Prozesstag 1 – 28. April 2026
Anklageschrift
Bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung gilt die Unschuldsvermutung.
Der vorsitzende Richter ist Holger Schütt. Die Staatsanwaltschaft wird von Harald Nowack und Oliver Schley vertreten. Davina L. tritt mit ihrer Anwältin Christine Habetha in der Nebenklage auf. Gina H. wird vor Gericht von Andreas Ohm und Thomas Löcker vertreten.
Der Prozess gegen Gina H. beginnt am 28. April 2026. Die Staatsanwaltschaft verliest die 63 Seiten umfassende Anklageschrift gegen die 30-Jährige. Ihr wird vorgeworfen, den achtjährigen Fabian am 10. Oktober 2025 gegen 10:43 Uhr unter einem Vorwand und in Tötungsabsicht aus seiner Wohnung gelockt zu haben. Fabian, der krankheitsbedingt zu Hause war und die Angeklagte bereits seit Jahren als die Freundin seines Vaters kannte und ihr vertraute, begleitete sie sorg- und arglos. In ihrem Fahrzeug, einem orangefarbenen Ford Ranger, fuhr Gina H. gemeinsam mit Fabian in den Wald. Dort schaltet sie um 11:22 Uhr ihr Handy aus. Danach fährt sie mit ihm an den abgelegenen und schlecht einsehbaren Tümpel in Klein Upahl. Dort griff sie ihn unerwartet an und tötete ihn mit sechs Messerstichen, von denen zwei direkt ins Herz gingen. Die Klingenlänge wird auf mindestens 10 cm geschätzt. Die Staatsanwaltschaft führt an, dass Gina H. die Leiche des Jungen schließlich mit einem Grillanzünder übergoss und anzündete, um Spuren zu verwischen. Nach der Tat fuhr sie nach Klein Upahl und schaltete ihr Handy um 12:43 Uhr wieder ein. Da der Junge nicht mit dem Angriff rechtnete, sieht die Staatsanwaltschaft das Mordmerkmal „Heimtücke“ als erfüllt an.
Als Motiv nennt die Staatsanwaltschaft die Trennung von Fabians Vater Matthias R. nach einer vierjährigen Beziehung. Diese lag nur wenige Wochen zurück. Matthias R. war Hauptverdiener in der Beziehung und sorgte für Ginas Lebensunterhalt. Er ermöglichte der Empfängerin von Erwerbsunfähigkeitsrente ihren kostspieligen Lebensstil mit fünf Pferden. Fabian brach den Kontakt zu seinem Vater ab, nachdem er eine körperliche Auseinandersetzung zwischen ihm und Gina H. beobachtet hatte. Nach der Trennung näherten sich Fabian und sein Vater wieder an. Als Gina H. erneuten Kontakt zu Matthias R. aufnahm, um die Beziehung eventuell retten zu können, lehnte dieser den Kontakt unter anderem aus dem Grund ab, da er das sich langsam bessernde Verhältnis zu Fabian nicht gefährden wollte. Dies belegt eine Chatnachricht vom 09.10.2025. Dies bestätigt für die Staatsanwaltschaft die „niederen Beweggründe“.
Die Angeklagte lässt verlauten, dass sie sich nicht zu den Vorwürfen äußern wird.
Wer ist Gina H.?
Die 30-jährige Pferdenärrin Gina H. wuchs bei ihren Großeltern auf. Ihren leiblichen Vater sah sie nur selten, ihre Mutter soll drogenabhängig gewesen sein. Sie hat zudem noch eine Schwester. Bereits in jungen Jahren litt sie unter psychischen Problemen. Gegenüber Menschen kann sie sich nicht gut öffnen, nur Tiere vermitteln ihr Sicherheit und Liebe. Sie lernt jedoch ihre weiblichen Reize gekonnt einzusetzen, um Männer für ihre Zwecke zu gewinnen. Dabei geht sie völlig offen mit ihrer Sexualität und ihrem Wunsch nach Geld um. Beides wird ihnen von den Männern bereitwillig erfüllt. Kleinere Diebstähle prägen ihren Lebenslauf, es weist jedoch wenig auf Gewaltbereitschaft hin. Der mitunter beobachtet, grobe Umgang mit ihren Pferden wird lediglich von Laien beschrieben. Menschen, die aktiv mit Pferden arbeiten, bezeichnen ihre Verhalten gegenüber ihren Tieren als liebevoll und artgerecht. Sie ist Mutter eines Sohnes aus einer früheren Beziehung. Als sie mit der Erziehung an ihre Grenzen stößt, ist sie reflektiert genug, um sich professionelle Hilfe in einer sozialen Einrichtung zu suchen. Zudem begibt sie sich ab dem Jahr 2017 auch wegen ihrer psychischen Probleme in therapeutische Behandlung. Hier wird ihr eine Persönlichkeitsstörung mit Borderline-Symptomen attestiert. Zudem leide sie unter sozialer Phobie und instabilen Emotionen. Ihr Therapeut sieht die Störungen als nicht ausgeprägt genug, um einen dringenden Klinikaufenthalt anzuordnen, Gina H. ist jedoch aufgrund dessen nicht erwerbsfähig und bezieht eine kleine Rente. Mit ihrer Beziehung zu Matthias R. kommt bald etwas mehr Stabilität in ihr Leben. Ihr Therapeut berichtet, dass sie Fabian stets positiv und liebevoll in den Sitzungen erwähnte. Mit der Zeit entwickelt sie jedoch eine finanzielle wie emotionale Abhängigkeit zu Matthias. Das Paar streitet sich ständig, versöhnt sich jedoch auch schnell wieder. Man kann weder mit noch ohneeinander. Matthias leistet viele Überstunden, um das kostspielige Hobby seiner Freundin zu finanzieren. Nach dem Tod von Ginas Lieblingspferd sieht sie sich einer besonders großen, psychischen Belastung ausgesetzt, die zu weiteren Konflikten führt. Als Matthias den Belastungen nicht mehr standhalten kann, trennt er sich im August 2025 von Gina. Für sie bricht eine Welt zusammen. Nachdem sie ihre größte Stütze verloren hat, nehmen ihre psychischen Probleme überhand, was sie auch offen auf ihrem Instagram-Profil kundtut.
(Quellen: Stern.de; Ostseewelle; t-online; NDR, Focus online; Pressemitteilungen Landgericht Rostock)

