Fabian: Prozesstag 16

Prozesstag 16 – 01.07.2026

 

Zeugin 1 – Martina F.: Gerichtshelferin

Die Zeugin hat am 09.01.2026 mit Gina H. über ihr Leben gesprochen und darüber einen schriftlichen Bericht verfasst. Sie gibt an, dass dies ausschließlich die Erzählungen Gina H.s seien, die sie nicht überprüft habe.
Die Angeklagte habe ihr erzählt, eine schwere Kindheit gehabt zu haben. Sie sei gemobbt worden und habe Gewalt erlebt, zu der auch sexuelle Nötigung gehört habe. Zudem sei sie häufig umgezogen. Beruflich habe sie sich nie orientieren können, mit Männern habe sie nie Glück gehabt und sie habe psychische Probleme entwickelt.

Im gesamten Gespräch sei Gina H. sehr redefreudig gewesen und habe bereitwillig auf Fragen geantwortet, wobei sie jedoch keine konkreten Daten oder Ereignisse habe wiedergeben können. Der Zeugin sei aufgefallen, dass der angeklagten Tiere wichtiger seien als Menschen. Dies wäre besonders dadurch zu sehen gewesen, dass sie, wenn sie von ihren Tieren sprach, emotional anwesend gewesen sei. Bei allen anderen Berichten habe sie sich eher abgeschottet.

Die Zeugin wird entlassen.

 

Zeugin 2 – Elisa S.: Tierärztin

Die Zeugin betreut die Pferde der Angeklagten schon seit über 10 Jahren. Sie beschreibt die Beziehung zu Gina H. als rein geschäftlich. Trotzdem habe sie aus dem WhatsApp Status oder aus Facebook einige private Details aus dem Leben der Angeklagten mitbekommen, die diese Plattformen vornehmlich für das Verbreiten ihrer Probleme nutzte. Nach der Trennung von Matthias R. habe sie an ebendiesem Ort veröffentlicht, dass sie keinen Grund mehr zu leben habe.

In den letzten fünf Jahren habe Gina H. bei ihr insgesamt sechs Pferde behandeln lassen. Die Kosten in Höhe von insgesamt 8000 EUR seien alle bezahlt worden. Wer die Rechnungen beglichen hat, wisse die Zeugin jedoch nicht.

Die Tierärztin berichtet, dass Gina H. immer schnell und zuverlässig auf WhatsApp Nachrichten geantwortet habe außer am 10. Oktober 2025. Hier habe sie zum ersten Mal über eine Stunde gebraucht, um ihr zu antworten, nachdem sie ihr um 11:32 Uhr geschrieben habe. Sonst habe sie immer spätestens nach 10 Minuten eine Antwort erhalten. Nach dem Verschwinden des Jungen habe man ebenfalls Kontakt wegen der Pferde über WhatsApp gehabt. In diesem Zuge kam auch das „Thema Fabian“ auf, wie die Angeklagte es nannte. Gina H. habe hier völlig emotionslos gewirkt, was die Zeugin sehr verwundert hat. Sie habe die Angeklagte schließlich gefragt, ob vielleicht ein Ex-Freund von Dorina L. als potenzieller Täter in Frage käme, woraufhin sie keine Antwort mehr erhalten habe. Allgemein hatte die Zeugin das Gefühl, emotional mehr involviert in das Verschwinden des Jungen zu sein als die Angeklagte.
Nach dem Fund der Leiche habe Gina H. Elisa S. gegenüber gesagt, nicht in Klein Upahl gewesen zu sein. In den Sprachnachrichten, die nach dem Leichenfund ausgetauscht wurden, wirkt Gina H. völlig emotionslos und spricht hauptsächlich über ihre Pferde sowie die Gerüchte, die über sie auf Social Media kursieren. Elisa S. habe dieses Verhalten völlig seltsam gefunden, zumal Gina H. nach dem Tod ihres Lieblingspferdes Tiffy im Jahr 2024 einen völligen Zusammenbruch gehabt habe. Kurze Zeit vor Gina H.s Festnahme sei der Tierärztin ein WhatsApp Status der Angeklagten besonders in Erinnerung geblieben. In diesem habe sie gepostet: „Manchen Menschen musst du deine schlechte Seite zeigen, damit sie verstehen, wie nett du die ganze Zeit zu ihnen warst.“
Allgemein schätze die Zeugin die Angeklagte als risikobereiten Menschen ein, der sich über Gefahren und Folgen einer Handlung nicht bewusst sei. So sei sie z.B. mit mehreren Pferden gleichzeitig ohne Führung ausgeritten oder habe ihren Hund ungesichert zwischen den Pferden herlaufen lassen. Ihren Sohn J. habe sie bereits im Alter von einem Jahr auf ihrem Rücken festgeschnallt sei dann losgaloppiert.

Die Zeugin wird entlassen.

 

Zeuge 3 – Stefan E.: Freund von Matthias R.

Der Zeuge berichtet, dass Gina H. ihn vor allem nach der Trennung von Matthias R. kontaktiert habe, um über das Beziehungsaus zu sprechen. Unter anderem habe sie ihm erzählt, dass Fabian den Kontakt abgebrochen habe, weil sie ihn darüber informiert habe, dass sein Vater ihr gegenüber gewalttätig geworden sei. Irgendwann seien dem Zeugen die Kontaktversuche und die Gespräche zu viel geworden, sodass er Gina H. schließlich auf WhatsApp blockiert habe. Matthias R. habe zunächst erleichtert über das Ende der Beziehung gewirkt, was er von Gina H. nicht behaupten könne.
Noch am Abend des 14. Oktober habe Matthias R. bei ihm angerufen und berichtet, dass er glaube, dass die Angeklagte mit dem Mord in Verbindung stehe. Der Zeuge gibt an, dass er nicht den Eindruck gehabt habe, dass Matthias R. zu diesem Zeitpunkt unter Alkoholeinfluss stand. Richter Holger Schütt merkt an, dass Matthias R. in seiner eigenen Aussage diesen Punkt abgestritten habe und völlig betrunken gewesen sei will. Hiermit zeige sich ein merklicher Unterschied zwischen seiner Aussage und der von Stefan E.  Dieser kann sich nicht erklären, warum Matthias R. plötzlich eine andere Version der Dinge erzähle.

Der Zeuge wird entlassen.

 

Zeuge 4 – Andreas M.: Ehemaliger Arbeitgeber von Gina H.

Der Besitzer eines Reitsportgeschäftes beschäftigte Gina H. von April bis Juni 2025 in seinem Lager in Teilzeit. Die psychischen Probleme der Angeklagten seien im bei der Einstellung bekannt gewesen. Er habe sie schließlich wegen Diebstahls kündigen müssen, den er jedoch nicht zur Anzeige gebracht habe, da er sich wenig Erfolg ausgerechnet habe. Der Richter wirft ein, dass Gina dem Sozialamt gegenüber angegeben habe, die Stelle selbst gekündigt zu haben, da sie übermäßig viel habe arbeiten müssen. Der Zeuge lehnt diesen Vorwurf strikt als Lüge ab. Privaten Kontakt habe er zu der Frau keinen gehabt.

Der Zeuge wird entlassen.

 

Zeugin 5 – Ulrike K.: Arbeitskollegin von Matthias R.

Die Zeugin kennt Gina H. nur vom Sehen, hatte jedoch ein freundschaftliches Verhältnis zu Matthias R. und habe daher die Informationen über die Beziehung ausschließlich aus seinen Erzählungen. Diese stand von Anfang an unter keinem guten Stern. Matthias R. habe sich immer mehr kontrollieren lassen und Gina H. habe ihn unter den Pantoffel gestellt. Eines Tages habe Matthias R. ihr gegenüber angegeben, dass er vermute, dass Gina eine Spyware auf seinem Handy installiert habe. Gemeinsam habe man das Mobiltelefon untersucht, sei jedoch nicht fündig geworden. Auch diesen Umstand hatte Matthias R. in seiner Zeugenaussage abgestritten.
Der Richter fragt die Zeugin, ob sie eine sexuelle Beziehung zu Matthias R. gehabt habe, da Gina H. dies bei ihrer polizeilichen Vernehmung ausgesagt habe. Die Zeugin bezeichnet diesen Umstand als „lächerlich“.

Die Zeugin wird entlassen.

 

Zeuge 6 – Jörg M.: Freund von Gina H.

Der 70-Jährige kennt Gina H. schon seit ihrer Kindheit. Seit ca. 8 Jahren verbindet die beiden eine Freundschaft. Der Zeuge gibt an, dass Gina nicht nur unter mangelndem Selbstbewusstsein, sondern auch unter mangelnder Empathie sowie der Tendenz zu Überreaktionen neige. Sie sei jedoch eine herausragende Reiterin mit einem großen Wissen über Pferde, was er an ihr sehr schätze.
Jörg M. gibt zu, Gina H. regelmäßig finanziell unterstützt zu haben. Insgesamt sei die Summe vierstellig gewesen. Sie habe ihm leidgetan, da sie lediglich von ihrer Erwerbsunfähigkeitsrente ein Kind und fünf Pferde haben finanzieren müssen. Er bestätigt zudem, dass die Angeklagte, um diesen Lebensstandard zu halten, finanziell völlig abhängig von Matthias R. gewesen sei.
Am 14. Oktober 2025 habe sie dem Zeugen völlig aufgelöst davon berichtet, bei einem Spaziergang mit den Hunden Fabians Leiche zufällig entdeckt zu haben.
Der Richter liest nun zahlreiche Nachrichten aus dem Jahr 2024 vor, die zwischen dem Zeugen und der Angeklagten verschickt wurden. Alle Nachrichten haben einen romantischen und zweideutigen Klang. Der Zeuge lehnt jedoch ab, ein sexuelles Interesse an Gina H. gehabt zu haben. Auch das Geld habe er ihr nur aus Mitgefühl überweisen und nicht, weil er andere Absichten hatte.
Jörg M. berichtet, dass sie Trennungen im menschlichen Bereich schnell verkraftet hat, den Tod ihrer Stute habe sie jedoch nur schwer ertragen.

Der Zeuge wird entlassen.

 

Zeugin 7 – Silke G.: Friseurin von Gina H.

Am 10. Oktober hat die Zeugin von Fabians Verschwinden erfahren und die Meldung über ihren Status geteilt. Kurz darauf habe Gina H. sie angeschrieben, um ihr mitzuteilen, dass es sich bei dem verschwundenen Kind um ihren „Ziehsohn“ handele. Sie habe ihr mitgeteilt, dass sie hoffe, dass Fabian bald gefunden werden würde.
Am 11. Oktober schickte ihr die Angeklagte eine Sprachnachricht, in der sie ihr mitteilte, dass Fabians Mutter ihn vernachlässige und er am Tag seines Verschwindens allein mit Bauchschmerzen zu Hause gewesen sei. Sie berichtet, dass er immer allein sei und kein Mittagessen bekäme. Zudem sagt sie: „Fabian war wirklich fett“. Die Tatsache, dass die Angeklagte bereits am 11. Oktober von Fabian im Präteritum spricht statt im Präsens, obwohl die Leiche noch nicht gefunden wurde, lässt die Zeugin aufhorchen, sie redet sich jedoch ein, dass Gina H. damit auf die Zeit vor der Trennung von Matthias R. anspricht.
Am 17. Oktober überwog jedoch ihr schlechtes Gefühl, da sie sich mit dem Gedanken nicht anfreunden konnte, dass ausgerechnet Gina die Leiche gefunden haben will und so kontaktierte die Zeugin eine befreundete Polizistin.
In einer weiteren Sprachnachricht sagt Gina H., dass es viel schlimmer sei, dass geglaubt werde, dass sie Fabian ermordet habe. In diesem Zuge berichtet sie der Zeugin davon, dass sie bereits am Abend des 13. Oktober mit zwei Freunden am Fundort war.

Die Zeugin wird entlassen.

 

Zeuge 8 – Marian J.: Ehemaliger Freund von Gina H.

Der Zeuge gibt an, in den Jahren 2020 und 2021 viel mit der Angeklagten unternommen zu haben. Er sei auch verliebt in sie gewesen, Gina habe ihn jedoch nur ausnutzen wollen. Ihre Bitten um Geld habe er abgelehnt. Marian J. beschreibt, dass die Angeklagte einmal einen Pferdesattel gestohlen habe. Als sie ihn in den Diebstahl mit reinziehen wollte, kam es zum Streit. Da Gina H. immer wieder aufbrausend und unberechenbar reagiert habe, habe der Zeuge auch nicht davor zurückgeschreckt, andere vor dem Kontakt mit ihr zu warnen. Zudem habe Gina ihre Stute Tiffy während eines Turniers ins Gesicht geschlagen.
Der Zeuge wird entlassen.

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