Fabian

Fabian: Prozesstag 10

Prozesstag 10 – 09.06.2026

 

Zeuge 1 – Bekannter von Gina H.

Der Zeuge ist mit der Angeklagten auf dieselbe Schule gegangen, er war jedoch eine Klasse über ihr. Nach einer jahrelangen Kontaktpause habe man sich vor einigen Jahren auf Social Media wiedergetroffen und sei seitdem wieder regelmäßiger im Kontakt. Für das Gericht ist dieser Zeuge interessant, da er mit Gina H. auch Sprachnachrichten ausgetauscht hat, unter anderem am 11. Oktober 2025. Die Angeklagte berichtete dem Zeuge auf Nachfrage, was los sei, dass Fabian verschwunden sei. Seine Antwort darauf lautete, dass sie dies den Eltern des Jungen überlassen solle, da er ihr schon „Ärger“ eingebracht habe. Der Zeuge berichtet, dass Gina H. ihm immer wieder erzählt habe, dass es aufgrund von Fabian zu Streit mit Matthias R. kam, sie sei jedoch nie ins Detail gegangen.
In einer weiteren Sprachnachricht an den Zeugen sagt die Angeklagte, dass Fabians Mutter in den Fokus der Polizei geraten würde, da sie ihn nachts allein gelassen habe und betrunken nach Hause gekommen wäre. Der Zeuge erinnere sich zwar an diese Sprachnachricht, aber nicht daran, ob Gina H. eifersüchtig auf Dorina L. gewesen sei.

In weiteren Sprachnachrichten von Gina an den Zeugen ist zu hören, dass diese sagt, dass die Spur, die die Suchhunde damals von Fabian aufgenommen haben, nicht möglich gewesen sein könne, da Fabian nie mit dem Bus gefahren sei und sich auch nie in irgendeinem Wald aufgehalten habe. Als Gina nur einen Tag später Fabians Leiche in der Nähe eines Waldes fand, sei der Zeuge misstrauisch geworden.

In weiteren Sprachnachrichten diskutieren die beiden über den Fall. Sie sprechen darüber, dass Suchhunde in der Nähe eines Sees angeschlagen hätten. Der Zeuge fragt sie, wie Fabian dort hineingekommen sein könne. Gina H. antworte, dass man das nie herausfinden würde, da Wasserleichen ebenso keine DNA-Spuren aufweisen wie Brandleichen. Die plötzliche Erwähnung von Brandleichen seitens der Angeklagten wird als besonders auffällig gewertet, da dies bis dahin nicht zur Sprache kam.

Der Zeuge wird entlassen.

 

Zeuge 2 – Polizist

Der Beamte war für die Auswertung der Handydaten von Gina H.s Samsung S25 zuständig. Zwischen dem 09. und dem 14. Oktober konnten insgesamt 33.000 Datensätze erfasst werden, darunter 1100 Sprachnachrichten, 207 Telefongespräche, 3151 Chatnachrichten und 86 E-Mails. Vor allem die Konversationen zwischen der Angeklagten und Fabians Vater seien von Interesse gewesen. Hier zeige sich vor allem der eifersüchtige und kontrollierende Charakter der Angeklagten. Immer wieder drehten sich die Streitigkeiten zwischen den beiden um finanzielle Angelegenheiten, den weiterhin bestehenden Kontakt zu Fabians Mutter Dorina, Eifersucht gegenüber weiteren Frauen und andere Sozialkontakte von Matthias R.
Die Tatsache, dass Matthias R. den Kontakt zu Dorina L. aufrechterhielt, war für Gina H. völlig unverständlich. Auch dass die beiden sich nur aufgrund von Fabian unterhielten, war für sie nicht nachvollziehbar. Auch das Verhalten von Matthias R. gegenüber Gina H. ist überaus ambivalent. Er droht sowohl mit der Trennung, macht ihr jedoch auch zweimal einen Heiratsantrag.
In der Nacht vom 08. auf dem 09. Oktober kam es zu einem großen Streit zwischen den beiden, bei dem Gina H. Matthias R. aus ihrer Wohnung warf. Besonders eine Nachricht vom darauffolgenden Tag erachtet der Beamte als interessant. Hier sagte Gina H. gegenüber einem Bekannten, dass sie wichtige Entscheidungen für die Zukunft getroffen habe. Am Abend schickt sie Matthias R. eine von ChatGPT verfasste Nachricht, die Matthias R. mit der Aussage beantwortet, dass er nicht wieder alles für die Beziehung aufgeben werde. Danach blockiert Gina H. die Nummer.

Am 10. Oktober nahm Gina H. ein Foto mit ihrem Handy auf. Es entstand laut Meta-Daten 120 m von Fabians Wohnhaus entfernt um 10:43 Uhr. Fabian nutzt sein Handy zum letzten Mal um 10:51 Uhr bei sich zu Hause.
Um 11:11 Uhr verwendet Gina H. ihr Handy wieder und schickt einem Bekannten per WhatsApp ein Foto von einem Waldweg. Um 11:22 Uhr schaltet sie ihr Handy aus. Dies sei das einzige Mal, das Gina H. das Handy seit dem Kauf des Geräts abgeschaltet habe.
Um 12:42 Uhr schaltet die Angeklagte das Handy wieder ein, um zu telefonieren. In einer Sprachnachricht, die sie nach dem Telefonat versendet, empfindet der Beamte Gina H. als „gestresst“.
Um 16:11 Uhr tätigt die Angeklagte eine Onlinesuche mit dem Schlagwort „Polizei“. Hier wusste sie noch nicht, dass Fabian als vermisst galt. Kurze Zeit später schickt sie einem Bekannten anzügliche Sprachnachrichten, während sie zeitgleich mit Matthias R. schreibt, jedoch mit negativer Stimmung. Am Abend beginnt sie, Matthias R. intensiv nach seiner Stimmung zu befragen. Auch dies hat sie zuvor noch nie getan. Erst nach 20:00 Uhr erhält sie von ihm die Information, dass Fabian vermisst wird. Sie gibt in den weiteren Gesprächen an, für Matthias R. da sein zu und bei der Suche nach Fabian helfen zu wollen. Dieses Angebot setzt sie jedoch nicht in die Realität um. Der Fokus liegt darauf, Nähe zu Matthias R. herzustellen. Auffällig sei ebenfalls, dass Matthias R. ihr berichtete, dass Fabian an diesem Tag krank zu Hause gewesen sei, jedoch keinen Grund dafür anmerkte. Kurze Zeit später berichtet Gina H. einem Bekannten, dass Fabian an diesem Tag wegen Bauchschmerzen nicht in der Schule war. Dies wurde jedoch seitens Matthias R. nie erwähnt.
Am 11. Oktober 2025 sucht Gina H. auf Google nach „Fressen Wildschweine Menschen“ und „Fressen Wildschweine tote Menschen“. Der Beamte gibt an, dass die Suche von Gina H. getätigt worden sein muss, eine Schadsoftware, die eine Fremdsteuerung ihres Handys ermöglicht, sei ausgeschlossen worden. Kurze Zeit später erhält sie die Information von Matthias R., dass die Polizei bald bei ihr eintreffen wird. Nach dieser Information beginnt Gina H. zahlreiche Telefonate zu führen. Der Beamte gibt an, dass dies für Gina H. ungewöhnlich sei. Wie zuvor bereits in den dargelegten Zahlen zu erkennen ist, bevorzugte Gina H. Sprach- und Textnachrichten. Gleich viermal versuchte sie, Matthias R. telefonisch zu erreichen.

Am 13. Oktober schlägt Gina H. einem Bekannten in einer Sprachnachricht vor, gemeinsam in der Nacht nach Fabian zu suchen. Als Ort schlägt sie den Bereich in Klein Upahl vor, in dem Fabians Leiche tatsächlich gefunden wird. Dieser Ort sei nur eine spontane Idee von ihr, die Polizei wolle sie nicht informieren. Der Zeuge hält es für auffällig, dass Gina H. ausgerechnet nachts suchen wollte.
Am selben Abend fährt sie mit ihrem Bekannten an den von ihr vorgeschlagenen Ort und schaltet von 22:48 Uhr bis 23:09 Uhr ihr Handy aus.
Spätere Ermittlungen bestätigten, dass Gina H. und ihr Bekannter Christian die Leiche entdeckten, die Polizei jedoch nicht informierten.
Gina gibt in späteren Sprachnachrichten an, dass sie bereut, Fabian gefunden zu haben, weil sie dadurch in den Fokus geraten sei. Für den Beamten ist besonders auffällig, dass sie es nach der Tat vermeidet, Fabians Namen auszusprechen.

In einer weiteren Nachricht fragt Matthias R., ob die Angeklagte etwas mit Fabians Tod zu tun habe, was sie mit „Spinnst du? Nein!“, beantwortete.

Nun werden ältere Nachrichten zwischen den beiden gehört und analysiert. Es dreht sich seit Beginn des Jahres 2024 um finanzielle Probleme und auch nach der Trennung macht Gina H. Matthias R. Vorwürfe, dass weiterhin Kontakt zu Dorina L. besteht. Sie wirft ihm vor, nicht der Mittelpunkt seines Lebens zu sein, was sie jedoch sein möchte.

Der Beamte merkt an, dass Gina H. sehr häufig ChatGPT zu ihrer Unterstützung und auch als Gesprächspartner in therapeutischen Angelegenheiten nutze.

Der Zeuge wird entlassen.

Fabian: Prozesstag 9

Prozesstag 9 – 04.06.2026

 

Zeuge 1 – Gerichtsmediziner Dr. Johannes Manhardt

Am 14. Oktober 2025 erreichte Dr. Manhart den Leichenfundort am frühen Nachmittag, um mit der ersten Leichenschau zu beginnen. Er erkannte dort bereits mindestens zwei Brustverletzungen.

Die eigentliche Obduktion fand am 15. Oktober statt und dauerte ca. 4 Stunden. Fabians Identität habe man durch einen DNA-Test bestätigt.

Insgesamt seien sechs Stichverletzungen am Oberkörper festgestellt wurden. Alle einheitlich ausgerichtet und alle scheinbar von vorn kommend. Alles deute darauf hin, dass Fabian auf dem Rücken lag und die Waffe von oben nach unten geführt wurde. Er hält es jedoch auch für denkbar, dass der Täter direkt hinter Fabian stand und die Waffe dann von vorn führte. Die Stiche wurden allesamt kraftvoll geführt, was die Intensität der Wunden beweist. Dies lasse jedoch keinerlei Rückschlüsse auf das Geschlecht des Täters zu oder darauf, ob es sich um einen Links- oder Rechtshänder handle. Die Reihenfolge der Stichverletzungen sei nicht nachweisbar. Die Todesursache legt Dr. Manhardt auf Verbluten infolge der Stichverletzungen fest. Fabians Hände und Arme wiesen keine Abwehrverletzungen auf, was jedoch auch damit zusammenhängen könnte, dass diese sehr stark verbrannt waren. Zudem konnten weder Betäubungsmittel noch Rückstände von Medikamenten im Rahmen des toxikologischen Befundes nachgewiesen werden.

Da in Fabians Atemwegen keine Rußablagerung festzustellen waren, ist davon auszugehen, dass der Junge bereits tot war, als das Feuer gelegt wurde. Der Gerichtsmediziner hat festgestellt, dass Fabians Leiche nach dem Brand mindestens zwei Tage Liegezeit aufweist. Wie groß der Zeitraum zwischen dem Eintreten des Todes und dem Brand ist, sei nicht festzustellen. Fabian sei demnach vor oder am 12. Oktober gestorben. Weitere Spuren von Gewalt konnten nicht festgestellt werden.

Der Zeuge wird entlassen.

 

Zeuge 2 – Holger Liedtke: Brandursachenermittler

Der Experte war ebenfalls am 14. Oktober 2025 vor Ort und konnte dort keine Spuren von Brandermittler feststellen. Brandbeschleuniger, Feuerzeug oder Streichhölzer konnten nicht am Tatort sichergestellt werden. Die fehlenden Spuren eines Brandbeschleunigers deuten jedoch nicht darauf hin, dass keiner verwendet wurde, sondern könnte durch die Witterungsbedingungen erklärt werden, da Brandbeschleuniger verdunstet, zudem hat es geregnet. Es sei also nicht ungewöhnlich, dass keine Rückstände mehr nachweisbar seien. Ungefähr ein halber Liter Brandbeschleuniger sei völlig ausreichend, um Fabians Kleidung ausreichend zu durchtränken, um den Körper in Brand zu setzen.
Anhand des Fotos einer Zeugin, dass das Feuer am Tümpel zeigt, schätzt der Experte, dass das Feuer bereits 60 bis 90 Minuten brannte. Der Experte bestätigt, dass das Feuer sowie der Rauch auch aus weiter Ferne noch sichtbar gewesen sein können. Etwa eine Stunde später war die Zeugin noch einmal vor Ort, zu dieser Zeit war von dem Feuer nichts mehr zu sehen.

Der Zeuge wird entlassen.

 

Chat- und Sprachnachrichten

In einer Sprachnachricht aus dem Januar des Jahres 2024 geht es um die Beerdigung von Matthias R.s Vater. Gina H. echauffiert sich darüber, dass die Trauerfeier auf einem Schiff stattfände. Da bei der Beerdigung auch Dorina L. anwesend sein soll, reagiert Gina H. eifersüchtig.
Weitere Sprachnachrichten zeugen abermals von Eifersucht, Vorwürfen und dem Streit um Geld.

In Sprachnachrichten und Telefonaten zwischen Gina H. und Olaf K. aus der Zeit nach dem Mord gibt die Angeklagte an, aufgrund von Olaf K.s Verhalten in den Fokus der Polizei gerückt zu sein. Nun wolle die Polizei ihr etwas anhängen. Zudem dauern ihr die Untersuchungen der Polizei zu lange, sie benötige ihr Auto. Des Weiteren spricht sie darüber, dass sie vor allem auf TikTok in die Mangel genommen werde und darüber, dass sie Angst habe, dass die Polizei Spuren von Fabian in ihrem Auto finden könne. Vor allem sei sie besorgt, dass die Spurensicherung eine Flasche Grillanzünder in ihrem Auto finden könnte, die sie dort vergessen zu haben glaubt. Sie sei sich jedoch keiner Schuld bewusst.

 

Fotos

In Gina H.s Schuppen wurde eine bereits angebrochene Flasche Brandbeschleuniger sichergestellt, in der die vom Brandursachenexperten angeführte Menge fehlte. Gina H. ist jedoch bekannt, häufiger Feuer auf ihrem Hof gemacht zu haben.

 

Zeuge 3 – Dr. Ziegert-Kühn: Sachverständiger für Bodenproben

Dr. Ziegert-Kühn untersuchte im Zuge der Ermittlungen 28 Proben aus dem Bereich des Leichenfundorts, dazu gehörten Boden- und Wasserproben sowie Kleidungsstücke. Als problematisch habe sich dabei erwiesen, dass die Leiche erst Tage nach dem Brand gefunden wurde und der Witterung ausgesetzt war. Der bei Gina H. gefundene Grillanzünder rücke jedoch in den Rahmen des Wahrscheinlichen, beim Legen des Brandes verwendet worden zu sein. Es konnten jedoch keine Rückstände auf ihrer Kleidung nachgewiesen werden. Auch hier gilt, dass der Brandbeschleuniger bereits verdunstet gewesen sein könnte.

Der Zeuge wird entlassen.

 

(Quellen: Stern.de; Ostseewelle; t-online; NDR; Focus Online; Pressemitteilungen Landgericht Rostock; RTL – Carsten Kulawik)

Fabian: Prozesstag 8

Prozesstag 8 – 02.06.2026

 

Vorbemerkungen

Gina H.s Verteidigung eröffnet damit, dass noch einmal betont werden soll, dass die Blut- und Faserspurenanalyse aus dem Ford Ranger nicht eindeutig feststellen konnte, wann diese von Fabian dort hinterlassen wurden. Auf der Kleidung, die die Angeklagte am Tattag getragen haben soll, konnten keine Blutspuren des Kindes gefunden werden, auch Rückstände von Brandbeschleuniger wurden nicht festgestellt. Zudem merkt die Verteidigung an, dass vielen Menschen gar nicht bewusst sei, dass ein Fahrzeug derart minutiös Bewegungsdaten aufzeichnet. Er bezweifle, dass seine Mandantin dieses Wissen gehabt habe, geschweige dann dazu in der Lage gewesen sei, die Daten in ihrem Navigationssystem zu löschen.

 

Zeuge 1 – Polizist Martin Q.

Der Beamte war bereits zuvor mit der Suche nach Fabian betraut gewesen und traf am 14. Oktober 2026 kurz nach 10:30 Uhr am Fundort der Leiche ein. Dort warteten bereits Gina H. und ihre Freundin Heike M. mit ihren beiden Hunden. Gina H. habe ihm die Richtung gewiesen, in der die Leiche zu finden sei. Zudem habe die Angeklagte gleich angemerkt, dass ihre Spuren am Ort zu finden seien, da sie mit den Hunden den toten Körper gefunden habe. Er empfand die Stimmung der beiden Frauen vor Ort als aufgeregt. Sie teilten ihm mit, dass sie beim Spaziergang mit den Hunden die Leiche entdeckt haben. Ein Notfallseelsorger habe schließlich die Betreuung der Frauen übernommen.
Als er sich selbst dem Leichnam näherte, schloss er aufgrund von Haaren, Gesicht und Körperbau auf Fabians Identität, zu erkennen war er jedoch nicht mehr. Zu diesem Zeitpunkt war der Tümpel noch nicht in den Umkreis der Suche mit einbezogen worden. Martin Q. berichtet, dass man jedoch bereits geplant hatte, die Suche auszuweiten, was dann vermutlich auch den Tümpel mit einbezogen hätte.
Auf Nachfrage beschreibt Martin Q. die Bodenverhältnisse am Tatort, die er im Hinblick auf den zuvor anhaltenden Regen anders vorzufinden erwartet hätte. Der Fundort sei dann zügig abgesperrt worden.

Der Zeuge wird entlassen.

 

Zeuge 2 – Polizist Christian H.

Der Beamte war für das Fotografieren und Dokumentieren von Spuren am Tatort zuständig. Aufgrund der Witterungsverhältnisse habe man ein Pavillon über dem Leichnam aufgebaut, sodass er am Nachmittag mit seiner Arbeit beginnen konnte. Insgesamt sind 157 Fotos entstanden, die sowohl Fabias Leiche als auch die nähere Umgebung zeigen. Die auf den Fotos zu erkennenden Schuhabdrücke können von Christian H. teilweise zugordnet werden. Er gibt an, dass direkt um die Leiche drumherum keine Pfotenabdrücke der Hunde festgestellt werden konnten. Auch Kampf- oder Schleifspuren habe es keine gegeben.

Der Zeuge wird entlassen.

 

Zeuge 3 – Sachverständiger für 3D-Rekonstruktion des Tatorts

Mithilfe eines 3D-Scanners habe er den Tatort abgetastet. Zusätzlich wurden am 15. Oktober Drohnenbilder angefertigt. Aufgrund des Regens konnte die Drohne am Vortag nicht zum Einsatz kommen. Das Gericht versucht anhand des auf diese Weise erstellten Tatortscans herauszufinden, von welchen Stellen aus der Leichnam von außen hätte sichtbar gewesen sein können. Fabians Körper lag hinter einem 90 cm hohen Busch. Diese Messungen sind im Hinblick auf Zeugenaussagen wichtig.

Der Zeuge wird entlassen.

 

Zeuge 4 – Hans-Joachim L.: Experte für Schuhabdrücke

Insgesamt konnten mehrere verschiedene Schuhabdrücke gesichert werden. Darunter konnte er auch Schuhe der Marke „Pammys“ ermitteln. Mehrere Schuhe dieser Marke konnten bei Gina H. sichergestellt werden, es war dem Experten jedoch nicht möglich, diese zweifelsfrei als Spurenverursacher zu identifizieren. Auch Spuren, die den Schuhen von Fabian ähneln, konnten am Fundort der Leiche sichergestellt werden, aber auch sie konnten aufgrund der Witterungsverhältnisse nicht zweifelsfrei zugeordnet werden. Die Abdrücke eines paar Gummistiefels wurden zwar im Bereich des angrenzenden Feldes jedoch nicht am Tümpel selbst sichergestellt.

Der Zeuge wird entlassen.

(Quellen: Stern.de; Ostseewelle; t-online; NDR; Focus Online; Pressemitteilungen Landgericht Rostock; RTL – Carsten Kulawik)

Fabian: Prozesstag 21

Prozesstag 21 – 07. August 2026

Vorbemerkungen

Verteidiger Thomas Löcker gibt zu Protokoll, dass er von Matthias R. darauf hingewiesen wurde, dass Sprachnachrichten von Gina H. an Olaf K. im Internet verbreitet wurden. Hierbei könnte es sich um eine Straftat handeln, die verfolgt werden müsse. Der Richter zieht in Erwägung, alle elektronischen Geräte in Zukunft von der Verhandlung auszuschließen, um Mitschnitte zu vermeiden.
Verteidiger Andreas Ohm gibt zu bedenken, dass er eine Beweiserhebung für sinnvoll erachte, die abschließend klärt, wie lange das Treffen zwischen Christian D. und Gina H. am Bolzsee am Tag des 10. Oktober gedauert habe. Das Foto vom Brand am Tümpel bei Klein Upahl sei um 14.59 Uhr aufgenommen worden. Laut Brandsachverständigen sei zu diesem Zeitpunkt eine Branddauer von 60-90 Minuten anzunehmen gewesen. Das bedeute, dass der Täter die Leiche zwischen 13:30 Uhr und 14:00 Uhr angezündet habe müsse. Christian D. machte zwei verschiedene Zeitangaben bei der Polizei zur Dauer des Treffens mit Gina H. am Bolzsee. Einmal sprach er von 13:30 Uhr. Einmal sprach er von 14:30 Uhr. Es müsse also abschließend geklärt werden, wie lange das Treffen gedauert habe. Sollte es bis 14:30 Uhr gedauert haben, sei Gina H. als Verursacherin des Brandes auszuschließen. Daher fordert Andreas Ohm die Auswertung der Bewegungsdaten des Fahrzeugs von Jäger Christian D.
Andreas Ohm stellt noch einen weiteren Antrag, bei dem mithilfe eines Autokennzeichens der Halter eines ebenfalls orangefarbenen Ford Rangers ermittelt werden soll. Zudem sollen auch hier die Bewegungsdaten des Fahrzeugs ausgewertet werden. Da die Zeugen immer nur die auffällige Farbe des Autos benennen konnten, dass sie im Umkreis gesehen haben, jedoch niemand sich das Kennzeichen gemerkt habe, sei es von äußerster Wichtigkeit zu überprüfen, ob es nicht dieser Ford Ranger gewesen sein könnte, der von den Zeugen erkannt wurde.
Andreas Ohm möchte außerdem Gina H.s Psychologin aus der JVA, die sie seit November 2025 begleitet, vor Gericht als Zeugin gehört wird.

Zeugin 1 – Sozialpädagogin

Die 42-jährige Frau arbeitete mit Gina H. zusammen, als diese bezüglich der Erziehung ihres Sohnes um Unterstützung bat. Ginas Sohn sei nur noch schwer zu bändigen gewesen, habe nicht mehr hören wollen und sei handgreiflich geworden. Die Betreuung begann am 22. September 2025. Hier war der Trennungsschmerz von Matthias R. noch sehr frisch und Gina H. klagte über die Überforderung mit ihrem Sohn, der seinen Zorn vor allem gegen sie richtete.
Die Sozialarbeiterin gibt an, dass sie in der direkten Zusammenarbeit zwischen Gina H. und ihrem Sohn J. keine Auffälligkeiten bemerkte. Das Verhältnis sei gut gewesen. Der Richter merkt an, ob es möglich gewesen sein könnte, dass das Einschalten der Familienhilfe diverse andere Vorteile mit sich brächte wie z.B. einen Vollzeit-Hortplatz. Die Zeugin bestätigt, dass dies ein Bonus sei.
Am 04. November lag dem Jugendamt eine Anzeige wegen möglicher Kindswohlgefährdung vor, deshalb wurde Gina H. zu einem Termin gerufen worden. Diesen nahm sie jedoch erst am 05. November wahr, da sie es nicht einsehen würde, zu springen, wenn das Jugendamt nach ihr riefe. Die Anzeige beinhaltete Ginas suizidales Verhalten. In diesem Fall wäre sie nicht mehr in der Lage, sich um ihren Sohn zu kümmern, sodass das Jugendamt ihn hätte in Obhut nehmen müssen. In diesem Gespräch zeigte sich Gina als sehr unkooperativ. Als sie ihren Psychotherapeuten um ein Attest bat, in dem er ihr bescheinigte, dass sie nicht suizidal sei, lehnte dieser ab, da er Gina als seine Patientin für eine derartige Einschätzung zu lange nicht mehr persönlich gesehen habe.
Am 06. November habe die Zeugin Ginas Sohn abgeholt, sodass ihm die Hausdurchsuchung erspart bleibe. Sie war gemeinsam mit ihm im Tierpark, den Ausflug habe er sehr genossen. Als Gina am selben Abend festgenommen wurde, kam J. in die Obhut des Jugendamtes. Die Zeugin habe seit der Festnahme der Angeklagte noch zweimal Kontakt mit J. gehabt, diesem gehe es gut, er habe nicht nach seiner Mutter gefragt.
Die Zeugin wird entlassen.

Zeugin 2 – Sozialpädagogin

Die Zeugin beantragt den Ausschluss der Öffentlichkeit für ihre Aussage. Sie hat Angst davor, dass persönliche Daten von ihr an die Öffentlichkeit gelangen könnten. Aktuelle Ereignisse zeigten bereits das Risiko für Sozialarbeiter.
Das Gericht berät sich für die nächsten 30 Minuten über den Antrag

Der Antrag wurde abgelehnt, da auszuschließen ist, dass persönliche Details über die Zeugin zur Sprache kommen.
Die Zeugin war beim Gespräch anwesend, dass am 04. Oktober mit Gina H. aufgrund des Anzeige wegen möglicher Kindswohlgefährdung einberufen wurde. Die Anzeige wurde von Christine Habetha getätigt, die Anwältin, die Dorina L. in der Nebenklage vertritt. Sie hatte das Jugendamt aufgrund eines Facebook-Posts informiert, in dem Gina H. suizidale Absichten angedeutet hatte.
Während des eigentlichen Gesprächs war Gina H. zunächst aggressiv, beruhigte sich jedoch dann später und es war möglich, die Situation mit ihr zu besprechen. Sie habe jedoch gesagt, dass sie nicht verstehen könne, warum so ein „Gewese“ um Fabians Tod gemacht werden würde.
Die Zeugin berichtet vom 06. November. Hier habe sich Gina H. geweigert, ihren Sohn in die Obhut des Jugendamtes zu geben, damit dieser die Hausdurchsuchung nicht miterlebte. Erst nach langen Diskussionen habe sie eingewilligt, dass Zeugin 1 ihn mit in den Tierpark nehme.
Die Zeugin wird entlassen.

Zeugin 3 – Fabians Großmutter Doris L.

Fabians Großmutter berichtet von Fabian als lieben, fröhlichen und aufgeweckten Jungen. Vor allem der Kontaktabbruch zu seinem Vater habe ihm sehr zugesetzt, in dieser Zeit sei es ihm nicht gutgegangen und er sein etwas schwieriger geworden. Auch Doris L. berichtet, dass der Kontaktabbruch stattfand, weil Matthias R. hangreiflich gegenüber Gina H. wurde.
Doris L. stand im guten Kontakt zu den Eltern von Matthias R. Als dessen Vater starb, erhielt sie eine SMS, in der stand, dass dessen Mutter nun den Kontakt abbrechen wolle. Doris L. glaubt, dass diese SMS von Gina H. im Namen von Matthias R. geschickt wurde. Den Verdacht hatte Matthias R. gegenüber der Polizei sogar selbst geäußert, in seiner eigenen Aussage jedoch widerrufen, er habe seine Meinung diesbezüglich inzwischen geändert, da es keine Beweise dafür gäbe, dass Gina etwas damit zu tun habe.
Ihr gegenüber habe Matthias R. erwähnt, dass die Beziehung zu Gina H. konfliktbehaftet war und er „unter dem Pantoffel“ stand.
Doris L. gibt an, zwar selbst eine Verbindung nach Klein Upahl gehabt zu haben, da sie dort vor mehr als 20 Jahren einmal in der Landwirtschaft ausgeholfen habe. Fabian habe ihres Wissens keinerlei Verbindung nach Klein Upahl gehabt.
Der Richter spricht Doris L. nun auf Matthias R.s Mutter an, die vor Gericht aussagte, sich an nichts erinnern zu können und auch nichts wissen zu wollen. Er fragt, ob Doris L. mit ihr gesprochen habe und ob sie etwas gesagt habe. Die Zeugin gibt an, sich kurz vor ihrer Aussage mit ihr ausgetauscht zu haben, in dem Gespräch jedoch keine relevanten Details zur Sprache gekommen seien.
Auf Nachfrage von Frau Habetha gibt Doris L. an, sich an Weihnachten mit Matthias R. getroffen zu haben. In diesem Gespräch habe er nur kurz erwähnt, dass er Gina H. in der JVA besucht habe und sie nach dem Warum fragen wollte.
Die Zeugin wird entlassen.

Zeuge 4 – Thorsten V.: Lebensgefährte von Doris L.

Der Zeuge sagt aus, dass die SMS, die sie erhielten, sich auf die Beerdigung von Matthias R.s Vater Bezug. Auch er glaubt, dass Gina H. diese Nachricht verfasst habe, in der gestanden haben soll, dass Matthias R.s Mutter sie nicht mehr sehen wollen würde und sie nicht mehr auf die Beerdigung kommen müssen. Thorsten V. sagt jedoch bestimmt, dass diese Nachricht nicht von Matthias R.s Handy aus gesendet wurde, auch wenn dies in den Zeugenaussagen mehrfach erwähnt sowie auch in den Akten derart eingetragen wurde. Er gibt zudem an, dass sie den Kontakt zu Matthias R. abgebrochen haben, seit er bekannt gegeben habe, mit Gina wieder eine Beziehung zu führen.
Der Zeuge wird entlassen.

Videoaufnahmen

Die Aufnahmen wurden am 09. Oktober 2025 vom Zeugen Olaf K. gemacht. Auf ihnen ist Gina auf dem Reitplatz zu sehen. Sie reitet gerade ihren Schimmel, schlägt das Tier mit der Gerte gegen den Hals, reißt an den Zügel und tritt es.
Verteidiger Thomas Löcker wirft ein, dass dies übliches Prozedere beim Springreiten sei. Dass es für jemanden, der sich nicht mit Pferden auskenne, befremdlich wirkt, sei völlig nachvollziehbar, er sieht jedoch vor, einen Experten einzuladen, der bestätigen wird, dass dies nichts mit Tierquälerei zu tun habe. Bei einem Pferd, dass nicht auf den Reiter höre, seien Schläge mit der Gerte, Tritte und das Ziehen an den Zügeln völlig normal. Die Schläge mit der Gerte sind nicht fest.

Am 24. August wird die Verhandlung mit Gina H.s Einlassung fortgesetzt.

 

(Quellen: Stern.de; Ostseewelle; t-online; NDR; Focus Online; Pressemitteilungen Landgericht Rostock; RTL – Carsten Kulawik)

Fabian: Prozesstag 7

Prozesstag 7 – 28.05.2026

 

Vorbemerkungen

Am heutigen Verhandlungstag sollen „schwierig zu ertragende Fotos“ gezeigt werden. Richter Holger Schütt gibt daher zuvor allen Anwesenden die Möglichkeit, den Saal zu verlassen.

 

Zeuge 1 – Sachverständiger im Fachbereich Textilanalytik

Der erfahrene Beamte ist seit über 30 Jahren im Dienst. Er hat im Zuge der Ermittlungen das Textilgutachten erstellt und Fabians Kleidung, Ginas Kleidung so wie den Pickup untersucht. Bei diesem Verfahren werden mithilfe von Klebeband die zu untersuchenden Oberflächen abgezogen. Die auf diese Weise gesicherten Faserspuren werden miteinander verglichen.

Fabian trug am Tag des Mordes ein graues Oberteil. In dessen Ärmelbündchen konnte der Textilexperte Polyesterfasern sichern, die mit einer Reithose von Gina H. übereinstimmen. Anhand eines Fotos, auf der Gina H. ebendiese Hose trägt, kann bestätigt werden, dass es sich dabei auch wirklich um ihr Kleidungsstück handelt.

Die im Pickup gesicherten Textilfasern können nicht eindeutig Fabian zugeordnet werden, er kann als Spurenverursacher jedoch auch nicht ausgeschlossen werden. Da bereits zuvor der Verdacht geäußert wurde, dass die im Fahrzeug gefundenen Faserspuren auch zu einem ähnlichen Oberteil von Ginas Sohn passen könnten. Ein entsprechendes Gutachten wurde bisher jedoch nicht angefertigt.
Der Zeuge wird entlassen.

 

Zeuge 2 – Kripo-Beamter

Der Kriminaloberkommissar war im Rahmen der Ermittlung für Auswertungen von Funkzellen- und Verbindungsdaten zuständig. Interessant gewesen waren dabei die Funkzellenanalysen der Handys von Fabian, Gina H. Matthias R., sowie zwei Freunden von Gina namens Olaf K. und Christian D. (beide werden später als wichtige Zeugen gehört) im Zeitraum vom 10. bis zum 16. Oktober. Ein Handy loggt sich in verschiedene Funkzellen ein. Durch diese Verbindung kann der Standort eines Mobiltelefons zu einem bestimmten Datum und einer bestimmten Uhrzeit analysiert werden. Hierzu muss das Handy jedoch eingeschaltet und nicht im Flugmodus sein. Das Handy der Angeklagten konnte am Tattag nicht in Güstrow geortet werden. Am 10. Oktober wurde das Handy der Angeklagten bis 10.08 Uhr in ihrem Wohnort geortet. Um 11:10 Uhr loggte sich das Handy in der Nähe von Klein Upahl in einen Funkmast ein. Für den Zeitraum dazwischen sind keine Telefon- oder SMS-Daten vorhanden. Dies könne durchaus dadurch erklärt werden, dass Gina H. ihr Handy zu diesem Zeitpunkt ausgeschaltet hatte.
Der Zeuge wird entlassen.

 

Zeuge 3 – Sachverständiger Dekra

Der Sachverständige berichtet darüber, dass moderne Fahrzeuge aufgrund ihrer Verbindung zu einem Navigationssystem geortet werden können, da es alle zweimal pro Sekunde einen sogenannten „Trackpoint“ erstellt. Das Auto von Gina H. zeichnete seit dem 03. September bis einschließlich 13. Oktober keine solcher Daten auf. Für das Verschwinden und plötzliche Wiederauftauchen der Daten gibt es keine nachvollziehbare Erklärung.
Am 14.10. sind die Daten des Pickups wieder vorhanden. Um 10:15 Uhr platzieren sie Gina H. an den Tümpel in Klein Upahl, an dem sie den Fund von Fabians Leiche der Polizei meldete.
Der Zeuge wird entlassen.

 

Zeugin 4 – Sachverständige für Blut- und DNA-Spuren

Die Sachverständige war damit beauftragt, mehrere Messer, Kleidungsstücke, Ginas Fahrzeug sowie ein Stück Küchenrolle aus dem Pickup zu untersuchen, auf dem ein kleiner, orangener Fleck zu erkennen war, der in ersten Tests als Blut identifiziert wurde. Vergleiche mit Fabians DNA, die von seiner Zahnbürste gewonnen wurde, konnten ihm das Blut eindeutig zuordnen. Die merkwürdig hell-orangene Farbe des Flecks deute darauf hin, dass es sich dabei um eine verdünnte Blutspur handele. Wie und wann die Spur entstanden ist, konnte allerdings nicht nachgewiesen werden.
Drei im Fahrzeug selbst sichergestellte Blutspuren wurden untersucht, von denen zwei gar nicht zugeordnet werden konnte, die dritte stammte von Gina. Zudem wurde Fabians DNA im Wagen gefunden, die sich jedoch auch dadurch erklären könnten, da Fabian während der Beziehung von Gina und Matthias in diesem Auto gesessen hat.
Auf den sichergestellten Messern konnten weder Spuren von Fabian noch von Gina nachgewiesen werden.
Die Zeugin wird entlassen.

 

(Quellen: Stern.de; Ostseewelle; t-online; NDR; Focus Online; Pressemitteilungen Landgericht Rostock; RTL – Carsten Kulawik)

Fabian: Prozesstag 20

Prozesstag 20 – 06. August 2026

Vorbemerkungen

Nebenklägerin Christine Habetha gibt an, dass sie das Olaf K. gehörende Messer noch einmal untersuchen lassen wird. Hierbei sollen molekulargenetische Verfahren zur Anwendung kommen, die auch die kleinsten Spuren auffindbar machen. Da auf dem Messer nur die Fingerabdrücke von Olaf K. gesichert werden konnten, äußerten die Forensiker die Vermutung, dass das Messer gereinigt wurde. Die Verteidigung stimmt dem zu, da dies für die Entlastung der Angeklagten dienlich sein würde.

Zeuge 1 – Förster

Der Förster war am 10. Oktober zwischen 11:00 Uhr und 11:25 Uhr mit Matthias R. zu einer Brennholzabholung verabredet. Zu diesem Zweck hat Matthias R. nachweislich seine Arbeitsstelle verlassen. Der Zeuge bestätigt, dass dieser die gesamte Zeit am angegebenen Ort war. Danach fuhr Matthias R. zurück zur Arbeit. Dies dient Fabians Vater als Alibi für den angenommenen Tatzeitraum.
Der Förster hatte die Polizei bereits zuvor unterstützt. Gina H. hat am Tattag ein Foto mit ihrem Handy aufgenommen, auf dem man ihren Hund beim Spaziergang im Wald sieht. Sie behauptet, wegen dieses Spaziergangs ihr Handy ausgeschaltet zu haben. Der Förster konnte der Polizei den genauen Ort nennen, an dem das Foto aufgenommen wurde. Er bestätigt, dass man von dieser Stelle aus den Leichenfundort auf mehreren Wegen erreichen könne. Zu Fuß sei der Ort etwa 30 Minuten vom Tümpel entfernt. Mit einem geländegängigen Fahrzeug könne man in 5-7 Minuten dort sein.
Der Zeuge wird entlassen.

Zeuge 2 – Sachverständiger für operative Fallanalyse (Profiling)

Der Sachverständige war damit beauftragt, die Chats und KI-Prompts von Gina H. im Hinblick auf ihre Persönlichkeit zu analysieren. Hauptaugenmerk sollte hier auf der Frage liegen, ob die Angeklagte vor und nach der Tat unterschiedliche Verhaltensweisen zeigte. Bereits in den vorherigen Verhandlungstagen skizzierte sich ein deutliches Bild der Angeklagten, das der Sachverständige anhand seiner Analysen bestätigt. Gina H. wirkt vor der Tat kontrollsüchtig, eifersüchtig und sucht vor allem Bestätigung bei Männern. So kam es sogar vor, dass sie, wenn Matthias R. auf ein erotisches Foto von ihr nicht ihrem Wunsch entsprechend reagierte, dass sie dieses Bild dann an einen anderen Mann weiterleitete, der ihr die gewünschte Bestätigung dann zukommen ließ. Das Erfüllen ihrer eigenen Bedürfnisse stehe für sie an erster Stelle. Sie habe keine Empathie für ihre Gesprächspartner aufweisen können.
Auch nach der Tat sind ihre Chats geprägt von Egoismus und Kontrollzwang. Es gab jedoch einzelne Auffälligkeiten, die der Sachverständige für wichtig erachtet. Am Abend des 10. Oktober fragt die Angeklagte zum ersten Mal, ob Matthias R. nicht in Begleitung von Fabian sei. Dies hat sie zuvor in dieser Form noch nie getan.
Am 13. Oktober sind weitere Auffälligkeiten zu verzeichnen. Hier taucht zum ersten Mal in einem Chat die Bezeichnung „Ziehsohn“ für Fabian von Gina H. auf. Zudem sagt sie hier bereits, dass mit dem Schlimmsten zu rechnen sei und man abschließen müsse. Fabians Tod war zu diesem Zeitpunkt jedoch noch nicht bekannt.
Bei der Trauerrede, die sie für Matthias R. von Chat GPT schreiben lies, verwendete sie im Prompt die wenig empathischen Bezeichnungen „frech“ und „nicht immer einfach“ für den toten Jungen. Erst in einem zweiten Prompt ergänzt sie, dass sie Fabian über alles geliebt habe. Die Reihenfolge macht den Ermittler stutzig. Im Hinblick auf die negativen Beschreibungen für den Jungen wirkt die nachgereichte Liebeserklärung wenig authentisch.
Allgemein habe sie Chat GPT dafür verwendet, ihre übermäßigen Emotionen in Worte zu fassen, um sie dann auf den sozialen Medien posten zu können. Auch in dieser Hinsicht zeugen ihre Prompts davon, dass sie einen Hang zur (Selbst)Darstellung und zum Übertreiben habe.
Der Sachverständige gibt auf Nachfrage des Richters an, dass Gina H. vor der Tat nie nach Matthias R.s Wohlbefinden gefragt hat, auch nicht dann, als er ihr aktiv mitteilte, dass es ihm nicht gutgehe. Nach der Tat habe sie auffällig oft gefragt, wie es ihm gehe. Zudem habe sie schnell wieder auf ihre egozentrische Art gewechselt, bei der sie dem trauernden Vater seinen Schmerz nicht zugestehen wollte.
Im Zusammenhang mit einem Foto beschreibt sie sich selbst als süß, psychopathisch, aggressiv, provokant und eifersüchtig. Der Sachverständige schließt daraus, dass sie dazu in der Lage war, ihr eigenes Verhalten zu reflektieren.
Der Zeuge wird entlassen.

Zeuge 3 – Hufschmied

Der Hufschmied war am 10. Oktober von 8:10 Uhr bis 9:45 Uhr beruflich auf Ginas Hof. Hier hielten sich außerdem ihre Großmutter und ein dem Hufschmied unbekannter Mann auf. Er berichtet, dass Gina H. zwar reservierter wirkte als sonst, jedoch wesentlich gefasster als bei seinem vorherigen Besuch vor zwei Monaten. Kurz nach der Trennung von Matthias R. war sie völlig aufgelöst. Auf Nachfrage berichtet der Hufschmied, dass er zwischen den beiden Frauen kein Gespräch mitbekommen habe, in dem es darum ging, dass Gina H. später noch nach Güstrow wolle, um Besorgungen für ihre Großeltern zu machen. Zudem gibt er an, dass er im Laue seiner ca. dreijährigen Tätigkeit auf dem Hof bei den Pferden keine Verletzungen feststellen konnte, die auf eventuelle Misshandlungen hindeuteten, die man Gina H. bereits vorgeworfen hatte.
Der Zeuge wird entlassen.

Zeuge 4 – Hobbyfotograf aus Güstrow

Der Hobbyfotograf war am 10. Oktober 2025 zwischen 13:35 Uhr und 15:40 Uhr in der Nähe des Bolzsees. An diesem soll sich Gina H. mit Christian D. nach der Tat getroffen haben. Er berichtet, dass er einen orangefarbenen Pickup beobachtet habe, an dessen Steuer eine blonde Frau mit hellem Oberteil saß. Er ist sich sicher, dass er diese Beobachtung zwischen 15:35 Uhr und 15:40 Uhr machte, da die Timecodes seiner Fotos diese Zeit bestätigen. Die Polizei stellte jedoch fest, dass seine Kamera auf eine falsche Zeitzone eingestellt war und die Beobachtung somit eine Stunde früher stattgefunden haben muss.
Der Zeuge wird entlassen.

Zeugin 5 – Augenzeugin

Die 55-jährige Zeugin hat beim Versorgen der Schafe einer Bekannten bei Klein Upahl am Morgen des 13. Oktober in der nähe des Tümpels gegen 9:00 Uhr einen orangefarbenen Pickup und einen schwarzen SUV gesehen. Personen habe sie bei den Fahrzeugen nicht gesehen. Diese Beobachtung sei ihr in dem Moment wieder in den Sinn gekommen, als sie das Fahrzeug der Angeklagte in den Medien gesehen habe. Laut Richter Holger Schütt gibt es auch hier eine Unstimmigkeit in der Zeitangabe der Zeugin. In Anlehnung an das Weidezaun-Protokoll, in dem regelmäßig die Zustände der Zäune mit Datum und Uhrzeit dokumentiert werden müssen, sei die Zeugin erst um 11:10 Uhr vor Ort gewesen. Die Zeugin sagt, dass dies durchaus möglich sei.
Die Zeugin wird entlassen.

Zeugin 6 – Gina H.s Schwester

Ihr Antrag, die Öffentlichkeit von ihrer Aussage auszuschließen wurde abgelehnt, trotzdem möchte Ginas Schwester eine Aussage machen. Im alter von 8 bzw. 9 Jahren seien sie von ihren Eltern aus Niedersachsen zu den Großeltern nach Reimershagen gekommen. Zunächst haben die beiden Schwestern eine enge Beziehung gehabt, man habe sich jedoch später auseinandergelebt. Sie hat seit 8 Jahren keinen Kontakt mehr zu ihrer Schwester oder zu ihrer Großmutter, da beständige Meinungsverschiedenheiten das Verhältnis trübten. Dazu gehörte unter anderem, dass die Großmutter kein Interesse an der Tochter der Zeugin hatte, auch nicht in Situationen, in denen das Kind auf die Hilfe der Großmutter angewiesen war. Zwar habe sie anfänglich noch hin und wieder Kontakt zu Gina gehabt, diese habe den dann abgebrochen aus Sorge davor, die finanzielle Unterstützung durch ihre Großeltern zu verlieren.. Zudem stehe sie noch im Kontakt zur Mutter, was ebenfalls für Gina H. nicht tolerierbar war. Als ihre Schwester ihr zum Tod ihres Pferdes ihr Beileid aussprechen wollte, erhielt sie als Antwort nur, dass sie das nichts angehe. Ihrem Großvater habe die Schwester jedes Jahr zum Geburtstag einen Brief geschrieben, eine Antwort habe sie jedoch nie erhalten. Ihren Vater habe sie nie kennengelernt. Sie sei zudem nicht sicher, ob sie und Gina überhaupt denselben Vater haben. Sie berichtet von der gemeinsamen Kindheit und erklärt, dass sie als junges Mädchen keinen wirklichen Einblick in das Verhältnis zwischen ihrer Großmutter und ihrer Mutter hatte, sie habe lediglich vermittelt bekommen, dass die Mutter kein Interesse am Kontakt mit ihren Töchtern habe. Ihr Großvater, der als Koch gearbeitet hat, habe zusätzlich geführte Waldwanderungen in der Gegend angeboten. Klein Upahl gehörte jedoch nicht zu seinem Einzugsbereich.
Ginas Kindheit sei schwierig gewesen. Sie war lieber allein und nicht besonders beliebt. Freunde hatte sie kaum und sei auch im Freundeskreis ihrer Schwester aufgrund ihrer negativen Art nicht willkommen gewesen. Gina habe ihre Ausbildung abgebrochen, weil sie keine Lust gehabt habe zu arbeiten. Diese Aussage bringt Gina H. dazu, ihre Schwester von der Anklagebank aus verbal anzugreifen, was den Richter dazu bringt, eine Verwarnung auszusprechen.
Die Zeugin berichtet, dass Gina H. gerne im Mittelpunkt stand und immer in einem positiven Licht dastehen wollte, daher habe sie auch nicht davor zurückgeschreckt, zu lügen, ihre Schwester schlechtzureden oder die Erfolge der Schwester als die ihren auszulegen. Am 14. Oktober erhielt die Schwester eine Sprachnachricht von Matthias R., in der er sagte, dass er Gina für verdächtig halte, daraufhin habe sie ihm nahegelegt, die Polizei über diesen Verdacht zu informieren. Allgemein sei die Schwester gegenüber Gina in der Kindheit von den Großeltern vernachlässigt worden, während Gina immer im Mittelpunkt stand. Während Gina finanzielle Unterstützung erhielt, musste sie sich mit den Resten begnügen. Sie beschreibt Gina H. als sehr tierlieb, auch wenn sie ihren Pferden gegenüber manchmal grob gewesen sei, sie mit der Gerte oder der flachen Hand geschlagen habe. Aufgrund dieses Verhaltens sei sie sogar einmal von einem Turnier ausgeschlossen worden.
Der psychiatrische Sachverständige spricht nun eine Unstimmigkeit an. Gina H. habe ihm gegenüber behauptet, schon wesentlich früher zu ihren Großeltern gezogen zu sein. Ginas Schwester verneint das.
Auf Nachfrage des Verteidigers Thomas Löcker, ob die Mutter der beiden Schwestern eine Meinung zu dem Fall habe, antwortet die Zeugin nur, dass sie sich dazu nicht geäußert habe.
Die Zeugin wird entlassen.

(Quellen: Stern.de; Ostseewelle; t-online; NDR; Focus Online; Pressemitteilungen Landgericht Rostock; RTL – Carsten Kulawik)

Fabian: Prozesstag 6

Prozesstag 6 – 27. Mai 2026

 

Vorbemerkungen

Am 09. Oktober verwendete Gina H. Chat GPT um sich ein Testament schreiben zu lassen. In diesem vererbt sie Ihrem Sohn Auto und Geld und weist an, dass ihre Großeltern das Sorgerecht übernehmen sollten. Ihre Pferde überschreibt sie einer Freundin. Zudem lässt sie sich einen Text über ihre Beziehung zu Matthias R. verfassen.

Am 10. Oktober schickt Gina H. um 21:31 Uhr eine Sprachnachricht an Matthias R., um ihm mitzuteilen, dass sie in dieser schweren Zeit für ihn da sein wird und auch trotz der Trennung an seiner Seite steht.

Am 11. Oktober sendet sie eine weitere Sprachnachricht an Matthias R. in der sie ihm mitteilt, dass sie auf Facebook gelesen habe, dass Fabian in Rostock gesehen worden sei und sie ihm empfehle, der Polizei diesen Hinweis zu geben.

In weiteren Sprachnachrichten nähert sie sich Matthias R. immer mehr an, verspricht ihm Unterstützung ungeachtet der Beziehungsprobleme und beteuert, immer für ihn da zu sein. Sie drängt ihre Unterstützung förmlich auf und ist enttäuscht, als er diese nicht wie erwünscht annimmt.

 

Zeuge 1 – Augenzeuge

Der 18-jährige Landwirt befand sich am Morgen des 10. Oktober mit mehreren Kollegen in der Nähe von Klein Upahl. Dort habe er zwischen 12 und 13 Uhr einen orangefarbenen Pickup aus einem Feldweg kommen sehen. Als er anmerkte, dass es sich dabei um das Auto von Gina H. handele, stimmten ihm alle Anwesenden zu. Am Steuer habe er eine Frau mit langen blonden Haaren erkannt. Der junge Mann kennt die Angeklagte, da er im Nachbarort wohnt. Er hat sich jedoch nicht selbst bei der Polizei gemeldet, sondern kam im Rahmen einer Verkehrskontrolle mit den Beamten in Kontakt, bei denen ihm ein Foto von Ginas Auto gezeigt wurde und um Hilfe bei der Aufklärung gebeten wurde. Man habe ihm zu diesem Zeitpunkt auch mitgeteilt, dass es sich um das Auto der Angeklagten handele.

Der Zeuge wird entlassen.

 

Zeuge 2 – Augenzeuge

Der 59-jährige Mann war ebenfalls an dem Tag anwesend, an dem der orangefarbene Pickup auf dem Feldweg gesehen wurde. Er bestätigt die Sichtung, kann jedoch nicht bezeugen, wer den Wagen gefahren hat. Er berichtet, dass das Auto vom Feldweg aus in Richtung Klein Upahl fuhr. Der Mann gibt an, dass er es nicht für möglich hält, dass sein Kollege den Fahrer des Wagens hätte erkennen können. Er bestätigt, dass sein Kollege die vorherige Aussage auch schon vor der Presse getätigt hat.

Der Zeuge wird entlassen.

 

Zeugin 3 – Anwohnerin aus Klein Upahl

Die 44-jährige Reiterin war am Nachmittag des 10. Oktober mit ihrem Pferd bei Klein Upahl unterwegs. Als sie gegen 15:00 Uhr Rauch in einem Gebüsch wahrnahm, habe sie genauer hingeschaut. Sie sah ein Feuer bei einem Tümpel und hielt es für eine Schilfrodung. Mit ihrem Handy fotografierte sie den Brand. Dass dieser mit dem Verbrechen in Verbindung gebracht werden könnte, ahnte sie erst viel später, als ein Polizist sie auf mögliche Beobachtungen ansprach.

Die Zeugin wird entlassen.

 

Zeugin 4 – Augenzeugin

Am 10. Oktober befand sich die Zeugin gegen 13:00 Uhr auf dem Nachhauseweg von der Arbeit, der sie durch Klein Upahl führte. Zu dieser Zeit sah sie in der Nähe des Ortes Rauch, den sie auf das Verbrennen von Gartenabfällen zurückführte. Sie erinnere sich so genau an das Datum, da sie an diesem Tag eine Betriebsfeier hatten. Über die Uhrzeit, in der die Zeugin das Feuer gesehen haben will, bestehen Diskrepanzen. So habe sie in einer vorherigen Befragung bei der Polizei eine andere, spätere Uhrzeit angegeben. Da es auf der Arbeitsstelle der Dame keine Dienstpläne gebe, könne dies jedoch nicht mehr nachvollzogen werden.

Die Zeugin wird entlassen.

 

Zeugin 5 – Nachbarin von Gina H.

Die Frau berichtet, dass sie Gina H. am 10. Oktober in ihrem Wohnort Reimershagen gesehen habe. Es war gegen 14:50 Uhr. Die Angeklagte kam ihr im Auto entgegen, man habe sich gegrüßt. Sie kenne Gina H. seit 2023, sei mit ihr befreundet und habe sogar ab und zu auf ihren Sohn aufgepasst. Matthias R. sei ihr nur wie eine Arbeitskraft vorgekommen, der für die Finanzierung von Ginas Lebensstil zuständig war. Wegen des regelmäßigen Streits ging es bei den beiden häufig sehr laut zu. Sie selbst habe nie Handgreiflichkeiten zwischen den beiden beobachtet, jedoch wurde ihr durch Ginas Sohn davon erzählt, dass Matthias seine Mutter geschlagen habe.
Inzwischen sehe sie Matthias R. täglich bei den Pferden und gibt an, dass er von Anfang an an die Unschuld der Angeklagten geglaubt habe. Er habe sogar einmal den Verdacht geäußert, dass Dorina gemeinsam mit einer Freundin hinter der Tat stecken könne. Gründe für diesen Verdacht habe er jedoch keine. Sie gibt an, dass im Dorf die meisten an Ginas Schuld glauben.

Die Zeugin wird entlassen.

 

Zeugin 6 – Augenzeugin

Die Kindergärtnerin aus der Kita in Güstrow habe am 10. Oktober früher Feierabend machen können und sei dann gegen 14:15 Uhr mit dem Auto nach Hause gefahren. Der Weg führte sie durch Klein Upahl. Dort sei ihr ein auffällig lackiertes Auto entgegengekommen. Die Farbe habe ihr so gut gefallen, dass sie das Auto sogar fotografieren wollte, jedoch hat sie ihr Handy nicht rechtzeitig fassen können. Sie habe jedoch weder auf den Fahrer noch auf das Nummernschild geachtet. Als sie ihre Beobachtung im Januar der Polizei in Güstrow habe melden wollen, hätte man sie an ein Bürgertelefon für Hinweise verwiesen und sie nach Hause geschickt. Daraufhin hat sie erst im Februar ihre Aussage getätigt.

Die Zeugin wird entlassen.

 

Zeuge 7 – Kripo-Ermittler

Am Abend des 10. Oktober sei die Suche nach Fabian mithilfe von Spürhunden begonnen worden. Da die Hunde zunächst Fabians Fährte zum Güstrower Busbahnhof verfolgten, habe man angenommen, dass der Junge mit dem Bus zu seinem Vater nach Groß Breesen habe fahren wollen. Die Spürhunde haben auch dort wieder angeschlagen und seien in Richtung Klein Breesen gelaufen.

Im Rahmen der Suchaktion seien sowohl Fabians Wohnung, die Hütte in der Gartenanlage sowie der Hof von Daniels Vater erfolglos durchsucht worden. Daraufhin folgte eine großangelegte Personenbefragung.

Der Zeuge wird entlassen.

 

Sprach- und Chatnachrichten

In einer Sprachnachricht am 12. Oktober behauptet Gina H. gegenüber Matthias R. dass er sich nicht dafür interessiere, wie es ihr mit dem Verschwinden von Fabian gehe.

Am 13. Oktober berichtet sie in einer Sprachnachricht an Matthias R., dass sie sehr genau wisse, wie er sich gerade fühle, denn sie habe als Kind erlebt, dass ein Freund verschwunden und tot aufgefunden worden wäre.

Noch am selben Abend beginnt sie wieder mit kontrollierenden und eifersüchtigen Nachrichten im Hinblick auf Matthias Facebook Aktivitäten.

 

(Quellen: Stern.de; Ostseewelle; t-online; NDR; Focus Online; Pressemitteilungen Landgericht Rostock)

 

Fabian: Prozesstag 5

Prozesstag 5 – 21.05.2026

 

Vorankündigungen

Eine von der Nebenklage geladene Zeugin, die intime Nachrichten mit Matthias R. ausgetauscht hat, soll vorgeladen werden. Die Verteidigung lehnt die Vernehmung dieser Zeugin ab, da sie lediglich zur Demütigung der Angeklagten und nicht zur Wahrheitsfindung dienlich sei. Zudem habe die besagte Zeugin sich öffentlich auf Facebook mit Davina L. solidarisiert und sei somit Teil eines möglichen Komplotts gegen die Angeklagte.

 

Zeugin 1 – Mitarbeiterin des Jugendraums

Die 42-jährige Frau berichtet, dass Fabian fast täglich im Jugendraum war, um Karten oder PC zu spielen. Zuletzt war er auch am 09. Oktober dort, dem Tag vor seinem Verschwinden. Sie habe Fabian als offenen und zugänglichen Jungen kennengelernt, dem sie durchaus auch zutrauen würde, mit Fremden mitzugehen. Über Fabians Familienverhältnisse weiß sie nur zu berichten, dass Fabians Eltern getrennt lebten und der Vater eine neue Freundin habe, von der er jedoch nichts berichtet habe.

Die Zeugin wird entlassen.

 

Zeuge 2 – Mitarbeiter des Jugendraums und Ehemann von Zeugin 1

Er kenne Fabian schon seit zwei Jahren, in dieser Zeit habe er weder den Vater noch die Mutter des Jungen kennengelernt. Über familiäre Dinge sei nie gesprochen worden.

Der Zeuge wird entlassen.

 

Sprach- und Chatnachrichten

Es werden weitere Sprachnachrichten aus dem Zeitraum nach der Trennung von Matthias R. und Gina H. abgespielt.

Gina H. deutet zwischen den Zeilen suizidäre Gedanken an. Die manipulativen Sprachnachrichten schwanken zwischen Liebesbekundungen, Akzeptanz, Vorwürfe und Leid.

Am 05. Oktober wirft sie ihm Kontakte zu anderen Frauen vor, darunter auch den zu Dorina, Fabians Mutter. Matthias versichert Gina verzweifelt, dass er nur mit ihr schreibe, wenn es um Fabian geht.

 

Zeugin 3 – Monika R.: Fabians Großmutter

Die Dame wird von ihrer Tochter (Schwester von Matthias R.) begleitet, die sie als Pflegerin unterstützt. Auch als eventuelle Zeugin darf sie ihrer Mutter zur Seite stehen. Monika antwortet nur in knappen und wenig informativen Sätzen. Sie wisse weder etwas über die Beziehung ihres Sohnes zu Dorina als auch über die zu Gina.
Sie weigert sich, Angaben über die Trennung zu machen. Auf die Frage, ob sie wisse, was mit Fabian passiert sei, antwortet sie lediglich mit „Nein“ und auch auf die Frage, ob sie wissen wolle, was mit Fabian passiert sei, antwortet sie mit einem einfachen „Nein“. Als die Staatsanwaltschaft sie auf ihre Pflicht, die Wahrheit zu sagen hinweist und darauf, dass sie sich bei der Polizei sehr wohl an manche Sachverhalte erinnern konnte, bleibt sie trotzdem bei ihrem stoischen „Nein“.

Da die Zeugin jede Frage mit „Kann ich nichts zu sagen“ oder „Weiß ich nicht“ beantwortet, wird sie entlassen.

 

Zeugin 4 – Polizistin

Die 44-jährige Beamtin war ab dem 11. Oktober mit Fabians Verschwinden betraut worden. Gemeinsam mit einem Kollegen habe sie an diesem Tag den Hof des Vaters durchsucht, um auszuschließen, dass Fabian sich irgendwo dort versteckt haben könnte. Matthias R. wirkt an diesem Tag sehr besorgt, bemängelte jedoch die Kommunikation seitens der Polizei, von der er sich nicht ausreichend in die vorgehenden Prozesse integriert gefühlt habe. Er habe viel Zeit am Handy verbracht. Matthias Mutter und ein Bruder, die ebenfalls anwesend waren, wirkten auf die Beamtin eher teilnahmslos.
Fabians Vater habe sich zum Zeitpunkt des Verschwindens des Jungen auf der Arbeit aufgehalten. Dies habe sich bei einer Überprüfung seiner Arbeitsstelle am 13. Oktober herausgestellt. Dort haben die befragten Kollegen unabhängig voneinander und von selbst den Namen Gina H. erwähnt und angegeben, dass sie ihr einiges zutrauen würden. Eine persönlich mit Gina H. bekannte Kollegin des Vaters spricht von mangelnder Impulskontrolle seitens Gina H., eine andere Kollegin spricht von aggressivem und intrigantem Verhalten seitens der Angeklagten, ein weiterer Kollege bezeichnet sie als „nicht zurechnungsfähig“.

Nachdem Gina H. auf diese Weise in den Fokus geraten war, habe man entschieden diese aufzusuchen. Die Angeklagte habe auf diesen erneuten Besuch der Polizei nicht begeistert reagiert, das Haus sei bereits durchsucht worden und sie habe bereits alles gesagt. Im späteren Verlauf des Gesprächs gibt sie jedoch an, die Trennung von Matthias sei aufgrund seiner Gewalttätigkeit und seiner Alkoholprobleme gekommen. Gina H. gibt an, am Tag von Fabians Verschwinden den ganzen Tag im Pferdestall gearbeitet zu haben, außerdem habe sie nicht gewusst, dass er krank zu Hause sei, auch eine Fahrt nach Güstrow für Besorgungen habe sie nicht erwähnt. Allgemein habe Gina H. sehr kontrolliert und wenig betroffen gewirkt.

Am 14. Oktober stößt die Beamtin am Leichenfundort zu ihren Kollegen, die die Leiche bereits entsprechend abgesichert haben. Sie beschreibt, dass der kleine Körper stark verbrannt gewesen sei.

Die Zeugin wird entlassen.

 

Zeugin 5 – Anwohnerin aus Güstrow

Die 36-jährige Frau wurde am 24. Oktober von Polizeibeamten über den Mord an Fabian befragt. Diese erhofften sich Augenzeugen zu finden, die etwas Auffälliges über den Tattag berichten konnten. Sie kannte den Jungen und seine Familie zwar nicht, als die Beamten der Anwohnerin ein Foto des orangefarbenen Ford Rangers zeigten, erinnerte sie sich sofort. Das auffällige Auto war ihr am Tattag ins Auge gefallen, weil sie es besonders schön fand. Sie konnte die Beamten zu dem Ort führen, an dem es geparkt war. Die Frau identifiziert auch im Gerichtssaal den Wagen zu 100% und zeigt auf einer Karte, wo sie das parkende Auto sah. Es stand am 10. Oktober nur ca. 2 Gehminuten von Fabians Wohnung entfernt.

Überwachungsvideoaufnahmen zeigen dasselbe Auto um 10:45 Uhr in ebendieser Gegend, jedoch an einem anderen Ort und nicht in der von der Zeugin benannten Parklücke. Die Aussage der Zeugin kann somit nicht bestätigt werden. Sie bleibt jedoch dabei, das Auto zu dieser Zeit in der von ihr angegebenen Parklücke gesehen zu haben.

Die Zeugin wird entlassen.

 

Zeuge 6 – Passant

Der 45-jährige Mann gibt an, am 10. Oktober um 11:00 Uhr einen einsamen Jungen, auf den die Beschreibung von Fabian passt, ihn Zehna am Straßenrand gesehen zu haben. Ihm habe sich eine Frau mit schwarzen Haaren und dunkelblauer Jacke genähert. Zeitgleich sei der orangefarbene Pickup auf die beiden zugefahren, den er eindeutig als den Wagen von Gina H. identifiziert.

Der Zeuge wird entlassen.

 

Sprach- und Chatnachrichten

Die Nachrichten, die aus der Zeit nach der Trennung und kurz vor Fabians Tod aufgenommen wurden, zeichnen erneut ein Bild von der Beziehung zwischen Gina H. und Matthias R. Die Vorwürfe reißen nicht ab. Immer wieder kommt es zu Streit. Am 09. Oktober um 21:09 Uhr blockiert Gina Matthias nach einer erneuten Auseinandersetzung und kauft kurze Zeit später eine online Vorlage für ein Testament.

 

 

(Quellen: Stern.de; Ostseewelle; t-online; NDR; Focus Online; Pressemitteilungen Landgericht Rostock)

Fabian: Prozesstag 4

Prozesstag 4 – 13.05.2026

 

Vorankündigungen

Die Staatsanwaltschaft gibt bekannt, dass sie nach dem dritten Prozesstag am 05.05.2026 ein Ermittlungsverfahren wegen Falschaussage gegen Fabians Vater Matthias R. eingeleitet habe. Grund dafür seien die nachweislichen Falschaussagen seinerseits, die nicht darauf hindeuten, dass er an einer objektiven Wahrheitsfindung interessiert sei. Ginas Verteidiger quittieren diese Ankündigung mit Empörung.

 

Sprach- und Textnachrichten

Es werden Sprach- und Textnachrichten aus August 2025 präsentiert, in denen Gina H. überaus verzweifelt, weinend und mit zittriger Stimme über die Trennung spricht. Matthias R. beteuert zwar seine Liebe zu ihr, gibt jedoch an, dass er es nicht mehr erträgt, hart für sie zu arbeiten und im Gegenzug keinen Rückhalt von ihr zu erhalten. Er sei nicht mehr bereit dazu, sein eigenes Leben und seine Bedürfnisse für sie zurückzustecken. Auch seine Eltern wolle er weiterhin besuchen dürfen. Aufgrund von Ginas weniger gutem Verhältnis zu ihren „Schwiegereltern“ sei dies jedoch auf Probleme gestoßen. Sie erlaube ihm maximal einen Besuch bei seinen Eltern einmal monatlich.

Am 17. August versucht Gina H. Matthias insgesamt 40x anzurufen. Sie bombardiert ihn mit Fragen über potentielle neue Freundinnen und wer bereits von der Trennung wisse.

Am 18. August gibt Gina H. in einer Sprachnachricht an, Matthias nicht mehr belästigen zu wollen und sagt offen, dass sie seine Familie hasse. Sie sei von ihnen stets schlecht behandelt worden, obwohl sie stets respekt- und würdevoll im Umgang mit ihnen war. Sie wünscht sich zudem, dass er keine neue Frau findet und wieder zu ihm zurückkommt.

In weiteren Sprachnachrichten spricht sie davon, nun ihre Pferde verkaufen zu müssen und dass sie auch ihre Wohnung gekündigt habe. Sie könne nur noch für ihre Tiere aufstehen.
Gina H. beginnt zudem damit, wahllos Menschen zu kontaktieren, die auf Facebook mit Matthias R. in Verbindung stehen. So ruft sie die Mutter eines Mädchens an, das gerade neu in seiner Freundesliste aufgenommen wurde, um herauszufinden, ob es eine sexuelle Beziehung zwischen den beiden gäbe.

Eine Sprachnachricht aus September 2025 an eine Bekannte von Gina H. beinhaltet, dass sie sich bezüglich ihrer psychischen Störungen äußert (PTSD, Borderline, Depressionen)

 

Zeugin 1 – Fabians Klassenlehrerin

Die Klassenlehrerin beschreibt Fabian als kontaktfreundlichen, lieben und offenen Jungen mit festem Freundeskreis. Seine besonderen Stärken lagen vor allem bei Mathematik, Lesen und Schreiben hätten ihm eher Schwierigkeiten bereitet. Er zeigte sich seinen Mitschülern gegenüber stets hilfsbereit. Fabian kam häufig allein mit dem Fahrrad zur Schule. Manchmal fehlten ihm auch Schulmaterialien. Kam es unter den Schülern einmal zu Streit, hatte Fabian Probleme mit Frust und Wut, die er dann körperlich durch Schubsen oder Treten äußerte. Das Thema wurde jedoch offen angesprochen und aktiv und erfolgreich gemeinsam mit Fabian bearbeitet. Er habe Ende des 2. Schuljahres vermehrt Videospiele gespielt. Zu Beginn des 3. Schuljahres erzählte Fabian stolz davon, wieder Kontakt mit seinem Vater zu haben und auch Zeit mit ihm verbracht zu haben. Das Spielen von Videospielen habe sich damit auch verringert. Sie habe nie den Eindruck gehabt, dass Fabian von Videospielen in irgendeiner Form in seinem Verhalten beeinflusst worden sein. Von Gina H. habe er allerdings nie etwas erzählt.
Am 09. Oktober sei Fabian wegen Nasenblutens früher aus der Schule nach Hause gegangen.

Die Klassenlehrerin beschreibt Fabian zwar als offenen und vertrauensseligen Jungen, geht jedoch nicht davon aus, dass er mit einem Fremden freiwillig mitgegangen wäre.

 

Zeugin 2 – Mutter von Fabians bestem Freund

Sie kennt Fabian schon aus Kindergartenzeiten, eine intensive Freundschaft zu ihrem Sohn habe sich jedoch erst im Jahr 2025 entwickelt. Fabian sei schnell zu einem festen Bestandteil der Familie geworden und habe sich dort sehr wohl gefühlt und viel Zeit bei ihnen verbracht. Sie berichtet, dass Fabian auch mal wütend wurde, wenn er seinen Willen nicht bekam. Zudem habe sie sowohl ihrem eigenen Sohn als auch Fabian bei einem gemeinsamen Ausflug genau erklärt, warum sie niemals mit Fremden mitgehen dürfen. Sie hatte den Eindruck, dass beide Jungen das sehr gut verstanden haben. Die beiden haben regelmäßig gemeinsam Roblox gespielt und YouTube Videos geschaut. Zwar haben sie online gespielt, jedoch hatte die Mutter nicht den Eindruck, dass sie im Internet auch mit Fremden Kontakt hatten. Sein Handy hatte Fabian immer dabei.

Eines Tages habe Fabian berichtet, dass er beobachtet habe, dass sein Vater eine Frau geschlagen habe, woraufhin er keinen Kontakt mehr mit ihm haben wollte. Da sie den Eindruck hatte, dass ihn diese Situation sehr belaste, habe sie ihn nicht weiter damit konfrontiert und eher versucht, ihn abzulenken.
Am Ende der Sommerferien habe er sich wieder mit seinem Vater versöhnt, der daraufhin den neuen Fokus im Leben seines Sohnes darstellte, was sich auch merklich beim Kontakt zu ihrem Sohn zeigte. Die Jungs sahen sich weniger und Fabian übernachtete auch nicht mehr so häufig bei ihnen.

Am 09. Oktober habe Fabian bei ihnen geklingelt, um seinen besten Freund zu besuchen, da dieser jedoch zum Basketballtraining musste, habe sie Fabian nicht reingelassen. Er reagierte darauf mit Unverständnis und warf sein Fahrrad auf die Straße.

Am Abend haben die beiden dann kurz miteinander telefoniert. Worüber gesprochen wurde, kann sie nicht beantworten.

Sie berichtet zudem, dass Fabian am Wochenende zu seinem Vater wollte und er wütend darüber war, dass er dies nicht durfte, weil Dorina mit ihm noch Schuhe kaufen fahren wollte. Fabians Verhältnis zu seiner Mutter sei nicht das beste gewesen. Er habe sich von seiner Mutter vernachlässigt gefühlt, da er häufig allein zu Hause war. Dorina sei häufig erst gegen 1 Uhr nachts von einer Freundin nach Hause gekommen, für den Achtjährigen galt ein Zapfenstreich von 22:00 Uhr. Sie selbst empfinde Dorina als lieblos und nicht fürsorglich gegenüber ihrem Sohn. Dies bestätigt sich für sie dadurch, dass Fabian an den Wochenenden gar nicht erst nach Hause wollte.

Thomas Löcker fragt die Zeugin, ob sie etwas davon wisse, dass Dorina sich eine Hütte mit einem Mann in einer Gartensiedlung teile, in der es regelmäßig zu Trinkgelagen käme. Sie gibt zu, dass Fabian ihr von diesem Mann erzählt und davon, dass er sich gut mit ihm verstehe, er habe auch von den Trinkgelagen berichtet.

Die Zeugin wird entlassen.

 

Zeuge 3 – Fabians bester Freund

Der 9-jährige Junge wird über einen Bildschirm zugeschaltet. Er befindet sich nicht im Gerichtssaal. Nur der Richter darf ihm Fragen stellen.

Er bezeichnet Fabian als guten Freund. „Klein, dick und frech“. Sie seien immer mit dem Fahrrad unterwegs gewesen oder haben Roblox auf dem Handy gezockt. Fabians Zimmer sei sehr unordentlich gewesen, der Rest der Wohnung jedoch ordentlich und er habe Fabians Mutter als nett empfunden. Zudem habe sich Fabian öfter mal im örtlichen Jugendraum aufgehalten, in dem es PCs gab. Er selbst sei jedoch nie dort gewesen, wenn Fabian an diesen Geräten gezockt habe. Der Junge berichtet, dass Fabian ihm erzählt habe, dass Matthias R. eine Frau geschlagen habe, er selbst habe den Mann jedoch nie getroffen. Auch von Gina H. oder einer „Ziehmutter“ habe er nie etwas gehört. Er wisse nur von einer Frau, die Pferde hat, von der er einmal erzählt habe, jedoch wisse er nicht, ob er sie mochte oder nicht.
Am Abend des 09. Oktober haben sie sich am Handy nur über das Zocken unterhalten.

Der Zeuge wird entlassen.

 

Zeuge 4 – Freund und Nachbar von Fabian

Der 11-jährige Junge wird ebenfalls über einen Bildschirm zugeschaltet. Er beschreibt Fabian als klein, dick, blond, abenteuerlustig und cool. Sie hätten gemeinsam draußen in seinem Garten oder auf dem Spielplatz gespielt und auf dem Handy Roblox gezockt. In anderen Gärten oder gar in der Gartensiedlung seien sie nie gewesen. In der Freundesliste dort gab es keine Fremden. Er berichtet, dass Fabian gern bei seinem Vater gewesen wäre, er jedoch nicht zu ihm gedurft hätte, weil es einen Streit gegeben habe. Irgendwann habe er den Kontakt zu ihm aber wieder aufgenommen.
Über die Freundin seines Vaters habe Fabian berichtet, dass er sie nicht so gut mit ihr verstehen würde. Der Junge sagt aus, dass Fabian niemals mit einem Fremden mitgegangen wäre.

Der Zeuge wird entlassen.

 

Zeuge 5 – Augenzeuge

Der Mann hat entweder am 09. oder am 10. Oktober ein auffällig orangefarbenes Auto in der Straße von Fabians Wohnung gesehen. Er erinnere sich so genau an das Fahrzeug, weil er sich darüber geärgert habe, dass es auf zwei Parklücken gleichzeitig stand. Das Datum ist ihm jedoch nicht mehr genau bewusst. Das Auto habe er vorher noch nie dort gesehen. Nachdem man dem Herrn ein Bild des Fahrzeugs von Gina H. vorlegt, identifiziert er es eindeutig anhand des auffälligen Auspuffs als das der Angeklagten.

Der Zeuge wird entlassen.

 

Abschluss

Die ursprünglichen 17 Verhandlungstage werden seitens der Strafkammer um 10 weitere Tage ergänzt.

 

(Quellen: Stern.de; Ostseewelle; t-online; NDR; Focus Online; Pressemitteilungen Landgericht Rostock)

Fabian: Prozesstag 2

Prozesstag 2 – 30. April 2026

Zeugin 1: Dorina L. – Fabians Mutter

Dorina L. wird von einem Notfallseelsorger bei diesem schweren Gang begleitet. Sie berichtet, dass sie Fabians Vater im Herbst 2015 auf einer Party kennengelernt habe. Am Anfang habe man eine liebevolle Beziehung geführt, Matthias R. habe sich jedoch zum Negativen verändert. Besonders sein regelmäßiger und übermäßiger Alkoholkonsum habe sie beunruhigt. Dabei sei er zwar ihr gegenüber nie gewalttätig geworden, habe jedoch Gegenstände zerschlagen. Gegenüber Fabian war er ein ebenso liebevoller wie strenger Vater. Aufgrund der nicht zu überbrückenden Differenzen erfolgte die Trennung im November 2018.
Im Jahr 2021 tritt Gina H. in Fabians Leben auf. Er beschreibt sie als lieb und gibt an, sich gut mit ihr zu verstehen. Der Junge besucht seinen Vater und seine neue Freundin häufig. Eines Tages berichtet der doch, dass er nicht mehr zu seinem Vater möchte. Auf Nachfrage gab der Junge an, dass er beobachtet habe, dass Mattias R. gegen Gina H. gewalttätig wurde. Nachdem Davina ihn zur Rede gestellt hat und das Gespräch fruchtlos verlaufen ist, habe sie den Kontakt zwischen Fabian und seinem Vater nicht weiter unterstützt. Dorina beschreibt ihren einzigen Sohn als liebevoll, gutmütig und freundlich. Es habe eine feste Regel gegeben, dass er, sollte er allein zu Hause sein, die Tür niemandem öffnen dürfe.
Am 09. Oktober 2025 musste Dorina ihren Sohn aus der Schule abholen, da er unter starkem Nasenbluten litt. Als es ihm nachmittags wieder besser geht, sei er noch mal mit dem Fahrrad in den örtlichen Jugendraum gefahren. Am Morgen des 10. Oktober habe Fabian sich nicht wohlgefühlt und sei deshalb nicht in die Schule gegangen. Man hätte an diesem Nachmittag noch gemeinsam Fußballschuhe kaufen wollen. Am nächsten Tag hätte ein Wochenend-Aufenthalt bei Matthias R. angestanden. Fabians Fahrrad, mit dem er sich überall hin fortbewegte, stand gut einsehbar auf der Straße und war somit ein Hinweis darauf, dass der Junge anwesend war. Dorina habe sich von ihrem Sohn versichern lassen, die Wohnung nicht zu verlassen, während sie sich auf der Arbeit befand. Als sie ihn zum letzten Mal sah, trug Fabian einen grauen Pullover.
Um 15:15 Uhr habe Dorina ihre Arbeitsstelle verlassen und sei nach dem 10-minütigen Fußweg gegen 15:25 Uhr zu Hause angekommen. Fabian habe sie nicht in der Wohnung vorgefunden. Daraufhin rief sie Eltern seiner Freunde sowie im Jugendraum an, doch niemand konnte etwas über Fabians Verbleib berichten. Als Fabian auch zur sonst üblichen Uhrzeit nicht zurück ist, alarmiert sie um 20:00 Uhr die Polizei. Am 11. Oktober wird sie von Gina H. kontaktiert. Diese berichtet ihr, dass die Kripo mit ihr gesprochen habe und dass ihr leid tue, was passiert sei. Gina und Fabian haben auch nach der Trennung von Matthias R. noch in Kontakt gestanden, da eine Freundschaft zwischen ihm und Ginas Sohn bestand.
Am 14. Oktober sei Dorina L. von einer Polizeibeamtin über den Leichenfund sowie die Tatsache informiert worden, dass es sich mit einer 99,9 prozentigen Wahrscheinlichkeit um Fabian handele.
Nach dem Tod des gemeinsamen Sohnes habe sie den Kontakt zu Matthias R. völlig abgebrochen, da sie nicht nachvollziehen könne, dass er weiterhin mit Gina H. im Kontakt stehe.

Dorina L. wird mit diversen Chat-, Sprach- und Videonachrichten konfrontiert.

  • Eine Videoaufzeichnung , bei der Gina H. bei einem Besuch von Matthias R. in der JVA behauptet, dass Fabian von Dorina erpresst worden sei, um den Kontakt zu seinem Vater wieder aufzunehmen erntet bei Dorina L. Unverständnis.
  • In einer Nachricht vom 05. September soll Matthias R. gegenüber Davina behauptet haben, sich endlich von Gina getrennt zu haben, die über sein Leben bestimmt und ihn manipuliert habe.
  • In einer Sprachnachricht an ihre Frisörin behauptet Gina H., dass Fabian regelmäßig von zu Hause weggelaufen sei. Zudem behauptet Gina H. dass Fabian seine Gründe habt habe, von zu Hause weggegangen zu sein und sie hoffe, dass er mit niemandem mitgegangen wäre. Dorina L. gibt an, dass Fabian noch nie von zu Hause weggelaufen sei.

 

Zeuge 2: Matthias R. – Fabians Vater (Spitzname Adi)

Matthias R. berichtet, dass Fabian für ihn ein Wunschkind gewesen sei. Die Beziehung zu Dorina sei am Anfang sehr schön gewesen, die Trennung hingegen sei für ihn sehr abrupt gekommen. Er habe nie den Eindruck gehabt, ein Alkoholproblem zu haben.
Fabians Verhältnis zu Gina sei wie das zu einer Mutter gewesen. Er habe sie auch öfter mal „Mama“ genannt. Das Verhältnis von Ginas Sohn und Fabian sei großartig gewesen, die beiden haben sich wie Brüder verstanden und seien unzertrennlich gewesen. Auch Ginas Großeltern habe er mit „Oma“ und „Opa“ angeredet.
Laut Matthias R. sei Fabian öfter einmal vom Grundstück weggelaufen, sei jedoch nie über mehrere Tage hinweg verschwunden gewesen. Er gibt zu, dass Fabian einen handgreiflichen Streit zwischen ihm und Gina beobachtet habe, woraufhin der Kontaktabbruch begonnen habe.
Er sagt aus, dass er inzwischen sehr enttäuscht von der Polizeiarbeit sei, die bestimmten Hinweisen nicht nachgegangen sei, wie z.B. der telefonischen Meldung eines Zeugen, der ein Messer in einem Mülleimer bei Güstrow gefunden habe. Er könne sich niemanden vorstellen, der von Fabians Tod profitieren würde oder von Ginas Festnahme. Matthias R. bestätigt den Inhalt der Nachricht, in der er Gina als manipulativ bezeichnet habe, gibt jedoch an, so kurz nach der Trennung diese Worte lediglich aus Wut gesprochen zu haben. Er lobt die Beziehung zur Angeklagten, gibt jedoch zu, dass sie eifersüchtig war, was jedoch für viele Frauen normal sei. Getrennt habe er sich nur, weil er sich ein wenig mehr Zeit für sich gewünscht hätte. Ein Freund von ihm habe ausgesagt, dass Gina sehr kontrollierend und eifersüchtig war, sodass er sie sogar während seiner Mittagspause per Videocall anrufen musste, um zu beweisen, dass keine andere Frau bei ihm sei. Matthias R. streitet dies ab und behauptet, dass dieser Freund wohl Gina H. nicht ausstehen könne. Eine weitere Zeugin, die bei der Polizei ausgesagt habe, Matthias hätte ihr gegenüber behauptet, dass Gina eine Spy-Software auf ihrem Handy installiert habe, streitet er ebenfalls ab. Zudem widerruft Matthias R. eine Aussage bei der Polizei im November 2025, bei der er noch behauptet habe, dass Gina eine Nachricht in seinem Namen an seine Ex-Schwiegereltern habe. Er habe inzwischen seine Meinung nach einem gemeinsamen Gespräch geändert.

Matthias R. wird mit diversen Chat-, Sprach- und Videonachrichten konfrontiert.

  • In einer vorgespielten Sprachnachricht, die Davina von Gina erhielt, sagt letztere, dass die Kinder sich bei Streitigkeiten schützend vor sie und „Adi“ stellen würden.
  • In einer weiteren Chatnachricht von Gina an Davina behauptet die Angeklagte, dass Matthias R. ihr einen Arm und auch beinahe mehrere Rippen gebrochen habe. Matthias R. kann sich diese Vorwürfe nicht erklären.

Die Befragung von Matthias R. wird am 3. Prozesstag fortgesetzt.

 

(Quellen: Stern.de; Ostseewelle; t-online; NDR; Focus Online; Pressemitteilungen Landgericht Rostock)