Prozesstag 5 – 21.05.2026
Vorankündigungen
Eine von der Nebenklage geladene Zeugin, die intime Nachrichten mit Matthias R. ausgetauscht hat, soll vorgeladen werden. Die Verteidigung lehnt die Vernehmung dieser Zeugin ab, da sie lediglich zur Demütigung der Angeklagten und nicht zur Wahrheitsfindung dienlich sei. Zudem habe die besagte Zeugin sich öffentlich auf Facebook mit Davina L. solidarisiert und sei somit Teil eines möglichen Komplotts gegen die Angeklagte.
Zeugin 1 – Mitarbeiterin des Jugendraums
Die 42-jährige Frau berichtet, dass Fabian fast täglich im Jugendraum war, um Karten oder PC zu spielen. Zuletzt war er auch am 09. Oktober dort, dem Tag vor seinem Verschwinden. Sie habe Fabian als offenen und zugänglichen Jungen kennengelernt, dem sie durchaus auch zutrauen würde, mit Fremden mitzugehen. Über Fabians Familienverhältnisse weiß sie nur zu berichten, dass Fabians Eltern getrennt lebten und der Vater eine neue Freundin habe, von der er jedoch nichts berichtet habe.
Die Zeugin wird entlassen.
Zeuge 2 – Mitarbeiter des Jugendraums und Ehemann von Zeugin 1
Er kenne Fabian schon seit zwei Jahren, in dieser Zeit habe er weder den Vater noch die Mutter des Jungen kennengelernt. Über familiäre Dinge sei nie gesprochen worden.
Der Zeuge wird entlassen.
Sprach- und Chatnachrichten
Es werden weitere Sprachnachrichten aus dem Zeitraum nach der Trennung von Matthias R. und Gina H. abgespielt.
Gina H. deutet zwischen den Zeilen suizidäre Gedanken an. Die manipulativen Sprachnachrichten schwanken zwischen Liebesbekundungen, Akzeptanz, Vorwürfe und Leid.
Am 05. Oktober wirft sie ihm Kontakte zu anderen Frauen vor, darunter auch den zu Dorina, Fabians Mutter. Matthias versichert Gina verzweifelt, dass er nur mit ihr schreibe, wenn es um Fabian geht.
Zeugin 3 – Monika R.: Fabians Großmutter
Die Dame wird von ihrer Tochter (Schwester von Matthias R.) begleitet, die sie als Pflegerin unterstützt. Auch als eventuelle Zeugin darf sie ihrer Mutter zur Seite stehen. Monika antwortet nur in knappen und wenig informativen Sätzen. Sie wisse weder etwas über die Beziehung ihres Sohnes zu Dorina als auch über die zu Gina.
Sie weigert sich, Angaben über die Trennung zu machen. Auf die Frage, ob sie wisse, was mit Fabian passiert sei, antwortet sie lediglich mit „Nein“ und auch auf die Frage, ob sie wissen wolle, was mit Fabian passiert sei, antwortet sie mit einem einfachen „Nein“. Als die Staatsanwaltschaft sie auf ihre Pflicht, die Wahrheit zu sagen hinweist und darauf, dass sie sich bei der Polizei sehr wohl an manche Sachverhalte erinnern konnte, bleibt sie trotzdem bei ihrem stoischen „Nein“.
Da die Zeugin jede Frage mit „Kann ich nichts zu sagen“ oder „Weiß ich nicht“ beantwortet, wird sie entlassen.
Zeugin 4 – Polizistin
Die 44-jährige Beamtin war ab dem 11. Oktober mit Fabians Verschwinden betraut worden. Gemeinsam mit einem Kollegen habe sie an diesem Tag den Hof des Vaters durchsucht, um auszuschließen, dass Fabian sich irgendwo dort versteckt haben könnte. Matthias R. wirkt an diesem Tag sehr besorgt, bemängelte jedoch die Kommunikation seitens der Polizei, von der er sich nicht ausreichend in die vorgehenden Prozesse integriert gefühlt habe. Er habe viel Zeit am Handy verbracht. Matthias Mutter und ein Bruder, die ebenfalls anwesend waren, wirkten auf die Beamtin eher teilnahmslos.
Fabians Vater habe sich zum Zeitpunkt des Verschwindens des Jungen auf der Arbeit aufgehalten. Dies habe sich bei einer Überprüfung seiner Arbeitsstelle am 13. Oktober herausgestellt. Dort haben die befragten Kollegen unabhängig voneinander und von selbst den Namen Gina H. erwähnt und angegeben, dass sie ihr einiges zutrauen würden. Eine persönlich mit Gina H. bekannte Kollegin des Vaters spricht von mangelnder Impulskontrolle seitens Gina H., eine andere Kollegin spricht von aggressivem und intrigantem Verhalten seitens der Angeklagten, ein weiterer Kollege bezeichnet sie als „nicht zurechnungsfähig“.
Nachdem Gina H. auf diese Weise in den Fokus geraten war, habe man entschieden diese aufzusuchen. Die Angeklagte habe auf diesen erneuten Besuch der Polizei nicht begeistert reagiert, das Haus sei bereits durchsucht worden und sie habe bereits alles gesagt. Im späteren Verlauf des Gesprächs gibt sie jedoch an, die Trennung von Matthias sei aufgrund seiner Gewalttätigkeit und seiner Alkoholprobleme gekommen. Gina H. gibt an, am Tag von Fabians Verschwinden den ganzen Tag im Pferdestall gearbeitet zu haben, außerdem habe sie nicht gewusst, dass er krank zu Hause sei, auch eine Fahrt nach Güstrow für Besorgungen habe sie nicht erwähnt. Allgemein habe Gina H. sehr kontrolliert und wenig betroffen gewirkt.
Am 14. Oktober stößt die Beamtin am Leichenfundort zu ihren Kollegen, die die Leiche bereits entsprechend abgesichert haben. Sie beschreibt, dass der kleine Körper stark verbrannt gewesen sei.
Die Zeugin wird entlassen.
Zeugin 5 – Anwohnerin aus Güstrow
Die 36-jährige Frau wurde am 24. Oktober von Polizeibeamten über den Mord an Fabian befragt. Diese erhofften sich Augenzeugen zu finden, die etwas Auffälliges über den Tattag berichten konnten. Sie kannte den Jungen und seine Familie zwar nicht, als die Beamten der Anwohnerin ein Foto des orangefarbenen Ford Rangers zeigten, erinnerte sie sich sofort. Das auffällige Auto war ihr am Tattag ins Auge gefallen, weil sie es besonders schön fand. Sie konnte die Beamten zu dem Ort führen, an dem es geparkt war. Die Frau identifiziert auch im Gerichtssaal den Wagen zu 100% und zeigt auf einer Karte, wo sie das parkende Auto sah. Es stand am 10. Oktober nur ca. 2 Gehminuten von Fabians Wohnung entfernt.
Überwachungsvideoaufnahmen zeigen dasselbe Auto um 10:45 Uhr in ebendieser Gegend, jedoch an einem anderen Ort und nicht in der von der Zeugin benannten Parklücke. Die Aussage der Zeugin kann somit nicht bestätigt werden. Sie bleibt jedoch dabei, das Auto zu dieser Zeit in der von ihr angegebenen Parklücke gesehen zu haben.
Die Zeugin wird entlassen.
Zeuge 6 – Passant
Der 45-jährige Mann gibt an, am 10. Oktober um 11:00 Uhr einen einsamen Jungen, auf den die Beschreibung von Fabian passt, ihn Zehna am Straßenrand gesehen zu haben. Ihm habe sich eine Frau mit schwarzen Haaren und dunkelblauer Jacke genähert. Zeitgleich sei der orangefarbene Pickup auf die beiden zugefahren, den er eindeutig als den Wagen von Gina H. identifiziert.
Der Zeuge wird entlassen.
Sprach- und Chatnachrichten
Die Nachrichten, die aus der Zeit nach der Trennung und kurz vor Fabians Tod aufgenommen wurden, zeichnen erneut ein Bild von der Beziehung zwischen Gina H. und Matthias R. Die Vorwürfe reißen nicht ab. Immer wieder kommt es zu Streit. Am 09. Oktober um 21:09 Uhr blockiert Gina Matthias nach einer erneuten Auseinandersetzung und kauft kurze Zeit später eine online Vorlage für ein Testament.
(Quellen: Stern.de; Ostseewelle; t-online; NDR; Focus Online; Pressemitteilungen Landgericht Rostock)

