Prozesstag 14 – 23.06.2026
Zeuge 1 – Polizeiobermeister Dennis K.
Dennis K. war als Fahrer am 14. Oktober 2025 im Einsatz. Er hielt sich in der Nähe von Gina H. und Heike M. auf, während seine Kollegen den Einsatzort begutachteten. Von Heike M. habe er einen sehr emotionalen Eindruck gehabt. Sie sei aufgebracht gewesen und habe viel geweint. Gina H. habe sich als Fabians Ziehmutter vorgestellt und erwähnt, dass sie erst kürzlich einen Suizidversuch hinter sich habe. Sie habe Stiefel getragen und eine enge, dunkle Hose. Während der Unterhaltung habe Gina H. erwähnt, dass der Tümpel sich für die Entsorgung einer Leiche gut eigne, zudem habe sie Fabians Mutter erwähnt und sie verantwortlich machen wollen. Sie habe Fabian oft allein gelassen, weshalb er für sein Alter sehr selbständig gewesen sei. Die hinzugezogenen Seelsorger haben keinen Zugang zu den Frauen gefunden, deshalb sei der Zeuge noch dortgeblieben. Gina H. habe dann eine Polizeibeamtin gefragt, warum sie so böse dreinschaue. Der Zeuge habe dies nicht so empfunden. Beide Frauen seien nicht froh darüber gewesen, ihr Handy abgeben zu müssen. Gina H. habe gesagt, dass auf ihrem Handy Dinge seien, die die Polizei nichts angehen würden, Heike M. hingegen habe nicht auf das Handy als Kommunikationsmittel verzichten wollen. Letztendlich haben beide Frauen ihre Mobiltelefone nach kurzer Diskussion jedoch ausgehändigt. Er habe die Situation nicht als übermäßig ungewöhnlich empfunden.
Im Auto habe Gina H. schließlich wortlos aus dem Fenster gestarrt, während Heike M. immer wieder betonte, dass die Situation für die Angeklagte doch schlimmer sein müsse. Zeitweise habe Gina H. nicht mehr auf Ansprache reagiert. Auf die Frage, wo sie gedanklich gewesen sei, habe sie nicht geantwortet. Als der Zeuge mit Heike M. allein im Auto war, habe sie bitterlich geweint und Angst gehabt, die Situation nicht verarbeiten zu können, er habe ihr empfohlen, sich alles von der Seele zu reden. Dies habe Heike M. zum Anlass genommen, ihm die Wahrheit über die Auffindesituation zu sagen. Gina H. habe sie an diesem Morgen gegen 7 Uhr angerufen. Noch schlaftrunken habe sie gehört, dass Gina H. ihr mitteilte, die Leiche bereits in der Nacht mit zwei Männern gefunden zu haben. Heike M. sei sofort zu einer Aussage bereit gewesen, auch wenn sie ihrer Freundin Gina eigentlich nicht habe schaden wollen.
Der Zeuge wird entlassen.
Telefongespräch zwischen Gina H. und Heike M.
In dem achtminütigen Gespräch berichtet Gina von der gegen sie gerichteten Hetzjagd in den sozialen Medien. Sie gibt an, sich nicht mehr zum Einkaufen zu trauen. Zudem hätte auch Jäger Christian den Kontakt zu ihr abgebrochen. Auch Matthias habe sich nicht bei ihr gemeldet, seit Gina die Leiche gefunden habe. Sie bittet Heike M. darum, die Wahrheit zu verschweigen. Heike M. lehnt dies jedoch ab.
Zeuge 2 – Kriminalhauptkommissar Frank F.
Der Beamte war mit der Überwachung der Telefone sowie der Vernehmung von Zeugen betraut. Zudem hat er einen Zeitstrahl über die Ereignisse erstellt.
Der Zeuge berichtet, dass er derjenige war, der Gina H. ihr Handy zurückbrachte. Als diese einen Anruf von Matthias R. erhielt, war er noch zugegen. Er habe gehört, wie dieser am Telefon geschrien, ihr vorgeworfen habe, etwas mit Fabians Tod zu tun zu haben und Gina H. gebeten habe, ihn erst einmal nicht mehr anzurufen. Die Angeklagte habe mitgeteilt, dass Fabians Vater am Telefon betrunken war. Zudem habe sie bereitwillig zugegeben, dass Spuren von Fabian in ihrem orangefarbenen Ford Ranger zu finden sein würden. Diese seien bei einem gemeinsamen Ausflug im Sommer entstanden. Danach habe sie ihr Auto nicht mehr gereinigt. Auch ihre Kleidung habe sie freiwillig übergeben. In der Befragung habe sie angegeben, dass sie eine Rente von 1200 EUR monatlich erhalte. Ihr Verhältnis zu Fabian sei gut gewesen. Es sei lediglich ein Bauchgefühl gewesen, welches sie zu dem Tümpel geführt habe, an dem sie Fabians Leiche schließlich gefunden habe. Die Leiche habe sie durch Christian D.s Nachtsichtgerät erblickt.
In einer Befragung habe ein Bekannter von Gina H. mitgeteilt, dass er, um ihre Reaktion zu testen, der Angeklagten erzählt habe, dass aufgrund von Holzdieben rund um den Tümpel Wildkameras aufgestellt worden seien. Der Bekannte habe ausgesagt, dass Gina H. geantwortet habe, dass sie entweder „Glück oder Pech“ haben würde.
Der Richter spielt das entsprechende Telefongespräch vor, bei dem der Bekannte diese List gegen die Angeklagte anwendete. Gina H. wirkt zunächst ungläubig und lehnt die Existenz von Kameras an einem solch abgelegenen Ort ab und gibt an, dass Kameras nur an Wildfutterstellen zu finden sind und es im Umkreis des Tümpels auch kein Holz gab. Der Richter erinnert daran, dass Gina H. im Gespräch mit Olaf K. angegeben habe, am 10. Oktober in der Nähe des Tümpels gewesen war, da sie einen Tierheilpraktiker habe aufsuchen wollen. Es werden nun Bilder des Weges gezeigt, der zu dem genannten Tierheilpraktiker führt. Am Wegesrand sind große Holzstapel zu erkennen.
Der Beamte gibt an, dass Gina H. versucht habe, mit Olaf K. am Telefon ein Alibi abzusprechen. Für ihn sei es eindeutig gewesen, dass der Mann ein sexuelles Interesse an Gina gehabt habe. Auffällig sei zudem gewesen, dass Gina H. ihr Verhalten am Telefon merklich änderte, nachdem Matthias R. ihr mitteilte, dass er davon ausgehe, dass sie von der Polizei abgehört werden. Im Hinblick auf die Telefonate erwähnt der Beamte auch noch einmal, dass Gina H. in einem Gespräch mit Olaf K. ihren Grillanzünder gesucht habe.
Die Telefonate von Matthias R. hingegen seien sehr einsilbig gewesen. Es sei sehr wenig um Fabian gegangen, er habe mehr über den Konsum von Alkohol gesprochen.
Der Zeuge gibt zu bedenken, dass alle Gespräche zusammengenommen ein Gesamtbild ergeben.
Am 16. Oktober gab es zwei Telefonate zwischen Gina H. und Matthias R.
Im ersten Gespräch spricht die Angeklagte ausschließlich über sich und die mediale Hetzjagd gegen sie. Matthias R. versichert er, dass er nichts mit der Verbreitung von Gerüchten gegen sie zu tun habe und dass er ihr die Tat nicht zutraue. Beide vermuten Dorina L. als Verursacherin der brodelnden Gerüchteküche und Matthias R. empfiehlt, Anzeige gegen sie zu erstatten. Die beiden sprechen dann über einen sehr penetranten Reporter, der bereits zuvor durch die Verteidigung bei Olaf K. angesprochen wurde. Matthias R. empfiehlt Gina, die Polizei einzuschalten, sollte der Reporter zu aufdringlich werden. Noch einmal betont Gina H., dass sie Fabian niemals etwas hätte antun können. Matthias R. glaubt ihr. Sie erwähnt auch hier, dass sie sich nicht mehr vor die Tür traue.
Der Beamte gibt an, dass für ihn in diesem Telefonat vor allem auffällig gewesen sei, dass Gina ihr eigenes Schicksal als schlimmer empfand als das, was mit Fabian passiert sei. Sie habe bei Matthias R. für ihre Situation Hilfe gesucht, statt dem trauernden Vater Trost zu spenden.
Im zweiten Telefonat vom selben Tag spricht man über den gemeinsamen Sex. Zudem wird wieder über die Gerüchte gesprochen. Wieder beteuert Matthias R. diese nicht verbreitet zu haben. Gina gibt an, Angst davor zu haben, dass die Polizei ihr etwas anhängen will. Sie sagt zudem, dass ihr Sohn in der Schule geärgert werde und sie ganz allein sei, Matthias R. jedoch seine Familie habe. Zudem störe es sie, dass die Polizei so lange für die Untersuchung ihres Autos benötige. Außerdem verurteilt sie Dorina L. dafür, dass sie Fabian am Tag des 10. Oktober krank zu Hause allein gelassen habe. Im weiteren Verlauf des Telefonats beschreibt Gina H. sowohl des Zustands von Fabians Leiche als auch Auffindesituation am 14. Oktober mit Heike M. Von den vorherigen Besuchen des Tatorts erwähnt sie nichts. Sie sagt Matthias R., dass die Polizei sie gefragt habe, ob dieser als Täter in Frage käme, was sie verneint hätte. Der Zeuge, der die besagte Vernehmung durchgeführt hat, kann sich jedoch nicht daran erinnern, diese Frage überhaupt gestellt zu haben. Er gibt jedoch an, dass Gina H. immer dabei geblieben sei, unschuldig zu sein. Matthias R. hingegen schließe er als Täter aus, da sich sein Alibi als lückenlos erwiesen habe. Bis auf Gina H. seien alle anderen Alibis für ihn ebenfalls stabil gewesen.
Die Verteidigung wirft ein, dass die Polizei am Tag des Leichenfundes ausschließlich die von Gina H. an diesem Tag getragene Kleidung konfisziert habe, jedoch nicht die Kleidung vom 10. Oktober. Er fragt, wie dieser Umstand zu erklären sei, was der Zeuge damit begründet, dass Gina H. zu dieser Zeit noch nicht als mutmaßliche Täterin in Betracht gezogen worden war.
Zudem merkt der Verteidiger an, dass es einen sehr ähnlichen Ford Ranger in der näheren Umgebung geben würde und fragt, ob dieser auch überprüft wurde. Der Zeuge kann sich nicht mehr genau an die Anzahl der überprüften Fahrzeuge erinnern, es wird jedoch darauf hingewiesen, dass genaue Informationen den Akten zu entnehmen seien.
Der Zeuge wird entlassen.
Zeugin 3 – Kriminalhauptkommissarin Jana H.
Die Beamtin hat nicht nur mehrere Zeugen in diesem Fall befragt, sondern war auch an der Ermittlung beteiligt, bei der der Standort des von Gina H. am 10. Oktober geschossenen Fotos rekonstruiert wurde. Das besagte Foto hatte die Angeklagte mit ihrem Handy aufgenommen und einem Bekannten geschickt. Es zeigt ihren Hund auf einem Feldweg.
Hauptthema ist jedoch die Befragung von Jäger Christian D., an der die Zeugin beteiligt war. Sie beschreibt sein Verhältnis zu Gina H. als sehr eng. In dem Gespräch haben sich zahlreiche weitere Fragen ergeben, die die ursprünglich geplanten Fragen bei weitem überschritten hätten. Dies habe dazu geführt, dass die Befragung insgesamt 10 Stunden dauerte. Zudem habe man Christian D. mehrfach darauf hinweisen zu müssen, dass er dazu verpflichtet sei, die Wahrheit zu sagen, vor allem im Hinblick auf die Auswertung der Funkzellendaten. Hier habe Christian D. sich schließlich Notizen machen müssen, um den Ablauf eindeutig darstellen zu können. Ihm sei wichtig gewesen, dass man von einer rein freundschaftlichen Beziehung zu Gina H. spreche, aus Angst vor seiner Frau. Bei Treffen am See am 10. Oktober mit Gina H. habe er immer wieder unterschiedliche Zeitangaben bezüglich der Dauer des Treffens gemacht. Diese variierten zwischen 30 und 90 Minuten. Dies habe er mit mangelndem Zeitgefühl begründet, was die Zeugin als wenig glaubhaft erachtete. Im Hinblick auf den Abend des 13. Oktober habe er ausgesagt, dass ihm der Fundort nicht bekannt gewesen sei, zudem habe er nicht zugeben wollen, dass ihm an diesem Abend schon bewusst gewesen sei, dass sie eine Leiche gefunden hatten.
Die Zeugin wird entlassen.
Zeuge 4 – Polizeiobermeister Yannick S.
Der Beamte war an den Befragungen von Matthias R., Olaf K. und Christian D. beteiligt. Zudem habe er Fabians und Ginas Tagesabläufe am 09. wie 10. Oktober 2025 nachverfolgt und miteinander verglichen.
Gina H. habe am 10. Oktober einen Termin mit ihrem Sohn gehabt, den sie jedoch absagte mit der Aussage, dass dieser krank sei. J. war jedoch gesund und in der Schule. Am 10. Oktober wurde Ginas Auto in der Nähe von Fabians Wohnung gesehen. Der Zeuge schätzt Gina H.s psychischen Zustand zu dieser Zeit als „extremen Ausnahmezustand“ ein, da sie Verhaltensweisen aufzeigte, die sonst von ihr eher nicht zu erwarten gewesen wäre, wie z.B. das Verfassen eines Testaments am Abend des 09. Oktober oder das Schlagen ihres Pferdes am Morgen des 10. Oktober.
Am 10. Oktober wurde Ginas Auto von Zeugen an verschiedenen Orten beobachtet. Diese Beobachtungen decken sich nicht mit den Aussagen, die Gina H. bezüglich ihres Alibis vorbrachte. Zudem konnte der von ihr angegebene Tagesablauf nicht mit ihren Handydaten in Einklang gebracht werden, die Anhand der Funkzellenauswertung ihren Standort preisgaben. Die Nachricht, dass Fabian verschwunden sei, erreichte Gina H. durch Matthias R. genau um 20:17 Uhr. Er habe ihr in dieser mitgeteilt, dass Fabian seit Stunden fort sei. Ihre Google Suche nach Vermissten Personen auf Polizei-Seiten haben bereits viel früher an diesem Tag stattgefunden. Der Zeuge bestätigt ebenfalls die von Gina H.s Google Account getätigte Suche nach „Fressen Wildschweine Menschen“ und „Fressen Wildschweine tote Menschen“. Zudem habe Gina H. Matthias R. beschuldigt, diese Suche von ihrem Account aus getätigt zu haben, was dieser verneinte. Der Zeuge gibt an, dass Matthias R. sein Handy in der Zwischenzeit gewechselt und völlig neu eingerichtet habe. Er hatte demnach auch keinen Zugriff mehr auf den Google-Account der Angeklagten. Das alte Handy habe Matthias R. laut eigener Aussage vernichtet. Der Beamte sieht keinen Grund dafür, Gina H. nicht als Täterin in Betracht zu ziehen oder einen anderen Täter anzunehmen.
Die Verteidigung bemängelt nun, dass die Handyvideos vom 09. Oktober 2025 von der Polizei nicht ausgewertet worden seien. Der Zeuge gibt an, dass die Ermittlungen mit dem 10. Oktober, also Fabians Verschwinden, begonnen haben. Hier hakt die Staatsanwaltschaft ein und gibt an, dass die Videos bereits gelöscht geworden seien, als die Polizei diese später habe auswerten wollen.
Der Zeuge wird entlassen.
Die Verteidigung zweifelt im Allgemeinen an der Glaubhaftigkeit von Zeuge 1 und gibt zusätzlich zu bedenken, dass es bisher unmöglich gewesen sei, dass Treffen zwischen Christian D. und Gina H. am 10. Oktober 2025 zeitlich genau einzuordnen. Zudem merkt er an, dass auch das Messer aus der Garage des Olaf K. nach wie vor nicht als Tatwaffe habe identifiziert werden können und somit auch nicht als solche gehandelt werden dürfe.
(Quellen: Stern.de; Ostseewelle; t-online; NDR; Focus Online; Pressemitteilungen Landgericht Rostock; RTL – Carsten Kulawik)

