Prozesstag 28 – 15. 09.2026
Vorbemerkungen
Die Verteidigung stellt zwei weitere Beweisanträge. Zum Einen soll der Vater des Jungen vor Gericht aussagen, der letzte Woche als Zeuge geladen war. Der Junge hatte angegeben, Fabian am Freitag, den 10. Oktober noch gesehen zu haben und dies auch so gegenüber seinem Vater erwähnt zu haben. Zum anderen wünscht die Verteidigung einen Sachverständigen für digitale Forensik, der die Bewegungsdaten der beides Handys von Jäger Christian D. untersucht. Hier fehlen nach wie vor die genauen Informationen darüber, wie lange das Treffen am 13. Oktober zwischen ihm und Gina H. dauerte. Die Verteidigung erhofft, diese Frage auf diese Weise klären zu können. Die Verteidigung zweifelt die Auswertung vom vorherigen Verhandlungstag an, da diese zwar mit demselben Handy, aber mit anderen Telefonanbietern gemacht wurde. Es soll daher ein Gutachter mit mehr Erfahrung noch einmal herangezogen werden.
Heute dürfen auch Staatsanwaltschaft und Nebenklage Gina H. Fragen stellen.
Befragung von Gina H.
Aus einem Telefonat von Matthias R. und seinem Bruder vom 12.11.2025 (nach Gina H.s Verhaftung) geht hervor, dass Gina H.s Großeltern ihm gegenüber behaupteten, Gina H. sei am Tag von Fabians Verschwinden den ganzen Tag zu Hause in Reimershagen gewesen. Der Richter möchte nun wissen, was es mit dieser Information auf sich habe. Gina H. sagt, dass dies womöglich eine Fehlaussage ihrer Großmutter aufgrund ihrer Demenz gewesen sei.
Zudem hatte Gina H. ausgesagt, die Bankgeschäfte ihrer Großeltern an diesem Morgen in Güstrow erledigen zu wollen, unter anderem habe sie einen Betrag von 1500 EUR abheben wollen. Da sie die Bankkarte nicht mit sich geführt habe, habe sie das Geld an einem der nächsten Tage abgehoben. Auf dem Bankkonto sind jedoch vom 09. Oktober bis zum 14. Oktober keine Umsätze vorhanden. Gina H. erklärt dies so, dass sie das Geld zu einem späteren Zeitpunkt geholt haben müsse.
Auf die Frage, warum sie Fabian ausgerechnet auf einem Feld bei Klein Upahl suchen wolle, antwortet die Angeklagte, dass dies keinen besonderen Grund hatte, Matthias R. habe ihr gegenüber Klein Upahl aber vorher schon einmal erwähnt, auch in dem TikTok Video sei der Ort gefallen (s. Prozesstag 24). Am Abend des 13. Oktober habe Christian D. darüber entschieden, welcher Weg an dem Abend genommen werden solle. Gina H. sagt aus, dass dieser bei seiner Aussage gelogen habe, als er behauptete, dass sie ihn geführt habe, sie sei nachtblind und könne im Dunkeln nichts sehen. An einem nahegelegenen Hochsitz habe der Jäger zunächst mit einer Taschenlampe die Umgebung ausgeleuchtet, dies habe er getan, da Gina H. Angst vor Wildschweinen habe, da sie ihren Hund dabei hatte. Man habe durch das Nachtsichtgerät Tiere beobachtet. Dann habe Christian D. gesagt, dass dort etwas liege, was wie eine verbrannte Puppe aussehe, kurz darauf habe er panisch darauf gedrängt, den Ort zu verlassen. Da Christian D. schon einmal bei einem Verkehrsunfall eine verbrannte Leiche gesehen habe, konnte er den Zusammenhang herstellen. Die Angeklagte habe zu diesem Zeitpunkt bereits geahnt, dass es sich um Fabians Leiche handele, wollte es jedoch laut eigenen Angaben nicht wahrhaben. Christian D. habe ihr gesagt, die Polizei nicht rufen zu dürfen, da er sonst seine Jagdlizenz verlieren würde. Sie habe die Polizei nicht gerufen, da sie sich mit der Situation völlig überfordert sah und ihm geglaubt habe, dies tue sie heute nicht mehr. Der Richter befragt sie nun dazu, dass sie noch kurz vorher einem Bekannten geschrieben habe, dass Wasser- sowie Brandleichen keine DNA-Spuren aufweisen und man somit nie erfahren würde, wer der Mörder sei. Kurze Zeit später habe sie dann selbst eine Brandleiche gefunden. Gina H. hält dies für einen Zufall.
Danach habe sie Olaf K. von dem Fund berichtet, der vorgeschlagen habe, noch einmal gemeinsam hinzufahren. Man sei durch Klein Upahl gefahren, um zum Tümpel zu kommen. Olaf K. hatte ausgesagt, man sei nicht durch Klein Upahl gefahren, sondern durch den angrenzenden Wald. Dies bestätigen auch Videoaufnahmen aus der Nacht.
Auch als sie mit Olaf K. am Tümpel war und schließlich Fabians Gesicht im Schein der Taschenlampe erkannt habe, wollte sie die Polizei nicht rufen. Sie sei in Tränen ausgebrochen doch Olaf K. habe ihr nur gesagt, dass sie die „Schnauze halten“ solle. Auch hier erklärt Gina H. den Umstand mit Überforderung. Olaf K. habe noch einige Minuten bei der Leiche gestanden, sie angeschaut und schließlich gesagt, dass es aussehe, als seien bereits Tiere an dem toten Körper gewesen. Er habe ihr dann verboten, sowohl die Polizei als auch Matthias R. anzurufen.
Gina H. bestätigt, dass sie Matthias R. gegenüber zunächst etwas Falsches erzählt habe, was ihren Aufenthaltsort am Tag des 10. Oktober angehe. Erst später habe sie zugegeben, in Güstrow gewesen zu sein, gab Matthias R. gegenüber jedoch an, mit Olaf K. dort gewesen zu sein. Dies war jedoch keine bewusste Lüge, da sie sich erst wieder daran erinnern konnte, bei der Bank gewesen zu sein, als das Überwachungsvideo auftauchte, das ihren Wagen in Güstrow zeigte.
Sie habe somit entschieden, am nächsten Tag Heike M. mit in die Sache mit einzubeziehen. Diese habe dann die Idee mit den Hunden gehabt. Dass dies Gina H.s Idee gewesen sei, sei „Schwachsinn“.
Warum Olaf K. ihr für den 10. Oktober 2025 ein falsches Alibi geben sollte, kann sie nicht beantworten.
Nun stellt die Staatsanwaltschaft ihre Fragen.
Einer der Schöffen möchte wissen, wie Gina H. ihren Sohn J. im Winter zur Schule fahre, wo sie doch nachtblind sei. Sie antwortet, dass ihr Auto Licht habe. Nachdem der Schöffe erwähnt, dass das Auto von Jäger Christian D. auch Licht habe, gibt es Gelächter im Saal, eine befriedigende Antwort bleibt jedoch aus.
Bei der Polizei hatte Gina H. angegeben, am 10. Oktober mit ihrem Hund und ihrem „Lütten“ spazieren gewesen zu sein. Hier habe sie sich geirrt, da ihr Sohn zu dieser Zeit in der Schule war. Fabian habe sie nie als „Lütten“ bezeichnen, sondern nur als Fabi oder Fabian.
Die Staatsanwaltschaft wundert sich nun, dass die Zeugen Christian D., Olaf K. und Heike M. im Wesentlichen das gleiche ausgesagt hätten, Gina H. jedoch behaupte, dass sie lügen. Ob es sich hierbei um eine Absprache handeln könne. Gina H. kann dies nicht beantworten. Staatsanwalt Nowack fragt nun, warum Gina H. bei der Polizei sagte, dass sie „auf das Leben ihres Sohnes“ schwören würde, die Wahrheit zu sagen, dies nachweislich jedoch nicht der Fall sei. Gina H. lehnt die Beantwortung der Frage ab.
Die Fragen der Nebenklage will Gina H. zunächst nicht beantworten, da sie Angst davor habe, vorgeführt zu werden, sie lässt diese jedoch nach einem Gespräch mit ihren Verteidigern zu.
Christine Habetha will wissen, warum Gina H. trauerte, als eine Mitgefangene vor Kurzem aus der JVA entlassen wurde, dies sei doch ein Grund zum Feiern. Gina H. antwortet, dass sie eine enge Verbindung zu der Frau aufgebaut hatte. Die in der JVA angebotenen Medikamente zur Beruhigung habe Gina H. bewusst abgelehnt, da sie nichts von Tabletten halte und auch nicht ruhig gestellt werden wolle. Eine Nachfrage nach dem gestohlenen Sattel (s. Zeuge 8, Prozesstag 16) wird von der Verteidigung entschieden zurückgewiesen, da diese als Bloßstellung empfunden wird. Christine Habetha fragt, warum Olaf K. im Internet suchen sollte, welches Land bei einem Haftbefehl nicht nach Deutschland ausliefern würde. Dies bezeichnet Gina H. als Witze machen.
Dorina L. fragt Gina H., warum Fabian gehen musste. Gina H. antwortet, dass sie ihm nichts getan habe.
Abschließend berichtet Gina H., dass ihre psychischen Probleme ihr das Leben erschweren und dass viele das einfach nicht verstehen könnten.
Die Befragung ist beendet.
Die Staatsanwaltschaft fasst zusammen, dass Gina H. an zahlreichen Stellen widersprüchliche Aussagen getroffen habe. Besonders das Portemonnaie sei ein entscheidender Faktor, dies weist die Verteidigung jedoch als geklärt zurück.

