Prozesstag 10 – 09.06.2026
Zeuge 1 – Bekannter von Gina H.
Der Zeuge ist mit der Angeklagten auf dieselbe Schule gegangen, er war jedoch eine Klasse über ihr. Nach einer jahrelangen Kontaktpause habe man sich vor einigen Jahren auf Social Media wiedergetroffen und sei seitdem wieder regelmäßiger im Kontakt. Für das Gericht ist dieser Zeuge interessant, da er mit Gina H. auch Sprachnachrichten ausgetauscht hat, unter anderem am 11. Oktober 2025. Die Angeklagte berichtete dem Zeuge auf Nachfrage, was los sei, dass Fabian verschwunden sei. Seine Antwort darauf lautete, dass sie dies den Eltern des Jungen überlassen solle, da er ihr schon „Ärger“ eingebracht habe. Der Zeuge berichtet, dass Gina H. ihm immer wieder erzählt habe, dass es aufgrund von Fabian zu Streit mit Matthias R. kam, sie sei jedoch nie ins Detail gegangen.
In einer weiteren Sprachnachricht an den Zeugen sagt die Angeklagte, dass Fabians Mutter in den Fokus der Polizei geraten würde, da sie ihn nachts allein gelassen habe und betrunken nach Hause gekommen wäre. Der Zeuge erinnere sich zwar an diese Sprachnachricht, aber nicht daran, ob Gina H. eifersüchtig auf Dorina L. gewesen sei.
In weiteren Sprachnachrichten von Gina an den Zeugen ist zu hören, dass diese sagt, dass die Spur, die die Suchhunde damals von Fabian aufgenommen haben, nicht möglich gewesen sein könne, da Fabian nie mit dem Bus gefahren sei und sich auch nie in irgendeinem Wald aufgehalten habe. Als Gina nur einen Tag später Fabians Leiche in der Nähe eines Waldes fand, sei der Zeuge misstrauisch geworden.
In weiteren Sprachnachrichten diskutieren die beiden über den Fall. Sie sprechen darüber, dass Suchhunde in der Nähe eines Sees angeschlagen hätten. Der Zeuge fragt sie, wie Fabian dort hineingekommen sein könne. Gina H. antworte, dass man das nie herausfinden würde, da Wasserleichen ebenso keine DNA-Spuren aufweisen wie Brandleichen. Die plötzliche Erwähnung von Brandleichen seitens der Angeklagten wird als besonders auffällig gewertet, da dies bis dahin nicht zur Sprache kam.
Der Zeuge wird entlassen.
Zeuge 2 – Polizist
Der Beamte war für die Auswertung der Handydaten von Gina H.s Samsung S25 zuständig. Zwischen dem 09. und dem 14. Oktober konnten insgesamt 33.000 Datensätze erfasst werden, darunter 1100 Sprachnachrichten, 207 Telefongespräche, 3151 Chatnachrichten und 86 E-Mails. Vor allem die Konversationen zwischen der Angeklagten und Fabians Vater seien von Interesse gewesen. Hier zeige sich vor allem der eifersüchtige und kontrollierende Charakter der Angeklagten. Immer wieder drehten sich die Streitigkeiten zwischen den beiden um finanzielle Angelegenheiten, den weiterhin bestehenden Kontakt zu Fabians Mutter Dorina, Eifersucht gegenüber weiteren Frauen und andere Sozialkontakte von Matthias R.
Die Tatsache, dass Matthias R. den Kontakt zu Dorina L. aufrechterhielt, war für Gina H. völlig unverständlich. Auch dass die beiden sich nur aufgrund von Fabian unterhielten, war für sie nicht nachvollziehbar. Auch das Verhalten von Matthias R. gegenüber Gina H. ist überaus ambivalent. Er droht sowohl mit der Trennung, macht ihr jedoch auch zweimal einen Heiratsantrag.
In der Nacht vom 08. auf dem 09. Oktober kam es zu einem großen Streit zwischen den beiden, bei dem Gina H. Matthias R. aus ihrer Wohnung warf. Besonders eine Nachricht vom darauffolgenden Tag erachtet der Beamte als interessant. Hier sagte Gina H. gegenüber einem Bekannten, dass sie wichtige Entscheidungen für die Zukunft getroffen habe. Am Abend schickt sie Matthias R. eine von ChatGPT verfasste Nachricht, die Matthias R. mit der Aussage beantwortet, dass er nicht wieder alles für die Beziehung aufgeben werde. Danach blockiert Gina H. die Nummer.
Am 10. Oktober nahm Gina H. ein Foto mit ihrem Handy auf. Es entstand laut Meta-Daten 120 m von Fabians Wohnhaus entfernt um 10:43 Uhr. Fabian nutzt sein Handy zum letzten Mal um 10:51 Uhr bei sich zu Hause.
Um 11:11 Uhr verwendet Gina H. ihr Handy wieder und schickt einem Bekannten per WhatsApp ein Foto von einem Waldweg. Um 11:22 Uhr schaltet sie ihr Handy aus. Dies sei das einzige Mal, das Gina H. das Handy seit dem Kauf des Geräts abgeschaltet habe.
Um 12:42 Uhr schaltet die Angeklagte das Handy wieder ein, um zu telefonieren. In einer Sprachnachricht, die sie nach dem Telefonat versendet, empfindet der Beamte Gina H. als „gestresst“.
Um 16:11 Uhr tätigt die Angeklagte eine Onlinesuche mit dem Schlagwort „Polizei“. Hier wusste sie noch nicht, dass Fabian als vermisst galt. Kurze Zeit später schickt sie einem Bekannten anzügliche Sprachnachrichten, während sie zeitgleich mit Matthias R. schreibt, jedoch mit negativer Stimmung. Am Abend beginnt sie, Matthias R. intensiv nach seiner Stimmung zu befragen. Auch dies hat sie zuvor noch nie getan. Erst nach 20:00 Uhr erhält sie von ihm die Information, dass Fabian vermisst wird. Sie gibt in den weiteren Gesprächen an, für Matthias R. da sein zu und bei der Suche nach Fabian helfen zu wollen. Dieses Angebot setzt sie jedoch nicht in die Realität um. Der Fokus liegt darauf, Nähe zu Matthias R. herzustellen. Auffällig sei ebenfalls, dass Matthias R. ihr berichtete, dass Fabian an diesem Tag krank zu Hause gewesen sei, jedoch keinen Grund dafür anmerkte. Kurze Zeit später berichtet Gina H. einem Bekannten, dass Fabian an diesem Tag wegen Bauchschmerzen nicht in der Schule war. Dies wurde jedoch seitens Matthias R. nie erwähnt.
Am 11. Oktober 2025 sucht Gina H. auf Google nach „Fressen Wildschweine Menschen“ und „Fressen Wildschweine tote Menschen“. Der Beamte gibt an, dass die Suche von Gina H. getätigt worden sein muss, eine Schadsoftware, die eine Fremdsteuerung ihres Handys ermöglicht, sei ausgeschlossen worden. Kurze Zeit später erhält sie die Information von Matthias R., dass die Polizei bald bei ihr eintreffen wird. Nach dieser Information beginnt Gina H. zahlreiche Telefonate zu führen. Der Beamte gibt an, dass dies für Gina H. ungewöhnlich sei. Wie zuvor bereits in den dargelegten Zahlen zu erkennen ist, bevorzugte Gina H. Sprach- und Textnachrichten. Gleich viermal versuchte sie, Matthias R. telefonisch zu erreichen.
Am 13. Oktober schlägt Gina H. einem Bekannten in einer Sprachnachricht vor, gemeinsam in der Nacht nach Fabian zu suchen. Als Ort schlägt sie den Bereich in Klein Upahl vor, in dem Fabians Leiche tatsächlich gefunden wird. Dieser Ort sei nur eine spontane Idee von ihr, die Polizei wolle sie nicht informieren. Der Zeuge hält es für auffällig, dass Gina H. ausgerechnet nachts suchen wollte.
Am selben Abend fährt sie mit ihrem Bekannten an den von ihr vorgeschlagenen Ort und schaltet von 22:48 Uhr bis 23:09 Uhr ihr Handy aus.
Spätere Ermittlungen bestätigten, dass Gina H. und ihr Bekannter Christian die Leiche entdeckten, die Polizei jedoch nicht informierten.
Gina gibt in späteren Sprachnachrichten an, dass sie bereut, Fabian gefunden zu haben, weil sie dadurch in den Fokus geraten sei. Für den Beamten ist besonders auffällig, dass sie es nach der Tat vermeidet, Fabians Namen auszusprechen.
In einer weiteren Nachricht fragt Matthias R., ob die Angeklagte etwas mit Fabians Tod zu tun habe, was sie mit „Spinnst du? Nein!“, beantwortete.
Nun werden ältere Nachrichten zwischen den beiden gehört und analysiert. Es dreht sich seit Beginn des Jahres 2024 um finanzielle Probleme und auch nach der Trennung macht Gina H. Matthias R. Vorwürfe, dass weiterhin Kontakt zu Dorina L. besteht. Sie wirft ihm vor, nicht der Mittelpunkt seines Lebens zu sein, was sie jedoch sein möchte.
Der Beamte merkt an, dass Gina H. sehr häufig ChatGPT zu ihrer Unterstützung und auch als Gesprächspartner in therapeutischen Angelegenheiten nutze.
Der Zeuge wird entlassen.

