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Fabian: Prozesstag 4

Prozesstag 4 – 13.05.2026

 

Vorankündigungen

Die Staatsanwaltschaft gibt bekannt, dass sie nach dem dritten Prozesstag am 05.05.2026 ein Ermittlungsverfahren wegen Falschaussage gegen Fabians Vater Matthias R. eingeleitet habe. Grund dafür seien die nachweislichen Falschaussagen seinerseits, die nicht darauf hindeuten, dass er an einer objektiven Wahrheitsfindung interessiert sei. Ginas Verteidiger quittieren diese Ankündigung mit Empörung.

 

Sprach- und Textnachrichten

Es werden Sprach- und Textnachrichten aus August 2025 präsentiert, in denen Gina H. überaus verzweifelt, weinend und mit zittriger Stimme über die Trennung spricht. Matthias R. beteuert zwar seine Liebe zu ihr, gibt jedoch an, dass er es nicht mehr erträgt, hart für sie zu arbeiten und im Gegenzug keinen Rückhalt von ihr zu erhalten. Er sei nicht mehr bereit dazu, sein eigenes Leben und seine Bedürfnisse für sie zurückzustecken. Auch seine Eltern wolle er weiterhin besuchen dürfen. Aufgrund von Ginas weniger gutem Verhältnis zu ihren „Schwiegereltern“ sei dies jedoch auf Probleme gestoßen. Sie erlaube ihm maximal einen Besuch bei seinen Eltern einmal monatlich.

Am 17. August versucht Gina H. Matthias insgesamt 40x anzurufen. Sie bombardiert ihn mit Fragen über potentielle neue Freundinnen und wer bereits von der Trennung wisse.

Am 18. August gibt Gina H. in einer Sprachnachricht an, Matthias nicht mehr belästigen zu wollen und sagt offen, dass sie seine Familie hasse. Sie sei von ihnen stets schlecht behandelt worden, obwohl sie stets respekt- und würdevoll im Umgang mit ihnen war. Sie wünscht sich zudem, dass er keine neue Frau findet und wieder zu ihm zurückkommt.

In weiteren Sprachnachrichten spricht sie davon, nun ihre Pferde verkaufen zu müssen und dass sie auch ihre Wohnung gekündigt habe. Sie könne nur noch für ihre Tiere aufstehen.
Gina H. beginnt zudem damit, wahllos Menschen zu kontaktieren, die auf Facebook mit Matthias R. in Verbindung stehen. So ruft sie die Mutter eines Mädchens an, das gerade neu in seiner Freundesliste aufgenommen wurde, um herauszufinden, ob es eine sexuelle Beziehung zwischen den beiden gäbe.

Eine Sprachnachricht aus September 2025 an eine Bekannte von Gina H. beinhaltet, dass sie sich bezüglich ihrer psychischen Störungen äußert (PTSD, Borderline, Depressionen)

 

Zeugin 1 – Fabians Klassenlehrerin

Die Klassenlehrerin beschreibt Fabian als kontaktfreundlichen, lieben und offenen Jungen mit festem Freundeskreis. Seine besonderen Stärken lagen vor allem bei Mathematik, Lesen und Schreiben hätten ihm eher Schwierigkeiten bereitet. Er zeigte sich seinen Mitschülern gegenüber stets hilfsbereit. Fabian kam häufig allein mit dem Fahrrad zur Schule. Manchmal fehlten ihm auch Schulmaterialien. Kam es unter den Schülern einmal zu Streit, hatte Fabian Probleme mit Frust und Wut, die er dann körperlich durch Schubsen oder Treten äußerte. Das Thema wurde jedoch offen angesprochen und aktiv und erfolgreich gemeinsam mit Fabian bearbeitet. Er habe Ende des 2. Schuljahres vermehrt Videospiele gespielt. Zu Beginn des 3. Schuljahres erzählte Fabian stolz davon, wieder Kontakt mit seinem Vater zu haben und auch Zeit mit ihm verbracht zu haben. Das Spielen von Videospielen habe sich damit auch verringert. Sie habe nie den Eindruck gehabt, dass Fabian von Videospielen in irgendeiner Form in seinem Verhalten beeinflusst worden sein. Von Gina H. habe er allerdings nie etwas erzählt.
Am 09. Oktober sei Fabian wegen Nasenblutens früher aus der Schule nach Hause gegangen.

Die Klassenlehrerin beschreibt Fabian zwar als offenen und vertrauensseligen Jungen, geht jedoch nicht davon aus, dass er mit einem Fremden freiwillig mitgegangen wäre.

 

Zeugin 2 – Mutter von Fabians bestem Freund

Sie kennt Fabian schon aus Kindergartenzeiten, eine intensive Freundschaft zu ihrem Sohn habe sich jedoch erst im Jahr 2025 entwickelt. Fabian sei schnell zu einem festen Bestandteil der Familie geworden und habe sich dort sehr wohl gefühlt und viel Zeit bei ihnen verbracht. Sie berichtet, dass Fabian auch mal wütend wurde, wenn er seinen Willen nicht bekam. Zudem habe sie sowohl ihrem eigenen Sohn als auch Fabian bei einem gemeinsamen Ausflug genau erklärt, warum sie niemals mit Fremden mitgehen dürfen. Sie hatte den Eindruck, dass beide Jungen das sehr gut verstanden haben. Die beiden haben regelmäßig gemeinsam Roblox gespielt und YouTube Videos geschaut. Zwar haben sie online gespielt, jedoch hatte die Mutter nicht den Eindruck, dass sie im Internet auch mit Fremden Kontakt hatten. Sein Handy hatte Fabian immer dabei.

Eines Tages habe Fabian berichtet, dass er beobachtet habe, dass sein Vater eine Frau geschlagen habe, woraufhin er keinen Kontakt mehr mit ihm haben wollte. Da sie den Eindruck hatte, dass ihn diese Situation sehr belaste, habe sie ihn nicht weiter damit konfrontiert und eher versucht, ihn abzulenken.
Am Ende der Sommerferien habe er sich wieder mit seinem Vater versöhnt, der daraufhin den neuen Fokus im Leben seines Sohnes darstellte, was sich auch merklich beim Kontakt zu ihrem Sohn zeigte. Die Jungs sahen sich weniger und Fabian übernachtete auch nicht mehr so häufig bei ihnen.

Am 09. Oktober habe Fabian bei ihnen geklingelt, um seinen besten Freund zu besuchen, da dieser jedoch zum Basketballtraining musste, habe sie Fabian nicht reingelassen. Er reagierte darauf mit Unverständnis und warf sein Fahrrad auf die Straße.

Am Abend haben die beiden dann kurz miteinander telefoniert. Worüber gesprochen wurde, kann sie nicht beantworten.

Sie berichtet zudem, dass Fabian am Wochenende zu seinem Vater wollte und er wütend darüber war, dass er dies nicht durfte, weil Dorina mit ihm noch Schuhe kaufen fahren wollte. Fabians Verhältnis zu seiner Mutter sei nicht das beste gewesen. Er habe sich von seiner Mutter vernachlässigt gefühlt, da er häufig allein zu Hause war. Dorina sei häufig erst gegen 1 Uhr nachts von einer Freundin nach Hause gekommen, für den Achtjährigen galt ein Zapfenstreich von 22:00 Uhr. Sie selbst empfinde Dorina als lieblos und nicht fürsorglich gegenüber ihrem Sohn. Dies bestätigt sich für sie dadurch, dass Fabian an den Wochenenden gar nicht erst nach Hause wollte.

Thomas Löcker fragt die Zeugin, ob sie etwas davon wisse, dass Dorina sich eine Hütte mit einem Mann in einer Gartensiedlung teile, in der es regelmäßig zu Trinkgelagen käme. Sie gibt zu, dass Fabian ihr von diesem Mann erzählt und davon, dass er sich gut mit ihm verstehe, er habe auch von den Trinkgelagen berichtet.

Die Zeugin wird entlassen.

 

Zeuge 3 – Fabians bester Freund

Der 9-jährige Junge wird über einen Bildschirm zugeschaltet. Er befindet sich nicht im Gerichtssaal. Nur der Richter darf ihm Fragen stellen.

Er bezeichnet Fabian als guten Freund. „Klein, dick und frech“. Sie seien immer mit dem Fahrrad unterwegs gewesen oder haben Roblox auf dem Handy gezockt. Fabians Zimmer sei sehr unordentlich gewesen, der Rest der Wohnung jedoch ordentlich und er habe Fabians Mutter als nett empfunden. Zudem habe sich Fabian öfter mal im örtlichen Jugendraum aufgehalten, in dem es PCs gab. Er selbst sei jedoch nie dort gewesen, wenn Fabian an diesen Geräten gezockt habe. Der Junge berichtet, dass Fabian ihm erzählt habe, dass Matthias R. eine Frau geschlagen habe, er selbst habe den Mann jedoch nie getroffen. Auch von Gina H. oder einer „Ziehmutter“ habe er nie etwas gehört. Er wisse nur von einer Frau, die Pferde hat, von der er einmal erzählt habe, jedoch wisse er nicht, ob er sie mochte oder nicht.
Am Abend des 09. Oktober haben sie sich am Handy nur über das Zocken unterhalten.

Der Zeuge wird entlassen.

 

Zeuge 4 – Freund und Nachbar von Fabian

Der 11-jährige Junge wird ebenfalls über einen Bildschirm zugeschaltet. Er beschreibt Fabian als klein, dick, blond, abenteuerlustig und cool. Sie hätten gemeinsam draußen in seinem Garten oder auf dem Spielplatz gespielt und auf dem Handy Roblox gezockt. In anderen Gärten oder gar in der Gartensiedlung seien sie nie gewesen. In der Freundesliste dort gab es keine Fremden. Er berichtet, dass Fabian gern bei seinem Vater gewesen wäre, er jedoch nicht zu ihm gedurft hätte, weil es einen Streit gegeben habe. Irgendwann habe er den Kontakt zu ihm aber wieder aufgenommen.
Über die Freundin seines Vaters habe Fabian berichtet, dass er sie nicht so gut mit ihr verstehen würde. Der Junge sagt aus, dass Fabian niemals mit einem Fremden mitgegangen wäre.

Der Zeuge wird entlassen.

 

Zeuge 5 – Augenzeuge

Der Mann hat entweder am 09. oder am 10. Oktober ein auffällig orangefarbenes Auto in der Straße von Fabians Wohnung gesehen. Er erinnere sich so genau an das Fahrzeug, weil er sich darüber geärgert habe, dass es auf zwei Parklücken gleichzeitig stand. Das Datum ist ihm jedoch nicht mehr genau bewusst. Das Auto habe er vorher noch nie dort gesehen. Nachdem man dem Herrn ein Bild des Fahrzeugs von Gina H. vorlegt, identifiziert er es eindeutig anhand des auffälligen Auspuffs als das der Angeklagten.

Der Zeuge wird entlassen.

 

Abschluss

Die ursprünglichen 17 Verhandlungstage werden seitens der Strafkammer um 10 weitere Tage ergänzt.

 

(Quellen: Stern.de; Ostseewelle; t-online; NDR; Focus Online; Pressemitteilungen Landgericht Rostock)

Fabian: Prozesstag 3

Prozesstag 3 – 05.05.2026

 

Vorankündigung

Verteidiger Thomas Löcker eröffnet damit, dass der Zeuge ausfindig gemacht wird, der im Dezember 2025 die Polizei über einen Messerfund in einem Mülleimer bei Güstrow informierte. Laut Matthias R. wurde der Aussage des Zeugen seitens der Polizei nicht nachgekommen.

 

Fortsetzung der Aussage von Matthias R. – Fabians Vater

Matthias R. gibt an, dass er der Hauptverdiener in der Beziehung zu Gina H. war. Während er morgens um 6 zur Arbeit ging, habe sie sich um Haushalt und Pferde gekümmert. Über ihre psychische Erkrankung könne er jedoch nicht viel sagen. Man habe nicht groß darüber gesprochen und angemerkt habe er es ihr auch kaum. Im Jahr 2022 oder 2023 habe Gina bemerkt, dass sie schwanger sei. Sie habe das Kind im beidseitigen Einverständnis abgetrieben.

Gina H. sei eine eifrige Handynutzerin gewesen, die das Gerät nie ausgeschaltet habe. Von besonderer Wichtigkeit seien ihr ihre Pferde gewesen. Als eines der Tiere im Jahr 2024 starb, habe ihr das den Boden unter den Füßen weggerissen. Gina H. vergießt Tränen, als Matthias R. vom Tod ihres Pferdes Tiffy spricht.

Als Grund für die Trennung im August 2025 gibt Matthias R. an, mehr Zeit für sich gehabt haben zu wollen, da Gina sich vor allem dann vernachlässigt fühlte, wenn er seinen Hobbys nachging.
Im Folgenden werden zahlreiche Sprachnachrichten von Matthias R. abgespielt, in denen die Konflikte in der Beziehung deutlich werden. In diesen bezeichnet er Gina H. als kontrollierend und beschreibt, dass er nur arbeiten gehe, damit sie ihre Rechnungen bezahlen könne. Auf die Nachrichten reagiert er wie bereits zuvor und gibt an, diese Dinge nur aus Wut gesagt und nicht so gemeint zu haben. Er möchte keinen genauen Geldbetrag nennen, den er monatlich in die Finanzierung von Gina hat fließen lassen.

Auf Nachfrage berichtet Matthias R., dass Gina ihn dazu angehalten hat, den Streit mit Fabian hinzunehmen und nicht weiter zu versuchen, wieder in Kontakt mit seinem Sohn zu kommen. In einer weiteren Sprachnachricht nach der Trennung berichtet Matthias Gina, dass er sich nun wieder gut mit Fabian verstehe und dass ihr Verhältnis wieder wie VOR der Beziehung mit ihr sei. Er sei nicht bereit, Fabian oder seine Eltern für sie aufzugeben, immerhin sei auch sie bestimmt nicht dazu bereit, ihren Sohn, ihre Großeltern und ihre Pferde für ihn zurückzulassen. Auf die Nachfrage, wieso er gerade ein solches Gedankenspiel im Gespräch mit Gina H. anführte, weiß Matthias nicht zu beantworten.
Eine weitere Sprachnachricht belegt, dass Gina eifersüchtig darauf war, dass Matthias weiterhin Kontakt zu Fabians Mutter Dorina hatte. Ein Mann mit einem Kind käme deshalb für sie nicht mehr in Frage. Die Zeit ohne Fabian sei für sie wie der Himmel auf Erden gewesen. Nur sie, ihr Sohn J. und Matthias R.
Weitere Sprachnachrichten sind geprägt vom Auf und Ab der Gefühle. Beide Beteiligten schwanken zwischen Vorwürfen und Liebesbekundungen. Gina H. deutet neben suizidalen Absichten auch an, dass sie, um glücklich zu sein, nur Matthias R., ihre Pferde und ihren Hund brauche. Weder ihr eigener Sohn noch Fabian werden von ihr aufgezählt.
Wenige Tage vor Fabians Verschwinden sei man sich dann doch wieder nähergekommen und habe auch Sex gehabt.
Am 09. Oktober, dem Abend vor Fabians Verschwinden, gab es einen erneuten Streit. Der Grund war wieder einmal der Alkoholkonsum seitens Matthias R.

Den 10. Oktober verbrachte Matthias R. bei der Arbeit, wo er sich auch zur Zeit von Fabians Verschwinden aufhielt. Um 12:46 erhält er dort eine Sprachnachricht von Gina H., die ihm mitteilt, dass sie ihn wegen des Streits am Vorabend überall blockiert habe. Kurze Zeit später fand ein Telefonat zwischen den beiden statt von dem Matthias behaupte, den Inhalt nicht mehr zu wissen. Einige Stunden später gesteht Gina H. im schriftlich ihre Liebe und den Wunsch, die Beziehung wieder aufzunehmen und es gemeinsam zu schaffen.
Am Nachmittag erhält Matthias R. einen Anruf von Dorina L. die ihm mitteilt, dass Fabian nicht mehr da sei, konnte er ihr zwar nichts zu seinem Aufenthaltsort sagen, er war zu diesem Zeitpunkt aber auch noch nicht besorgt. Erst als Fabian auch am Abend des 10. Oktober nicht wieder aufgetaucht war, wurde er unruhig. Er möchte Gina seine Sorgen jedoch an diesem Abend noch nicht mitteilen, die beständig nachfragt, was bei ihm nicht stimme.

Es wird nun ein BKA-Gutachten vorgelegt, welches aus dem vollständigen Chatverkehr zwischen Matthias R. und Gina H. erstellt wurde. Es ergibt, dass Gina im Laufe der ganzen Beziehung nicht ein einziges Mal nach Matthias Wohlbefinden gefragt habe oder Nachrichten beantwortet habe, in denen er eindeutig berichtete, dass es ihm nicht gutgehe. Nur in diesem Fall habe sie plötzlich Interesse gezeigt.

Auf einem Überwachungsvideo, welches aus einer Hofeinfahrt in einer Entfernung von etwa 100 m von Fabians Wohnung aufgenommen wurde. Es zeigt einen orangefarbenen Pickup Truck, der in Richtung der Wohnung fährt und nach 10 Minuten wieder davonfährt. Das Nummernschild ist eindeutig als das von Gina H. zu identifizieren. Matthias R. ist sich nicht sicher, ob er das Auto kenne, lenkt nach einer Aufforderung jedoch ein, dass Gina zugegeben habe, an dem Tag in Güstrow Besorgungen gemacht zu haben. Da sie ihre Kontokarte vergessen habe, musste sie umkehren.

Auf einem Foto, das am 10. Oktober um 11:19 Uhr von Gina gemacht wurde, ist ihr Hund auf einem Waldweg zu erkennen. Der Waldweg ist nur knapp 1,5 km vom Leichenfundort entfernt. Eine Erklärung für diesen Umstand habe er von Gina H. nicht erhalten.

Matthias R. bestätigt dem Gericht, dass er an Ginas Unschuld glaubt. Auch auf die Hinweise des Richters, dass die Indizien die Angeklagte schwer belasten, hält Fabians Vater an ihrer Unschuld fest.

Nun geht es um Ginas Google-Suche am 10. Oktober. Hier beginnen die ersten Suchen nach der Polizei bereits um 15:11 Uhr. Zu dieser Zeit war Fabians Verschwinden noch nicht bemerkt worden. Ab 18:14 Uhr googelt sie aktuelle Polizeiinformationen sowie nach einer „Vermissten Person Güstrow“ um 19:22 Uhr. Zu dieser Zeit hatte Dorina L. die Polizei noch nicht informiert, zudem hatte Matthias die Information von Fabians Verschwinden bis dahin noch Gina vorenthalten.

Am 11. Oktober googelt Gina H. um 7:01 Uhr sowie um 7:02 Uhr „Fressen Wildschweine Menschen“ und „Fressen Wildschweine tote Menschen. Gina H. leugnete zunächst diese Suchanfragen getätigt zu haben und schob sie auf Matthias R., der noch Zugriff auf ihren Google Account habe.

 

Auf die Frage nach dem aktuellen Beziehungsstatus von Matthias R. und Gina H. gibt dieser zur Freude der Angeklagten an, dass sie ein Paar seien.

 

Oberstaatsanwalt Harald Nowack fragt Matthias R., ob er je befürchtet habe, dass die Angeklagte etwas mit Fabians Verschwinden zu tun habe, dies verneint er. Nowack weist ihn darauf hin, dass er diese Bedenken mehrfach im Vorfeld der Festnahme geäußert habe. Auch die Nachfrage, ob es weitere Streitigkeiten nach Fabians Verschwinden gab, verneint Matthias R., und auch dies kann der Oberstaatsanwalt anhand von Chatnachrichten widerlegen. In einer Nachricht wirf Gina H. Matthias R. vor, sich im Rahmen des Verschwindens zu oft bei Dorina aufzuhalten. Herr Nowack weist Matthias R. noch einmal darauf hin, dass er zur wahrheitsgemäßen Aussage verpflichtet sei. Auch weiteres Nachfragen bezüglich einer Aussage bei der Polizei, die Matthias R. getätigt habe und in der er berichtet habe, dass er Gina H. „alles zutraue“, antwortet dieser jedoch abermals, dass er sich nicht erinnere.

Im Rahmen der Nebenklage fragt Frau Christine Habetha, wer nun die Pflege der Pferde übernimmt und sich um Ginas Sohn kümmere. Die Pferde versorge Matthias R., Sohn J. sei in einer Pflegefamilie untergebracht. Frau Habetha spricht Matthias R. auf Ginas Aussage gegenüber einer Jugendamtsmitarbeiterin an, die sie nach Fabians Tod ihr gegenüber gemacht habe. Sie äußerte, dass sie nicht verstehe, warum ausgerechnet bei Fabian so ein Aufsehen gemacht werde, immerhin sterben und verschwinden täglich Kinder.

 

Verteidiger Thomas Löcker legt nun einige Kosten vor, die für den Unterhalt der Pferde monatlich zusammenkommen und fragt schließlich Matthias R., ob er davon ausgehe, dass Gina nur aus finanziellen mit ihm zusammen sei. Matthias R. beantwortet dies mit: „Das kann ich mir nicht vorstellen.“ Des Weiteren spricht er an, dass man bei einem gemeinsamen Ausflug im letzten Sommer graue Kleidung für die Kinder gekauft habe, was von Matthias R. bestätigt wird. Thomas Löcker gibt an, dass die Fasern im Auto auch von dieser Kleidung stammen könnten. Auf die Frage, ob Matthias R. gegenüber einer von Dorinas Freundinnen geäußert habe, dass er glaube, dass Gina in das Verschwinden seines Sohnes involviert sei, antwortet er, sich nicht erinnern zu können.
Matthias R. berichtet, dass Gina H. nicht dabei sein konnte, wenn er Enten schlachtete, sie habe den Anblick nicht ertragen. Auch ein Motiv für den Mord an Fabian könne er sich nicht vorstellen.

Nun geht der Richter auf eine Sprachnachricht ein, die Gina H. kurz nach dem Auffinden der Leiche Matthias R. geschickt habe, in der berichtet sie ihm nichts vom Fund seines toten Sohnes, sondern macht ihm Vorwürfe wegen vermeintlicher anderer Frauen. Matthias R. behauptet, sich dieses Verhalten nicht erklären zu können.

Die Trauerrede, die Matthias R. von Gina H. für Fabian gewünscht hat, hat sie nachweislich von ChatGPT schreiben lassen. Im Prompt beschreibt sie ihn als „ihren Sohn“.

Fabian: Prozesstag 2

Prozesstag 2 – 30. April 2026

Zeugin 1: Dorina L. – Fabians Mutter

Dorina L. wird von einem Notfallseelsorger bei diesem schweren Gang begleitet. Sie berichtet, dass sie Fabians Vater im Herbst 2015 auf einer Party kennengelernt habe. Am Anfang habe man eine liebevolle Beziehung geführt, Matthias R. habe sich jedoch zum Negativen verändert. Besonders sein regelmäßiger und übermäßiger Alkoholkonsum habe sie beunruhigt. Dabei sei er zwar ihr gegenüber nie körperlich gewalttätig geworden, habe jedoch Gegenstände zerschlagen und verbale Beleidigungen ausgesprochen. Gegenüber Fabian war er ein ebenso liebevoller wie strenger Vater. Aufgrund der nicht zu überbrückenden Differenzen erfolgte die Trennung im November 2018.
Im Jahr 2021 trat Gina H. in Fabians Leben auf. Er beschreibt sie als lieb und gibt an, sich gut mit ihr zu verstehen. Aufgrund des Urteils ihres Sohnes, habe Dorina L. sich überzeugen lassen, Gina zu akzeptieren. Der Junge besucht seinen Vater und seine neue Freundin häufig. Im Alter von 6 Jahren, im Jahr 2023, berichtet er jedoch, dass er nicht mehr zu seinem Vater möchte. Auf Nachfrage gab der Junge an, dass er beobachtet habe, dass Mattias R. gegen Gina H. gewalttätig wurde. Nachdem Dorina ihn zur Rede gestellt hat und das Gespräch fruchtlos verlaufen ist, habe sie den Kontakt zwischen Fabian und seinem Vater nicht weiter unterstützt. Fabian hält jedoch den Kontakt zu Gina, da er mit ihrem Sohn J. befreundet ist. Man trifft sich häufiger auf Ginas Gehöft, jedoch nur dann, wenn Matthias R. arbeiten ist.
Dorina beschreibt ihren einzigen Sohn als liebevoll, gutmütig, freundlich und vor allem zuverlässig. Es habe eine feste Regel gegeben, dass er, sollte er allein zu Hause sein, die Tür niemandem öffnen dürfe. Das habe man sogar gemeinsam geübt, indem Fabian zu Hause blieb und eine Freundin der Mutter an die Tür klopfte. Wenn er sich einmal verspätete, habe er der Mutter immer Bescheid gegeben.
Am 09. Oktober 2025 musste Dorina ihren Sohn aus der Schule abholen, da er unter starkem Nasenbluten litt. Als es ihm nachmittags wieder besser geht, sei er noch mal mit dem Fahrrad in den örtlichen Jugendraum gefahren. Am Morgen des 10. Oktober habe Fabian sich nicht wohlgefühlt und sei deshalb nicht in die Schule gegangen. Man hätte an diesem Nachmittag noch gemeinsam Fußballschuhe kaufen wollen. Am nächsten Tag hätte ein Wochenend-Aufenthalt bei Matthias R. angestanden. Fabians Fahrrad, mit dem er sich überall hin fortbewegte, stand gut einsehbar auf der Straße und war somit ein Hinweis darauf, dass der Junge anwesend war. Dorina habe sich von ihrem Sohn versichern lassen, die Wohnung nicht zu verlassen, während sie sich auf der Arbeit befand. Als sie ihn zum letzten Mal sah, trug Fabian einen grauen Pullover.
Um 15:15 Uhr habe Dorina ihre Arbeitsstelle verlassen und sei nach dem 10-minütigen Fußweg gegen 15:25 Uhr zu Hause angekommen. Fabian habe sie nicht in der Wohnung vorgefunden. Daraufhin rief sie Eltern seiner Freunde sowie im Jugendraum an, doch niemand konnte etwas über Fabians Verbleib berichten. Als Fabian auch zur sonst üblichen Uhrzeit nicht zurück ist, alarmiert sie um 20:00 Uhr die Polizei. Am 11. Oktober wird sie von Gina H. kontaktiert. Diese berichtet ihr, dass die Kripo mit ihr gesprochen habe und dass ihr leid tue, was passiert sei. Gina und Fabian haben auch nach der Trennung von Matthias R. noch in Kontakt gestanden, da eine Freundschaft zwischen ihm und Ginas Sohn bestand.
Am 14. Oktober sei Dorina L. von einer Polizeibeamtin über den Leichenfund sowie die Tatsache informiert worden, dass es sich mit einer 99,9 prozentigen Wahrscheinlichkeit um Fabian handele.
Nach dem Tod des gemeinsamen Sohnes habe sie den Kontakt zu Matthias R. völlig abgebrochen, da sie nicht nachvollziehen könne, dass er weiterhin mit Gina H. im Kontakt stehe.

Dorina L. wird mit diversen Chat-, Sprach- und Videonachrichten konfrontiert.

  • Eine Videoaufzeichnung , bei der Gina H. bei einem Besuch von Matthias R. in der JVA behauptet, dass Fabian von Dorina erpresst worden sei, um den Kontakt zu seinem Vater wieder aufzunehmen erntet bei Dorina L. Unverständnis.
  • In einer Nachricht vom 05. September soll Matthias R. gegenüber Dorina behauptet haben, sich endlich von Gina getrennt zu haben, die über sein Leben bestimmt und ihn manipuliert habe.
  • In einer Sprachnachricht an ihre Frisörin behauptet Gina H., dass Fabian regelmäßig von zu Hause weggelaufen sei. Zudem behauptet Gina H. dass Fabian seine Gründe habt habe, von zu Hause weggegangen zu sein und sie hoffe, dass er mit niemandem mitgegangen wäre. Dorina L. gibt an, dass Fabian noch nie von zu Hause weggelaufen sei.

 

Zeuge 2: Matthias R. – Fabians Vater (Spitzname Adi)

Matthias R. berichtet, dass Fabian für ihn ein Wunschkind gewesen sei. Die Beziehung zu Dorina sei am Anfang sehr schön gewesen, die Trennung hingegen sei für ihn sehr abrupt gekommen. Er habe nie den Eindruck gehabt, ein Alkoholproblem zu haben.
Fabians Verhältnis zu Gina sei wie das zu einer Mutter gewesen. Er habe sie auch öfter mal „Mama“ genannt. Das Verhältnis von Ginas Sohn und Fabian sei großartig gewesen, die beiden haben sich wie Brüder verstanden und seien unzertrennlich gewesen. Auch Ginas Großeltern habe er mit „Oma“ und „Opa“ angeredet.
Laut Matthias R. sei Fabian öfter einmal vom Grundstück weggelaufen, sei jedoch nie über mehrere Tage hinweg verschwunden gewesen. Er gibt zu, dass Fabian einen handgreiflichen Streit zwischen ihm und Gina beobachtet habe, woraufhin der Kontaktabbruch begonnen habe.
Im Jahr 2025 sei von Fabians Großeltern eine erneute Annäherung zwischen Fabian und Matthias R. initiiert worden. Nach zwei Jahren des Kontaktabbruchs habe Matthias R. seinen Sohn erst einmal wieder neu kennenlernen müssen. Er habe sich jedoch gefreut, dass man sich wieder annäherte.
Matthias R. sagt aus, dass er inzwischen sehr enttäuscht von der Polizeiarbeit sei, die bestimmten Hinweisen nicht nachgegangen sei, wie z.B. der telefonischen Meldung eines Zeugen, der ein Messer in einem Mülleimer bei Güstrow gefunden habe. Zudem habe er vom Tod seines Sohnes aus den Medien erfahren.
Matthias R. könne sich niemanden vorstellen, der von Fabians Tod profitieren würde oder von Ginas Festnahme. Er bestätigt den Inhalt der Nachricht, in der er Gina als manipulativ bezeichnet habe, gibt jedoch an, so kurz nach der Trennung diese Worte lediglich aus Wut gesprochen zu haben. Er lobt die Beziehung zur Angeklagten, gibt jedoch zu, dass sie eifersüchtig war, was jedoch für viele Frauen normal sei. Getrennt habe er sich nur, weil er sich ein wenig mehr Zeit für sich gewünscht hätte. Ein Freund von ihm habe ausgesagt, dass Gina sehr kontrollierend und eifersüchtig war, sodass er sie sogar während seiner Mittagspause per Videocall anrufen musste, um zu beweisen, dass keine andere Frau bei ihm sei. Matthias R. streitet dies ab und behauptet, dass dieser Freund wohl Gina H. nicht ausstehen könne. Eine weitere Zeugin, die bei der Polizei ausgesagt habe, Matthias hätte ihr gegenüber behauptet, dass Gina eine Spy-Software auf ihrem Handy installiert habe, streitet er ebenfalls ab. Zudem widerruft Matthias R. eine Aussage bei der Polizei im November 2025, bei der er noch behauptet habe, dass Gina eine Nachricht in seinem Namen an seine Ex-Schwiegereltern habe. Er habe inzwischen seine Meinung nach einem gemeinsamen Gespräch geändert.

Matthias R. wird mit diversen Chat-, Sprach- und Videonachrichten konfrontiert.

  • In einer vorgespielten Sprachnachricht, die Dorina von Gina erhielt, sagt letztere, dass die Kinder sich bei Streitigkeiten schützend vor sie und „Adi“ stellen würden.
  • In einer weiteren Chatnachricht von Gina an Dorina behauptet die Angeklagte, dass Matthias R. ihr einen Arm und auch beinahe mehrere Rippen gebrochen habe. Matthias R. kann sich diese Vorwürfe nicht erklären.

Die Befragung von Matthias R. wird am 3. Prozesstag fortgesetzt.

 

(Quellen: Stern.de; Ostseewelle; t-online; NDR; Focus Online; Pressemitteilungen Landgericht Rostock)

Fabian: Prozesstag 1

Prozesstag 1 – 28. April 2026

Anklageschrift

Bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung gilt die Unschuldsvermutung.

Der vorsitzende Richter ist Holger Schütt. Die Staatsanwaltschaft wird von Harald Nowack und Oliver Schley vertreten. Dorina L. tritt mit ihrer Anwältin Christine Habetha in der Nebenklage auf. Gina H. wird vor Gericht von Andreas Ohm und Thomas Löcker vertreten.

Der Prozess gegen Gina H. beginnt am 28. April 2026. Die Staatsanwaltschaft verliest die 63 Seiten umfassende Anklageschrift gegen die 30-Jährige. Ihr wird vorgeworfen, den achtjährigen Fabian am 10. Oktober 2025 gegen 10:43 Uhr unter einem Vorwand und in Tötungsabsicht aus seiner Wohnung gelockt zu haben. Fabian, der krankheitsbedingt zu Hause war und die Angeklagte bereits seit Jahren als die Freundin seines Vaters kannte und ihr vertraute, begleitete sie sorg- und arglos.  In ihrem Fahrzeug, einem orangefarbenen Ford Ranger, fuhr Gina H. gemeinsam mit Fabian in den Wald. Dort schaltet sie um 11:22 Uhr ihr Handy aus. Danach fährt sie mit ihm an den abgelegenen und schlecht einsehbaren Tümpel in Klein Upahl. Dort griff sie ihn unerwartet an und tötete ihn mit sechs Messerstichen, von denen zwei direkt ins Herz gingen. Die Klingenlänge wird auf mindestens 10 cm geschätzt. Die Staatsanwaltschaft führt an, dass Gina H. die Leiche des Jungen schließlich mit einem Grillanzünder übergoss und anzündete, um Spuren zu verwischen. Nach der Tat fuhr sie nach Klein Upahl und schaltete ihr Handy um 12:43 Uhr wieder ein. Da der Junge nicht mit dem Angriff rechtnete, sieht die Staatsanwaltschaft das Mordmerkmal „Heimtücke“ als erfüllt an.
Als Motiv nennt die Staatsanwaltschaft die Trennung von Fabians Vater Matthias R. nach einer vierjährigen Beziehung. Diese lag nur wenige Wochen zurück. Matthias R. war Hauptverdiener in der Beziehung und sorgte für Ginas Lebensunterhalt. Er ermöglichte der Empfängerin von Erwerbsunfähigkeitsrente ihren kostspieligen Lebensstil mit fünf Pferden. Fabian brach den Kontakt zu seinem Vater ab, nachdem er eine körperliche Auseinandersetzung zwischen ihm und Gina H. beobachtet hatte. Nach der Trennung näherten sich Fabian und sein Vater wieder an. Als Gina H. erneuten Kontakt zu Matthias R. aufnahm, um die Beziehung eventuell retten zu können, lehnte dieser den Kontakt unter anderem aus dem Grund ab, da er das sich langsam bessernde Verhältnis zu Fabian nicht gefährden wollte. Dies belegt eine Chatnachricht vom 09.10.2025. Dies bestätigt für die Staatsanwaltschaft die „niederen Beweggründe“.

Die Angeklagte lässt verlauten, dass sie sich nicht zu den Vorwürfen äußern wird.

Wer ist Gina H.?

Die 30-jährige Pferdenärrin Gina H. wuchs bei ihren Großeltern auf. Ihren leiblichen Vater sah sie nur selten, ihre Mutter soll drogenabhängig gewesen sein. Sie hat zudem noch eine Schwester. Bereits in jungen Jahren litt sie unter psychischen Problemen. Gegenüber Menschen kann sie sich nicht gut öffnen, nur Tiere vermitteln ihr Sicherheit und Liebe. Sie lernt jedoch ihre weiblichen Reize gekonnt einzusetzen, um Männer für ihre Zwecke zu gewinnen. Dabei geht sie völlig offen mit ihrer Sexualität und ihrem Wunsch nach Geld um. Beides wird ihnen von den Männern bereitwillig erfüllt. Kleinere Diebstähle prägen ihren Lebenslauf, es weist jedoch wenig auf Gewaltbereitschaft hin. Der mitunter beobachtet, grobe Umgang mit ihren Pferden wird lediglich von Laien beschrieben. Menschen, die aktiv mit Pferden arbeiten, bezeichnen ihre Verhalten gegenüber ihren Tieren als liebevoll und artgerecht. Sie ist Mutter eines Sohnes aus einer früheren Beziehung. Als sie mit der Erziehung an ihre Grenzen stößt, ist sie reflektiert genug, um sich professionelle Hilfe in einer sozialen Einrichtung zu suchen. Zudem begibt sie sich ab dem Jahr 2017 auch wegen ihrer psychischen Probleme in therapeutische Behandlung. Hier wird ihr eine Persönlichkeitsstörung mit Borderline-Symptomen attestiert. Zudem leide sie unter sozialer Phobie und instabilen Emotionen. Ihr Therapeut sieht die Störungen als nicht ausgeprägt genug, um einen dringenden Klinikaufenthalt anzuordnen, Gina H. ist jedoch aufgrund dessen nicht erwerbsfähig und bezieht eine kleine Rente. Mit ihrer Beziehung zu Matthias R. kommt bald etwas mehr Stabilität in ihr Leben. Ihr Therapeut berichtet, dass sie Fabian stets positiv und liebevoll in den Sitzungen erwähnte. Mit der Zeit entwickelt sie jedoch eine finanzielle wie emotionale Abhängigkeit zu Matthias.  Das Paar streitet sich ständig, versöhnt sich jedoch auch schnell wieder. Man kann weder mit noch ohneeinander. Matthias leistet viele Überstunden, um das kostspielige Hobby seiner Freundin zu finanzieren. Nach dem Tod von Ginas Lieblingspferd sieht sie sich einer besonders großen, psychischen Belastung ausgesetzt, die zu weiteren Konflikten führt. Als Matthias den Belastungen nicht mehr standhalten kann, trennt er sich im August 2025 von Gina. Für sie bricht eine Welt zusammen. Nachdem sie ihre größte Stütze verloren hat, nehmen ihre psychischen Probleme überhand, was sie auch offen auf ihrem Instagram-Profil kundtut.

 

(Quellen: Stern.de; Ostseewelle; t-online; NDR, Focus online; Pressemitteilungen Landgericht Rostock)

Mord an Fabian aus Güstrow

Der Fall Fabian – Die Vorgeschichte

Einleitung

Am 10. Oktober 2025 verschwindet der achtjährige Fabian aus Güstrow spurlos. Vier Tage später wird seine teilweise verbrannte Leiche an einem abgelegenen Gewässer nahe Klein Upahl im Landkreis Rostock gefunden. Was als Vermisstenfall beginnt, entwickelt sich innerhalb weniger Wochen zu einem intensiven Mordverfahren.

Im Mittelpunkt der Ermittlungen steht kurze Zeit später die 30-jährige Gina H., die bis kurz vor dem Verschwinden mit Fabians Vater Matthias R. eine Beziehung geführt hatte. Die Staatsanwaltschaft wirft ihr vor, den Jungen ermordet zu haben. Als Motiv werden niedere Beweggründe angenommen. Fabian soll der Beziehung zu ihr und Matthias R. im Weg gestanden haben. Seit dem 28. April 2026 muss sich Gina H. vor dem Landgericht Rostock verantworten. Die Angeklagte vermeldete eine Einlassung zur Tat am 24. August. Bis zu einem rechtskräftigen Urteil gilt die Unschuldsvermutung.

Fabian

Der achtjährige Fabian lebte überwiegend bei seiner Mutter Davina L. in Güstrow. Sie lebt vom Kindsvater getrennt. Nach den Aussagen von Fabians Eltern galt dieser als freundlicher, hilfsbereiter und offener Junge.

Zum Zeitpunkt seines Verschwindens war Fabian allein zu Hause. Davina L. befand sich auf der Arbeit. Diese Situation spielte nach Auffassung der Staatsanwaltschaft später eine entscheidende Rolle.

Der 10. Oktober 2025

Nach den bisherigen Ermittlungen nutzte Fabian sein Mobiltelefon an jenem Vormittag mehrfach. Gegen 10:50 Uhr wurde das Handy nach den Auswertungen der Ermittler letztmals aktiv benutzt. Danach verliert sich Fabians Spur.

Als seine Mutter am Nachmittag nach Hause zurückkehrte, war ihr Sohn verschwunden. Kurz darauf begann eine groß angelegte Suchaktion.

Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienste und zahlreiche freiwillige Helfer beteiligten sich an der Aktion. Auch Suchhunde, Drohnen und Hubschrauber kamen zum Einsatz. Der Fall bewegte innerhalb weniger Stunden Menschen weit über Mecklenburg-Vorpommern hinaus. Fabians Mutter Davina konsultiert einen Privatdetektiv, der bei der Suche helfen soll.

Vier Tage der Ungewissheit

Während der Suche gingen bei der Polizei zahlreiche Hinweise ein. Die Beamten ermittelten in alle Richtungen, um Fabian zu finden und seine letzten Schritte zu rekonstruieren.

Die Ermittler überprüften Zeugenaussagen, sichteten Überwachungskameras und werteten digitale Spuren aus. Gleichzeitig hofften Familie, Freunde und die Öffentlichkeit, Fabian lebend zu finden.

Die Polizei schloss zu diesem Zeitpunkt nicht aus, dass der Junge Opfer einer Straftat geworden sein könnte. Dementsprechend richtete man den Fokus sowohl auf ein mögliches Verbrechen als auch auf die weitläufige Suchaktion.

Der Leichenfund am 14. Oktober 2025

Am 14. Oktober 2025 informiert Gina H. die Polizei, dass sie beim Spaziergang mit einer Freundin und ihren beiden Hunden am Tümpel bei Klein Upahl Fabians Leichte entdeckt habe. Der Fundort liegt rund 15 Kilometer von Güstrow entfernt. Die Leiche des Jungen war durch Verwesung und Tierfraß bereits in Mitleidenschaft gezogen worden. Nach ersten Ermittlungen war der Körper teilweise verbrannt worden. Die spätere Obduktion ergab, dass Fabian an sechs Messerstichen starb von denen zwei direkt ins Herz gingen; das Feuer wurde nach seinem Tod gelegt. Vermutlich wurde ein Brandbeschleuniger verwendet.

Die Sonderkommission

Nach dem Leichenfund richtete die Polizei eine Mordkommission deren Ermittlungen sich zu einem der umfangreichsten Prozess in der Geschichte der Region entwickelten.
Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wurden:

  • mehr als 1.000 Spuren ausgewertet,
  • über 60 Zeugen vernommen,
  • zahlreiche Datenträger, Mobiltelefone und Fahrzeuge untersucht,
  • umfangreiche rechtsmedizinische, kriminaltechnische und digitale Gutachten eingeholt.

Die Ermittlungen dauerten mehrere Monate an.

Die Festnahme

Im November 2025 nahmen Ermittler die 30-jährige Gina H. aus dem Landkreis Rostock fest, die schnell in den Fokus der Ermittlungen geraten war. Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft ergab sich aus der Gesamtheit der Indizien ein dringender Tatverdacht. Das Amtsgericht erließ daraufhin Haftbefehl wegen Mordverdachts.

Die Beschuldigte befindet sich seitdem in Untersuchungshaft. Mehrere Anträge ihrer Verteidigung auf Haftprüfung blieben ohne Erfolg.

Die Anklage

Am 9. März 2026 erhob die Staatsanwaltschaft Rostock Anklage wegen Mordes.

Nach ihrer Darstellung soll die Angeklagte Fabian am 10. Oktober 2025 unter einem Vorwand aus der Wohnung gelockt haben. Anschließend soll sie mit ihm zu einem abgelegenen Tümpel bei Klein Upahl gefahren sein und ihn dort mit sechs Messerstichen getötet haben. Danach soll sie versucht haben, die Leiche anzuzünden, um Spuren zu beseitigen.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die Tat heimtückisch und aus niedrigen Beweggründen begangen wurde. Als mögliches Motiv nennt sie unter anderem die konfliktreiche Beziehung zum Vater des Jungen. Diese Vorwürfe sind Gegenstand des laufenden Prozesses und bislang nicht rechtskräftig festgestellt. (Stand 03.08.2026)