Prozesstag 9 – 04.06.2026
Zeuge 1 – Gerichtsmediziner Dr. Johannes Manhardt
Am 14. Oktober 2025 erreichte Dr. Manhart den Leichenfundort am frühen Nachmittag, um mit der ersten Leichenschau zu beginnen. Er erkannte dort bereits mindestens zwei Brustverletzungen.
Die eigentliche Obduktion fand am 15. Oktober statt und dauerte ca. 4 Stunden. Fabians Identität habe man durch einen DNA-Test bestätigt.
Insgesamt seien sechs Stichverletzungen am Oberkörper festgestellt wurden. Alle einheitlich ausgerichtet und alle scheinbar von vorn kommend. Alles deute darauf hin, dass Fabian auf dem Rücken lag und die Waffe von oben nach unten geführt wurde. Er hält es jedoch auch für denkbar, dass der Täter direkt hinter Fabian stand und die Waffe dann von vorn führte. Die Stiche wurden allesamt kraftvoll geführt, was die Intensität der Wunden beweist. Dies lasse jedoch keinerlei Rückschlüsse auf das Geschlecht des Täters zu oder darauf, ob es sich um einen Links- oder Rechtshänder handle. Die Reihenfolge der Stichverletzungen sei nicht nachweisbar. Die Todesursache legt Dr. Manhardt auf Verbluten infolge der Stichverletzungen fest. Fabians Hände und Arme wiesen keine Abwehrverletzungen auf, was jedoch auch damit zusammenhängen könnte, dass diese sehr stark verbrannt waren. Zudem konnten weder Betäubungsmittel noch Rückstände von Medikamenten im Rahmen des toxikologischen Befundes nachgewiesen werden.
Da in Fabians Atemwegen keine Rußablagerung festzustellen waren, ist davon auszugehen, dass der Junge bereits tot war, als das Feuer gelegt wurde. Der Gerichtsmediziner hat festgestellt, dass Fabians Leiche nach dem Brand mindestens zwei Tage Liegezeit aufweist. Wie groß der Zeitraum zwischen dem Eintreten des Todes und dem Brand ist, sei nicht festzustellen. Fabian sei demnach vor oder am 12. Oktober gestorben. Weitere Spuren von Gewalt konnten nicht festgestellt werden.
Der Zeuge wird entlassen.
Zeuge 2 – Holger Liedtke: Brandursachenermittler
Der Experte war ebenfalls am 14. Oktober 2025 vor Ort und konnte dort keine Spuren von Brandermittler feststellen. Brandbeschleuniger, Feuerzeug oder Streichhölzer konnten nicht am Tatort sichergestellt werden. Die fehlenden Spuren eines Brandbeschleunigers deuten jedoch nicht darauf hin, dass keiner verwendet wurde, sondern könnte durch die Witterungsbedingungen erklärt werden, da Brandbeschleuniger verdunstet, zudem hat es geregnet. Es sei also nicht ungewöhnlich, dass keine Rückstände mehr nachweisbar seien. Ungefähr ein halber Liter Brandbeschleuniger sei völlig ausreichend, um Fabians Kleidung ausreichend zu durchtränken, um den Körper in Brand zu setzen.
Anhand des Fotos einer Zeugin, dass das Feuer am Tümpel zeigt, schätzt der Experte, dass das Feuer bereits 60 bis 90 Minuten brannte. Der Experte bestätigt, dass das Feuer sowie der Rauch auch aus weiter Ferne noch sichtbar gewesen sein können. Etwa eine Stunde später war die Zeugin noch einmal vor Ort, zu dieser Zeit war von dem Feuer nichts mehr zu sehen.
Der Zeuge wird entlassen.
Chat- und Sprachnachrichten
In einer Sprachnachricht aus dem Januar des Jahres 2024 geht es um die Beerdigung von Matthias R.s Vater. Gina H. echauffiert sich darüber, dass die Trauerfeier auf einem Schiff stattfände. Da bei der Beerdigung auch Dorina L. anwesend sein soll, reagiert Gina H. eifersüchtig.
Weitere Sprachnachrichten zeugen abermals von Eifersucht, Vorwürfen und dem Streit um Geld.
In Sprachnachrichten und Telefonaten zwischen Gina H. und Olaf K. aus der Zeit nach dem Mord gibt die Angeklagte an, aufgrund von Olaf K.s Verhalten in den Fokus der Polizei gerückt zu sein. Nun wolle die Polizei ihr etwas anhängen. Zudem dauern ihr die Untersuchungen der Polizei zu lange, sie benötige ihr Auto. Des Weiteren spricht sie darüber, dass sie vor allem auf TikTok in die Mangel genommen werde und darüber, dass sie Angst habe, dass die Polizei Spuren von Fabian in ihrem Auto finden könne. Vor allem sei sie besorgt, dass die Spurensicherung eine Flasche Grillanzünder in ihrem Auto finden könnte, die sie dort vergessen zu haben glaubt. Sie sei sich jedoch keiner Schuld bewusst.
Fotos
In Gina H.s Schuppen wurde eine bereits angebrochene Flasche Brandbeschleuniger sichergestellt, in der die vom Brandursachenexperten angeführte Menge fehlte. Gina H. ist jedoch bekannt, häufiger Feuer auf ihrem Hof gemacht zu haben.
Zeuge 3 – Dr. Ziegert-Kühn: Sachverständiger für Bodenproben
Dr. Ziegert-Kühn untersuchte im Zuge der Ermittlungen 28 Proben aus dem Bereich des Leichenfundorts, dazu gehörten Boden- und Wasserproben sowie Kleidungsstücke. Als problematisch habe sich dabei erwiesen, dass die Leiche erst Tage nach dem Brand gefunden wurde und der Witterung ausgesetzt war. Der bei Gina H. gefundene Grillanzünder rücke jedoch in den Rahmen des Wahrscheinlichen, beim Legen des Brandes verwendet worden zu sein. Es konnten jedoch keine Rückstände auf ihrer Kleidung nachgewiesen werden. Auch hier gilt, dass der Brandbeschleuniger bereits verdunstet gewesen sein könnte.
Der Zeuge wird entlassen.
(Quellen: Stern.de; Ostseewelle; t-online; NDR; Focus Online; Pressemitteilungen Landgericht Rostock; RTL – Carsten Kulawik)

