Olaf K. ihren Grillanzünder gesucht habe.
Die Telefonate von Matthias R. hingegen seien sehr einsilbig gewesen. Es sei sehr wenig um Fabian gegangen, er habe mehr über den Konsum von Alkohol gesprochen.

Der Zeuge gibt zu bedenken, dass alle Gespräche zusammengenommen ein Gesamtbild ergeben.

Am 16. Oktober gab es zwei Telefonate zwischen Gina H. und Matthias R.
Im ersten Gespräch spricht die Angeklagte ausschließlich über sich und die mediale Hetzjagd gegen sie. Matthias R. versichert er, dass er nichts mit der Verbreitung von Gerüchten gegen sie zu tun habe und dass er ihr die Tat nicht zutraue. Beide vermuten Dorina L. als Verursacherin der brodelnden Gerüchteküche und Matthias R. empfiehlt, Anzeige gegen sie zu erstatten. Die beiden sprechen dann über einen sehr penetranten Reporter, der bereits zuvor durch die Verteidigung bei Olaf K. angesprochen wurde. Matthias R. empfiehlt Gina, die Polizei einzuschalten, sollte der Reporter zu aufdringlich werden. Noch einmal betont Gina H., dass sie Fabian niemals etwas hätte antun können. Matthias R. glaubt ihr. Sie erwähnt auch hier, dass sie sich nicht mehr vor die Tür traue.

Der Beamte gibt an, dass für ihn in diesem Telefonat vor allem auffällig gewesen sei, dass Gina ihr eigenes Schicksal als schlimmer empfand als das, was mit Fabian passiert sei. Sie habe bei Matthias R. für ihre Situation Hilfe gesucht, statt dem trauernden Vater Trost zu spenden.

Im zweiten Telefonat vom selben Tag spricht man über den gemeinsamen Sex. Zudem wird wieder über die Gerüchte gesprochen. Wieder beteuert Matthias R. diese nicht verbreitet zu haben. Gina gibt an, Angst davor zu haben, dass die Polizei ihr etwas anhängen will. Sie sagt zudem, dass ihr Sohn in der Schule geärgert werde und sie ganz allein sei, Matthias R. jedoch seine Familie habe. Zudem störe es sie, dass die Polizei so lange für die Untersuchung ihres Autos benötige. Außerdem verurteilt sie Dorina L. dafür, dass sie Fabian am Tag des 10. Oktober krank zu Hause allein gelassen habe. Im weiteren Verlauf des Telefonats beschreibt Gina H. sowohl des Zustands von Fabians Leiche als auch Auffindesituation am 14. Oktober mit Heike M. Von den vorherigen Besuchen des Tatorts erwähnt sie nichts.  Sie sagt Matthias R., dass die Polizei sie gefragt habe, ob dieser als Täter in Frage käme, was sie verneint hätte. Der Zeuge, der die besagte Vernehmung durchgeführt hat, kann sich jedoch nicht daran erinnern, diese Frage überhaupt gestellt zu haben. Er gibt jedoch an, dass Gina H. immer dabei geblieben sei, unschuldig zu sein. Matthias R. hingegen schließe er als Täter aus, da sich sein Alibi als lückenlos erwiesen habe. Bis auf Gina H. seien alle anderen Alibis für ihn ebenfalls stabil gewesen.
Die Verteidigung wirft ein, dass die Polizei am Tag des Leichenfundes ausschließlich die von Gina H. an diesem Tag getragene Kleidung konfisziert habe, jedoch nicht die Kleidung vom 10. Oktober. Er fragt, wie dieser Umstand zu erklären sei, was der Zeuge damit begründet, dass Gina H. zu dieser Zeit noch nicht als mutmaßliche Täterin in Betracht gezogen worden war.
Zudem merkt der Verteidiger an, dass es einen sehr ähnlichen Ford Ranger in der näheren Umgebung geben würde und fragt, ob dieser auch überprüft wurde. Der Zeuge kann sich nicht mehr genau an die Anzahl der überprüften Fahrzeuge erinnern, es wird jedoch darauf hingewiesen, dass genaue Informationen den Akten zu entnehmen seien.

Der Zeuge wird entlassen.

 

Zeugin 3 – Kriminalhauptkommissarin Jana H.

Die Beamtin hat nicht nur mehrere Zeugen in diesem Fall befragt, sondern war auch an der Ermittlung beteiligt, bei der der Standort des von Gina H. am 10. Oktober geschossenen Fotos rekonstruiert wurde. Das besagte Foto hatte die Angeklagte mit ihrem Handy aufgenommen und einem Bekannten geschickt. Es zeigt ihren Hund auf einem Feldweg.

Hauptthema ist jedoch die Befragung von Jäger Christian D., an der die Zeugin beteiligt war. Sie beschreibt sein Verhältnis zu Gina H. als sehr eng. In dem Gespräch haben sich zahlreiche weitere Fragen ergeben, die die ursprünglich geplanten Fragen bei weitem überschritten hätten. Dies habe dazu geführt, dass die Befragung insgesamt 10 Stunden dauerte. Zudem habe man Christian D. mehrfach darauf hinweisen zu müssen, dass er dazu verpflichtet sei, die Wahrheit zu sagen, vor allem im Hinblick auf die Auswertung der Funkzellendaten. Hier habe Christian D. sich schließlich Notizen machen müssen, um den Ablauf eindeutig darstellen zu können. Ihm sei wichtig gewesen, dass man von einer rein freundschaftlichen Beziehung zu Gina H. spreche, aus Angst vor seiner Frau. Bei Treffen am See am 10. Oktober mit Gina H. habe er immer wieder unterschiedliche Zeitangaben bezüglich der Dauer des Treffens gemacht. Diese variierten zwischen 30 und 90 Minuten. Dies habe er mit mangelndem Zeitgefühl begründet, was die Zeugin als wenig glaubhaft erachtete. Im Hinblick auf den Abend des 13. Oktober habe er ausgesagt, dass ihm der Fundort nicht bekannt gewesen sei, zudem habe er nicht zugeben wollen, dass ihm an diesem Abend schon bewusst gewesen sei, dass sie eine Leiche gefunden hatten.

Die Zeugin wird entlassen.

 

Zeuge 4 – Polizeiobermeister Yannick S.

Der Beamte war an den Befragungen von Matthias R., Olaf K. und Christian D. beteiligt. Zudem habe er Fabians und Ginas Tagesabläufe am 09. wie 10. Oktober 2025 nachverfolgt und miteinander verglichen.

Gina H. habe am 10. Oktober einen Termin mit ihrem Sohn gehabt, den sie jedoch absagte mit der Aussage, dass dieser krank sei. J. war jedoch gesund und in der Schule. Am 10. Oktober wurde Ginas Auto in der Nähe von Fabians Wohnung gesehen. Der Zeuge schätzt Gina H.s psychischen Zustand zu dieser Zeit als „extremen Ausnahmezustand“ ein, da sie Verhaltensweisen aufzeigte, die sonst von ihr eher nicht zu erwarten gewesen wäre, wie z.B. das Verfassen eines Testaments am Abend des 09. Oktober oder das Schlagen ihres Pferdes am Morgen des 10. Oktober.
Am 10. Oktober wurde Ginas Auto von Zeugen an verschiedenen Orten beobachtet. Diese Beobachtungen decken sich nicht mit den Aussagen, die Gina H. bezüglich ihres Alibis vorbrachte. Zudem konnte der von ihr angegebene Tagesablauf nicht mit ihren Handydaten in Einklang gebracht werden, die Anhand der Funkzellenauswertung ihren Standort preisgaben. Die Nachricht, dass Fabian verschwunden sei, erreichte Gina H. durch Matthias R. genau um 20:17 Uhr. Er habe ihr in dieser mitgeteilt, dass Fabian seit Stunden fort sei. Ihre Google Suche nach Vermissten Personen auf Polizei-Seiten haben bereits viel früher an diesem Tag stattgefunden. Der Zeuge bestätigt ebenfalls die von Gina H.s Google Account getätigte Suche nach „Fressen Wildschweine Menschen“ und „Fressen Wildschweine tote Menschen“. Zudem habe Gina H. Matthias R. beschuldigt, diese Suche von ihrem Account aus getätigt zu haben, was dieser verneinte. Der Zeuge gibt an, dass Matthias R. sein Handy in der Zwischenzeit gewechselt und völlig neu eingerichtet habe. Er hatte demnach auch keinen Zugriff mehr auf den Google-Account der Angeklagten. Das alte Handy habe Matthias R. laut eigener Aussage vernichtet. Der Beamte sieht keinen Grund dafür, Gina H. nicht als Täterin in Betracht zu ziehen oder einen anderen Täter anzunehmen.

Die Verteidigung bemängelt nun, dass die Handyvideos vom 09. Oktober 2025 von der Polizei nicht ausgewertet worden seien. Der Zeuge gibt an, dass die Ermittlungen mit dem 10. Oktober, also Fabians Verschwinden, begonnen haben. Hier hakt die Staatsanwaltschaft ein und gibt an, dass die Videos bereits gelöscht geworden seien, als die Polizei diese später habe auswerten wollen.

Der Zeuge wird entlassen.

 

Die Verteidigung zweifelt im Allgemeinen an der Glaubhaftigkeit von Zeuge 1 und gibt zusätzlich zu bedenken, dass es bisher unmöglich gewesen sei, dass Treffen zwischen Christian D. und Gina H. am 10. Oktober 2025 zeitlich genau einzuordnen. Zudem merkt er an, dass auch das Messer aus der Garage des Olaf K. nach wie vor nicht als Tatwaffe habe identifiziert werden können und somit auch nicht als solche gehandelt werden dürfe.

(Quellen: Stern.de; Ostseewelle; t-online; NDR; Focus Online; Pressemitteilungen Landgericht Rostock; RTL – Carsten Kulawik)

Fabian: Prozesstag 13

Prozesstag 13 – 18.06.2026

 

Zeugin Heike M. – Freundin von Gina H.

Gina H. und Heike M. lebten gemeinsam im gleichen Haus. Man habe sich auf diese Weise kennengelernt. Da beide Hundehalterinnen sind und die Tiere sich gut miteinander verstanden haben, sei man auch ab und zu miteinander spazieren gegangen. Man habe sich auch bei den Pferden gegenseitig unterstützt. Nach der Trennung von Matthias R. habe Gina ausziehen müssen. Man habe sich versprochen, in Kontakt zu bleiben und einmal die Woche gemeinsam mit den Hunden spazieren zu gehen, dies sei hauptsächlich in Reimershagen passiert. Heike M., die auf eine Gehhilfe angewiesen ist, sei mit dem Auto zu den gemeinsamen Treffen gefahren. Gina sei bei den Ausflügen geritten, sie sei mit ihrem „Scooter“ gefahren und auch Sohn J. sei ab und an mit dem Fahrrad dabei gewesen.

Die Beziehung zu Matthias R. sei zerrüttet gewesen. Man habe sich viel gestritten. Im Hinblick auf den Umgang mit den Kindern sei J. auch schon mal vor die Tür gesetzt worden. Bei der Erinnerung an Fabian beginnt die Zeugin zu weinen. Fabian sei eine Zeitlang häufiger bei Gina gewesen. Irgendwann sei ihr das allerdings zu viel geworden, sie habe das Gefühl gehabt, dass Matthias R. ihn zu ihr „abschiebe“. Irgendwann habe sie es nicht mehr so gern gemocht, dass Fabian zu ihr kam, das habe sich an Aussagen gezeigt wie „Jetzt kommt Fabian schon wieder“. Matthias R. habe so viel gearbeitet, dass Fabian bei Gina blieb. Die Zeugin beschreibt Ginas Sohn J. als sehr schlauen und aufgeschlossenen Jungen, bei dem sie hin und wieder sogar den Eindruck hatte, dass er seine Mutter und Matthias gezielt gegeneinander ausgespielt habe, um die Streitereien hervorzurufen. Er habe Ginas geistiges Potential überstiegen, sodass sie dies nicht gemerkt habe. Bis auf die Straße habe man teilweise die Auseinandersetzungen zwischen den beiden Erwachsenen hören können. Zeugin von Schlägen sei sie nicht geworden, jedoch haben Gina und auch J. berichtet, dass Matthias sie geschlagen habe.

Auf Nachfrage des Richters berichtet Heike M. von ihrem Wissen bezüglich der finanziellen Situation von Gina H. Diese erhalte aufgrund psychischer Probleme eine Erwerbsunfähigkeitsrente. Die Diagnose selbst kenne sie nicht, sie wisse jedoch von Problemen mit der Mutter und der Schwester sowie Suizidversuchen. Eines Tages nach der Trennung von Matthias R. habe Gina sie angerufen, um ihr mitzuteilen, dass sie einen Abschiedsbrief auf den Tisch gelegt habe. Als sie sie daraufhin nicht mehr erreichen konnte, sei sie zu ihr gefahren. Matthias sowie ein Rettungswagen seien bereits dort gewesen und habe Gina bewusstlos im Pferdestall gefunden. Einer der Rettungssanitäter habe den Abschiedsbrief gelesen, sie habe ihn jedoch nicht gesehen.

Heike M. berichtet, dass Gina sich sonst den ganzen Tag um ihre Pferde gekümmert habe. Als ihr Lieblingspferd gestorben sei, habe sie einen Zusammenbruch erlitten. Während der Beziehung habe Matthias R. finanziell dafür gesorgt, dass Gina die Pferde halten konnte. Heike M. glaubt, dass sie nach der Trennung deshalb wieder zurück zu ihren Großeltern zog, um die Pferde halten zu können. Sie glaube, sich zu erinnern, dass Gina einmal für kurze Zeit in einem Reitsportladen gearbeitet habe und schätzt, dass dies im Jahr 2024 war.

Die Beziehung zu Matthias sei in ihren Augen eine reine Zweckbeziehung gewesen, da er für die Finanzierung der Pferde aufkam, die Gina sehr wichtig seien. Nach der Trennung habe ihr, so glaubt Heike M., den Boden unter den Füßen weggezogen.

Heike M. beschreibt Gina als sehr eifersüchtigen Menschen, der vor allem dann derartig reagierte, wenn sie das Gefühl hatte, einen Menschen nicht kontrollieren zu können. Ein falscher Blick von Matthias R. habe ausgereicht, um sie aus der Fassung zu bringen, auch im Hinblick auf Dorina L. Die Zeugin glaubt sich zu erinnern, dass Matthias R. einmal fremdgegangen sei, als er betrunken war. Aufgrund dessen habe Gina H. so empfindlich auf seinen Alkoholkonsum reagiert.

Am Morgen des 14. Oktober habe sie im Bett gelegen, als ihr Telefon klingelte. An eine genaue Uhrzeit könne sie sich nicht mehr erinnern. Gina H. habe ihr ohne Umschweife berichtet, dass sie Fabian tot aufgefunden haben. Vor lauter Schreck habe Heike M. aufgelegt, sie erinnere sich jedoch nicht mehr, ob Gina sie erneut anrief, oder ob sie zurückgerufen habe. Gina H. habe dann berichtet, dass sie Fabian gemeinsam mit den „Jungs“ gefunden habe. Heike M. habe immer wieder auflegen müssen. Es haben daher mehrere Gespräche stattgefunden. Sie habe es den Erklärungen von Gina so entnommen, dass sie mit Christan D. und Olaf K. gleichzeitig beim Tümpel gewesen sei. Sie habe berichtet, dass Jäger Christian ein Nachtsichtgerät verwendet habe. Die Polizei habe man nicht gerufen, da dieser sonst seinen Jagdschein verlieren würde, wenn er ein solches in einem fremden Revier zum Einsatz bringe. Heike M. kam dies komisch vor, gesagt habe sie jedoch nichts. Gina habe sie dann gefragt, wie man das am besten machen könne, um bei der Polizei nicht seltsam dazustehen. Heike M. könne sich nicht mehr daran erinnern, wer schließlich die Idee mit den Hunden einbrachte. Da Gina H. wisse, dass Heike M.s Hund nicht gehorche, habe sie darum gebeten, diesen abholen zu dürfen, um dann bei der Polizei behaupten zu können, dass er weggelaufen sei und sie so über Fabians Leiche gestolpert wäre. Da Heike M. geglaubt habe, dass dies so nicht funktionieren würde, habe sie sich bereiterklärt, mitzufahren aus Sorge darüber, dass die Leiche des Kindes sonst niemals gefunden werden würde. Sie sei besorgt gewesen, dass Gina die Polizei sonst nicht informieren würde. Heike M. sei es wichtig gewesen, dass der Junge gefunden und die Eltern Gewissheit erhalten würden.
Gemeinsam fuhr man schließlich in die Nähe des Tümpels. Auf der Fahrt habe die Zeugin die Angeklagte immer wieder beschworen, die Polizei anzurufen, diese habe jedoch gesagt, dass sie dies erst tun könne, wenn sie bei der Leiche gewesen sei. Heike M. ist die Gegend, in der die beiden dann aussteigen, völlig unbekannt. Während Ginas Hund frei läuft, hält Heike M. ihren an der Leine. Man sei in Richtung des Tümpels gegangen, da es sehr nass war, sei Heike M. nicht dazu in der Lage gewesen, zum Wasser selbst hinabzugehen. Um mit der Leine von Heikes Hund Schleifspuren zu hinterlassen, befestigt Gina H. ihre eigene Leine zusätzlich an deren Hund, um diesen in die richtige Richtung führen zu können. Nach einer Weile sei Gina H. stolz zurückgekommen und habe berichtet, dass Heikes Hund sogar noch neben die Leiche „gepullert“ habe. Fabians Leiche sähe laut Ginas Aussage noch schlimmer aus als beim ersten Mal. Heute glaube Heike M., dass Gina nur noch einmal mit ihr zur Leiche wollte, um dort frische Spuren zu hinterlassen.
Gina H. habe dann die Polizei gerufen und am Telefon gesagt, dass sie eine Leiche gefunden habe, die sie für Fabian halte. Danach sei Gina völlig normal gewesen und habe mit dem Handy spielend auf die Polizei gewartet. Heike M. selbst habe sich wie in einem falschen Film gefühlt. Gina habe Heike dazu aufgefordert, niemanden mit reinzuziehen. Die Zeugin habe sich aber vorgenommen, die Wahrheit zu sagen, wenn sich herausstellen sollte, dass es sich wirklich um Fabian handele. Das habe sie Gina H. auch so mitgeteilt, was diese unkommentiert ließ. Sie habe ihr jedoch angeboten, ein Foto von der Leiche zu machen, falls sie sie sehen wolle, was die Zeugin ablehnte.

Als die Polizei ankam, sei man zur Herausgabe der Handys aufgefordert worden. In den Augen der Zeugin sei Gina H. „total ausgetickt“ und habe sich der Aufforderung verweigern wollen. Im Nachhinein empfindet sie das Verhalten der Angeklagten vor Ort als unangemessen, kalt und zielstrebig. Nach dem Leichenfund habe man nur noch einmal eine WhatsApp ausgetauscht und ein kurzes Telefonat gefühlt. In diesem sei es um die Mütze ihres Mannes gegangen sowie um die Frage, ob Gina sauer sei, weil Heike bei der Befragung durch die Polizei die Wahrheit gesagt habe. Gina habe dies verneint. Danach sei der Kontakt völlig abgebrochen.

Auf Nachfrage bestätigt auch diese Zeugin, dass Gina H. ihr Handy nie ausschaltete und immer damit zugange war. In Ginas Leben seien die Prioritäten klar gewesen, an erster Stelle standen ihre Pferde, ihr Sohn sei erst später gekommen.

Die Zeugin wird entlassen.

Fabian: Prozesstag 12

Prozesstag 12 – 16.06.2026

 

Vorbemerkungen

Die Verteidigung betritt den Gerichtssaal mit zwei blauen Müllsäcken mit Kleidung von Gina H.s Sohn. Diese Kleidung wurde von Matthias R. als die identifiziert, die auch Fabian hin und wieder trug. Da unter Fabians Fingernägeln blaue Faserspuren gefunden wurden, die zu einem blauen Pullover von Gina H. gehören sollen, wird darum gebeten, die Kleidung ihres Sohnes zu untersuchen. Die Verteidigung geht davon aus, dass die Faserspuren unter Fabians Fingernägeln von der Kleidung stammen, die er sich mit J. teilte und sie durch die eigene Verwendung Faserspuren unter seinen Fingernägeln hinterließen.

 

Zeuge Olaf K. – Bester Freund von Gina H.

Die beiden kennen sich seit dem Jahr 2020. Zu dieser Zeit ist Olaf K. auf ein angrenzendes Grundstück von Gina H. gezogen. Im Laufe der Zeit wurden die beiden Freunde. Olaf K. half ihr immer wieder mit den Pferden und auch Fabian habe er durch diese Verbindung kennengelernt. Er sei zudem mit Ginas Großeltern befreundet. Olaf K. gibt an, Gina H. auch finanziell unterstützt zu haben, vor allem dann, wenn Matthias R. ihr kein Geld gegeben habe. Es seien kleinere Beträge gewesen, damit sie sich Lebensmittel habe kaufen können. Matthias R. habe sehr viel gearbeitet, die Beziehung zwischen ihm und Gina sei jedoch nicht gut gewesen. Ärger und Streit seien an der Tagesordnung gewesen. Vor allem der Alkoholkonsum von Matthias R. sei hier ein immer wieder auftauchender Faktor gewesen und auch über Fabian habe man sich immer wieder gestritten. Einmal berichtete Gina H. sogar von Handgreiflichkeiten.
Im Hinblick auf Fabian sei es bei den Streitereien darum gegangen, dass Matthias R. nicht anwesend gewesen, wenn sein Sohn zu Besuch war und Gina H. die Betreuung habe übernehmen müssen. Zudem sei Matthias R. sehr streng mit Fabian gewesen und habe ihn z.B. auch mal in sein Zimmer einschließen wollen. Gina H. habe von diesen Methoden nichts gehalten.
Auch Ginas Eifersucht sei immer wieder ein Streitthema gewesen. Vor allem Matthias R.s Facebook Kontakte habe sie kontrolliert und hinterfragt. Zudem habe sie ihm unterstellt, dass er ihr mit Dorina L. fremdgegangen sei. Dorina sei ihr ein besonderer Dorn im Auge gewesen. Gina H. habe verlangt, dass Matthias R. den Kontakt zu ihr abbreche.
Nach der Festnahme habe Olaf K. den Kontakt zu Gina H. abgebrochen.

Am Morgen des 09. Oktober haben Gina H. und Matthias R. erneut gestritten. Deshalb habe Olaf K. sich am Abend mit ihr darüber unterhalten. Er hatte jedoch den Eindruck, dass es Gina H. zu dieser Zeit gutging. Kurze Zeit später ließ sie sich jedoch von Chat GPT ein Testament verfassen.

Am 10. Oktober 2025 haben Gina H. und Olaf K. den Morgen gemeinsam bei ihren Pferden verbracht. Man traf sich gegen 7:30 Uhr und trennte sich zwischen 10:00 Uhr und 10:30 Uhr. Man habe sich verabschiedet und Gina habe zu ihm gesagt, dass sie noch einmal wegmüsse. Mehr habe sie zu ihren Vorhaben nicht erwähnt. Olaf K. sei zunächst einkaufen gewesen, dann zu Hause und schließlich beim Frisör. Erst am späten Abend habe er wieder mit Gina gesprochen und ihr einen Döner gebracht. Er habe zu dieser Zeit keinen außergewöhnlichen Eindruck von ihr gehabt, sie sei wie immer gewesen. Auffällig gewesen sei jedoch, dass sie an diesem Tag das Auto gereinigt habe, was sie sonst so gut wie nie getan habe. Auf Nachfrage des Richters Holger Schütt gibt Olaf K. an, dass Gina H. die Einzige war, die den orangefarbenen Ford Ranger gefahren sei. Er habe ihn nur einmal rangiert.

An den darauffolgenden Tagen habe Gina sich im Hinblick auf das Verschwinden des Jungen wenig mitfühlend gezeigt und auch nicht den Eindruck gemacht, sich an der Suche beteiligen zu wollen.

Am Abend des 13. Oktober habe er gegen 22:10 Uhr eine Nachricht von Gina H. erhalten. Sie habe ihn persönlich sehen wollen, um die Sache mit ihm zu besprechen. Am Telefon wollte sie nicht sagen, worum es gehe. Bei dem anschließenden Treffen, das ca. 15 Minuten später stattfand, habe sie ihm mitgeteilt, dass sie mit Christian D. an der „Schweinesuhle“ in Klein Upahl gewesen sei und dort etwas gefunden habe. Der Zeuge erinnert sich, dass Gina H. an diesem Abend eine schwarze Reithose und weiße Turnschuhe trug. Gina H. habe berichtet, sie sei eigentlich mit Christian D. unterwegs gewesen, um Tiere zu beobachten. Dieser habe sie dazu eingeladen, um sie auf andere Gedanken zu bringen. Bei der Entdeckung an der „Schweinesuhle“ habe sie jedoch nicht sicher sagen können, worum es sich dabei handele, es hätte eine „Gummipuppe“ sein können, aber „vielleicht Fabian“. Olaf K. habe sie daraufhin gefragt, warum sie nicht die Polizei gerufen haben, was sie damit begründete, dass Christian D. als Jäger in einem fremden Revier gewesen sei und sich damit strafbar machen würde. Sie wolle ihn nicht in Verlegenheit bringen und ihn raushalten. Dies habe Olaf K. für eine Ausrede gehalten und auch kundgetan, woraufhin Gina H. wütend wurde. Der Zeuge gibt an, dass Gina immer dann wütend wurde, wenn man sie beim Lügen ertappt hat.

Man sei dann schließlich gemeinsam noch einmal nach Klein Upahl gefahren. Gina H. habe darauf bestanden, dass man sein Auto benutze und nicht ihres. Gina H. habe dann ihr Handy ausgeschaltet. Die Angeklagte habe ihm den Weg gewiesen, da er selbst dort noch nie gewesen sei. Während der Fahrt habe sie immer wieder gefragt, was sie denn tun würden, wenn es sich wirklich um Fabian handele. In unmittelbarer Nähe des Tümpels habe man dann angehalten. Gina H. habe stark zu zittern begonnen und gesagt, dass sie Angst habe. Gemeinsam sei man zum Tümpel hinabgegangen, Gina H. habe sich bei ihm eingehakt. In der Nähe des Wassers habe er dann etwas liegen sehen. Er habe einen menschlichen Körper erkannt, der bereits angefressen gewesen sei. Sie habe sofort Fabian erkannt. „Das ist Fabian“, seien ihre Worte gewesen. Er habe Fabian jedoch nicht erkennen können. Die Angeklagte habe ihn dann aufgefordert, mit seiner Taschenlampe direkt in das Gesicht der Leiche zu leuchten, was er getan habe. Gina H. habe das Gebilde direkt als Brandleiche identifiziert, Olaf K. habe dies nicht erkennen können, da er noch nie eine Brandleiche gesehen habe. Gemeinsam seien sie dann nach knapp einer Minute zurück zum Auto. Man habe sich kurz darüber unterhalten, wie man jetzt weiter vorgehen würde. Gina H. wollte die Polizei rufen. Olaf K. habe gesagt, dass er nicht wisse, wie er erklären solle, dass sie mitten in der Nacht an einem solchen Ort seien. Man habe entschieden, nach Hause zu fahren. Er habe diese Nacht über alles nachdenken wollen. Er habe Gina H. jedoch nicht davon abgehalten, die Polizei zu rufen, sollte sie dies tun wollen.
Dem Zeugen wird nun ein Bild der Leiche gezeigt. Er gibt an, dass die Auffindesituation an diesem Abend eine andere war. Die Beine haben anders ausgesehen und der Leichnam sei in seinen Augen nicht so stark verbrannt gewesen. Im Dunkel der Nacht hätten ihn seine Augen jedoch auch trügen können.

Auch am darauffolgenden Morgen habe es ein Gespräch gegeben, bei dem Olaf K. geäußert habe, dass er mit der Sache nicht in Verbindung gebracht werden möchte. Ihm seien bereits am Abend am Tümpel Ungereimtheiten aufgefallen, die ihn stutzig gemacht hätten. Vor allem die Tatsache, dass sie bereits zu vor mit Christian D. am Tatort war, habe er seltsam gefunden. Daraufhin sei Gina ungehalten geworden und habe ihm mitgeteilt, dass sie plane, mit ihrem Hund dort spazieren zu gehen, dann zu behaupten, er sei weggelaufen und habe dann die Leiche gefunden. Der Zeuge gibt an, erwidert zu haben, dass ihr das niemand glauben würde, sie es aber machen solle, wenn sie glaube, dass das der richtige Weg sei. Olaf K. habe sich jedoch nicht eingestehen wollen, dass Gina mit der Tat etwas zu tun haben könnte. Erst die Festnahme habe ihn schließlich umgestimmt.

Der Richter spricht nun auf eine Sprachnachricht vom 11. Oktober an, bei der Gina Olaf K. um ein Alibi für den Tattag bittet, welches er ihr auch bereitwillig geben wollte. Der Zeuge bestätigt, dass Gina dieses Thema immer wieder erwähnt hätte.

In einem Telefongespräch vom 18. Oktober 2025 zwischen Olaf K. und Gina H. berichtet die Angeklagte davon, dass die Polizei Matthias R. als möglichen Tatverdächtigen in Betracht zöge. Aber auch sie selbst sowie Christian D. und Olaf K. seien in den Fokus der Polizei gerückt. Gina H. bedeutet, dass dies aus „Langeweile“ seitens der Ermittler geschehen sei. Sie äußert vor allem Sorge bezüglich ihres Autos, gibt jedoch an, alles gewaschen zu haben und dass somit keine Spuren mehr gefunden werden könnten. Sie habe trotzdem Angst, dass man ihr etwas anhängen wolle. Olaf K. antwortet daraufhin, dass er sich diesbezüglich keine Sorgen mache. Gina H. erwidert, dass sie sich besonders wegen ihrer Schuhe sorge. Kurz darauf habe ihm Gina H. weiße Turnschuhe vorbeigebracht. Zwei Tage später habe sie ihm ein weiteres Paar Turnschuhe gebracht. Er habe ihr kurz darauf gesagt, dass sie ihre Schuhe wieder abholen solle. Gina H. habe diese Anweisung wenig erfreut aufgenommen. Der Richter präsentiert nun eine Reihe verschiedener Schuhe.
Im weiteren Verlauf des Telefongesprächs sprechen Gina H. und Olaf K. darüber, dass die Polizei mit der Auswertung von Wildkameras in der Nähe des Tatorts beschäftigt sei. Gina H. wirkt sichtlich nervös, dass man sie auf einer dieser Kameras sehen könnte. Sie bete, dass dies nicht der Fall sei. Sie sei am Tattag in der Nähe spazieren gewesen, versichert jedoch, nicht am Tümpel gewesen zu sein. Auf die Nachfrage des Zeugen, warum Gina H. dort gewesen sein, antwortet sie, dass sie einen Tierheilpraktiker habe sprechen wollen, der jedoch nicht anwesend gewesen sei. Olaf K. versichert Gina H. am Telefon, dass sie sich keine Sorgen machen brauche, wenn sie nichts damit zu tun habe.

Die nächste Aufzeichnung eines Telefonats zwischen dem Zeugen und der Angeklagten ist vom 21. Oktober 2025. Olaf K. steht kurz vor seiner dritten Befragung durch die Polizei. Gina sucht vor dem Termin das Gespräch mit ihm und bittet ihn inständig darum, das gemeinsam besprochene Alibi vom 10. Oktober an diesem Tag bei der Polizei zu untermauern. Es sei überaus wichtig, dass er bestätige, dass sie bis 11:00 Uhr zusammen gewesen seien und auch das ganze Wochenende danach habe man gemeinsam verbracht. Sie erlaubt ihm sogar zu behaupten, dass man miteinander geschlafen habe. Olaf K. antwortet zweideutig, er wolle nicht lügen, dann würde er sich schon Taten wünschen.

Auf Nachfrage des Richters gibt Olaf K. zu, dass er sich Hoffnungen auf eine tiefere Beziehung mit Gina gemacht habe. Während der Beziehung zu Matthias R. habe sie immer wieder gesagt, dass sie ihm treu sei. Nach der Trennung habe sie sich ihm weiterhin auf sexueller Ebene entzogen. Sie habe ihm zwar Nacktbilder geschickt und immer wieder angedeutet, dass man mal gemeinsam im Bett landen würde, passiert sei es jedoch nie. Inzwischen sei der Zeuge davon überzeugt, dass sie auf diese Weise mit seinen Hoffnungen gespielt habe, damit sie weiterhin einen willigen Unterstützer für die Pferde und ihre Finanzen hatte.

Am 22. Oktober habe der Zeuge festgestellt, dass aus seiner Garage ein Messer mit einer Klingenlänge von ca. 10-15 cm fehle. Es sei sonst immer in der Garage gewesen. Er habe regelmäßig mit diesem Messer gearbeitet. Die Garage sei jedoch nicht immer verschlossen gewesen. In einem Telefonat mit Gina berichtet er davon, dass das Messer verschwunden sei und er es verzweifelt suche. Die Angeklagte erwidert, dass sie nicht wisse, wie das Messer aussehe, sie sich nur daran erinnere, dass es in seiner Garage an der Wand hängen würde. Der Zeuge ist sehr besorgt darüber, dass das Messer gefunden und mit dem Mord an Fabian in Verbindung gebracht werden könnte. Er meldet das vermisste Messer noch am selben Tag der Polizei. Gemeinsam mit Gina H. habe er die Garage dann abgesucht. Das Messer sei nicht aufgetaucht. Wenig später findet er es bei erneuter Suche in einem Karton in der Garage. Er ist verwirrt, denn dort habe er es nie abgelegt, es steckte immer an derselben Stelle in der Wand.
Das Messer sei von der Polizei schließlich untersucht worden. DNA-Anhaftungen konnten nicht festgestellt werden. Es konnte nicht als Tatwaffe identifiziert allerdings auch nicht ausgeschlossen werden.

Kurz vor Ginas Festnahme im November gibt es ein weiteres Telefonat zwischen ihr und Olaf K. In diesem Gespräch gibt die Angeklagte an, dass sie Dorina L. für die mutmaßliche Täterin halte. Sie wolle dies mit ihrem Anwalt besprechen.

Auf Nachfrage gibt Olaf K. an, dass auch er sich mit Gina über finanzielle Dinge gestritten habe.

Die Nebenklage möchte wissen, wie Gina H.s Verhalten gegenüber ihren Pferden war. Olaf K. berichtet, dass er selbst Zeuge zweier Situationen wurde, bei denen die Angeklagte ihre Pferde blutig geschlagen habe, als diese nicht spurten. Als er sie darauf angesprochen habe, habe sie ihn gebeten, dass er sie in solchen Momenten unterbrechen und wieder in die Realität zurückholen solle. Als er dies jedoch bei der zweiten Situation versucht habe, habe sie sich nicht darauf eingelassen. Auf Nachfrage von Richter Schütt, ob der Zeuge ein solches Verhalten auch Menschen gegenüber beobachtet habe, antwortet der Zeuge, dass er so etwas nie mitbekommen habe. Sie habe Fabians Vater Matthias zwar immer mal wieder angeschrien, Handgreiflichkeiten, auch gegenüber Fabian, habe er nie erlebt. Als Matthias R. nach der Trennung von Gina wieder den Kontakt zu Fabian aufnahm, war Gina jedoch nicht begeistert. Die Eifersucht sei stark gewesen.

Die Verteidigung möchte von Olaf K. wissen, inwiefern er Kontakt zur Presse gehabt habe. Der Zeuge bestätigt, dass die Presse sowohl ihn als auch Gina H. verfolgt habe. Vor allem ein bestimmter Journalist sei ihnen sehr auf die Pelle gerückt. Erst am gestrigen Tag habe er das letzte Mal mit ihm gesprochen. Der Verteidiger lässt vermuten, dass eine eventuelle Beeinflussung des Zeugen seitens der Medien stattgefunden haben könnte, geht jedoch nicht weiter darauf ein.
Der Verteidiger spricht den Zeugen nun auf seine Aussage bei der Polizei an, bei der er damals noch angegeben habe, dass er Gina sehr wohl für die Täterin halte, jedoch davon ausgehe, dass sie einen Komplizen gehabt habe. Olaf K. gibt an, seine Meinung nun geändert zu haben und dass er glaube, dass Gina allein gehandelt habe. Er ist sich sicher, dass, wenn Gina Fabian am 10. Oktober abgeholt hätte, er glücklich über den Besuch gewesen wäre und auch freiwillig mit ihr mitgegangen wäre. Bis damals sei er davon ausgegangen, dass die Leiche an den Tümpel gezerrt wurde, was er Gina allein nicht zugetraut habe.
Der Verteidiger zweifelt nun die Erinnerungsfähigkeiten des Zeugen an, da im Rahmen des polizeilichen Protokolls erwähnt worden sei, dass es Olaf K. immer mal wieder schwergefallen sei, sich zu erinnern. Der Zeuge verneint dies.

Der Zeuge wird entlassen.