Fabian: Prozesstag 2

Prozesstag 2 – 30. April 2026

Zeugin 1: Dorina L. – Fabians Mutter

Dorina L. wird von einem Notfallseelsorger bei diesem schweren Gang begleitet. Sie berichtet, dass sie Fabians Vater im Herbst 2015 auf einer Party kennengelernt habe. Am Anfang habe man eine liebevolle Beziehung geführt, Matthias R. habe sich jedoch zum Negativen verändert. Besonders sein regelmäßiger und übermäßiger Alkoholkonsum habe sie beunruhigt. Dabei sei er zwar ihr gegenüber nie körperlich gewalttätig geworden, habe jedoch Gegenstände zerschlagen und verbale Beleidigungen ausgesprochen. Gegenüber Fabian war er ein ebenso liebevoller wie strenger Vater. Aufgrund der nicht zu überbrückenden Differenzen erfolgte die Trennung im November 2018.
Im Jahr 2021 trat Gina H. in Fabians Leben auf. Er beschreibt sie als lieb und gibt an, sich gut mit ihr zu verstehen. Aufgrund des Urteils ihres Sohnes, habe Dorina L. sich überzeugen lassen, Gina zu akzeptieren. Der Junge besucht seinen Vater und seine neue Freundin häufig. Im Alter von 6 Jahren, im Jahr 2023, berichtet er jedoch, dass er nicht mehr zu seinem Vater möchte. Auf Nachfrage gab der Junge an, dass er beobachtet habe, dass Mattias R. gegen Gina H. gewalttätig wurde. Nachdem Davina ihn zur Rede gestellt hat und das Gespräch fruchtlos verlaufen ist, habe sie den Kontakt zwischen Fabian und seinem Vater nicht weiter unterstützt. Fabian hält jedoch den Kontakt zu Gina, da er mit ihrem Sohn J. befreundet ist. Man trifft sich häufiger auf Ginas Gehöft, jedoch nur dann, wenn Matthias R. arbeiten ist.
Dorina beschreibt ihren einzigen Sohn als liebevoll, gutmütig, freundlich und vor allem zuverlässig. Es habe eine feste Regel gegeben, dass er, sollte er allein zu Hause sein, die Tür niemandem öffnen dürfe. Das habe man sogar gemeinsam geübt, indem Fabian zu Hause blieb und eine Freundin der Mutter an die Tür klopfte. Wenn er sich einmal verspätete, habe er der Mutter immer Bescheid gegeben.
Am 09. Oktober 2025 musste Dorina ihren Sohn aus der Schule abholen, da er unter starkem Nasenbluten litt. Als es ihm nachmittags wieder besser geht, sei er noch mal mit dem Fahrrad in den örtlichen Jugendraum gefahren. Am Morgen des 10. Oktober habe Fabian sich nicht wohlgefühlt und sei deshalb nicht in die Schule gegangen. Man hätte an diesem Nachmittag noch gemeinsam Fußballschuhe kaufen wollen. Am nächsten Tag hätte ein Wochenend-Aufenthalt bei Matthias R. angestanden. Fabians Fahrrad, mit dem er sich überall hin fortbewegte, stand gut einsehbar auf der Straße und war somit ein Hinweis darauf, dass der Junge anwesend war. Dorina habe sich von ihrem Sohn versichern lassen, die Wohnung nicht zu verlassen, während sie sich auf der Arbeit befand. Als sie ihn zum letzten Mal sah, trug Fabian einen grauen Pullover.
Um 15:15 Uhr habe Dorina ihre Arbeitsstelle verlassen und sei nach dem 10-minütigen Fußweg gegen 15:25 Uhr zu Hause angekommen. Fabian habe sie nicht in der Wohnung vorgefunden. Daraufhin rief sie Eltern seiner Freunde sowie im Jugendraum an, doch niemand konnte etwas über Fabians Verbleib berichten. Als Fabian auch zur sonst üblichen Uhrzeit nicht zurück ist, alarmiert sie um 20:00 Uhr die Polizei. Am 11. Oktober wird sie von Gina H. kontaktiert. Diese berichtet ihr, dass die Kripo mit ihr gesprochen habe und dass ihr leid tue, was passiert sei. Gina und Fabian haben auch nach der Trennung von Matthias R. noch in Kontakt gestanden, da eine Freundschaft zwischen ihm und Ginas Sohn bestand.
Am 14. Oktober sei Dorina L. von einer Polizeibeamtin über den Leichenfund sowie die Tatsache informiert worden, dass es sich mit einer 99,9 prozentigen Wahrscheinlichkeit um Fabian handele.
Nach dem Tod des gemeinsamen Sohnes habe sie den Kontakt zu Matthias R. völlig abgebrochen, da sie nicht nachvollziehen könne, dass er weiterhin mit Gina H. im Kontakt stehe.

Dorina L. wird mit diversen Chat-, Sprach- und Videonachrichten konfrontiert.

  • Eine Videoaufzeichnung , bei der Gina H. bei einem Besuch von Matthias R. in der JVA behauptet, dass Fabian von Dorina erpresst worden sei, um den Kontakt zu seinem Vater wieder aufzunehmen erntet bei Dorina L. Unverständnis.
  • In einer Nachricht vom 05. September soll Matthias R. gegenüber Davina behauptet haben, sich endlich von Gina getrennt zu haben, die über sein Leben bestimmt und ihn manipuliert habe.
  • In einer Sprachnachricht an ihre Frisörin behauptet Gina H., dass Fabian regelmäßig von zu Hause weggelaufen sei. Zudem behauptet Gina H. dass Fabian seine Gründe habt habe, von zu Hause weggegangen zu sein und sie hoffe, dass er mit niemandem mitgegangen wäre. Dorina L. gibt an, dass Fabian noch nie von zu Hause weggelaufen sei.

 

Zeuge 2: Matthias R. – Fabians Vater (Spitzname Adi)

Matthias R. berichtet, dass Fabian für ihn ein Wunschkind gewesen sei. Die Beziehung zu Dorina sei am Anfang sehr schön gewesen, die Trennung hingegen sei für ihn sehr abrupt gekommen. Er habe nie den Eindruck gehabt, ein Alkoholproblem zu haben.
Fabians Verhältnis zu Gina sei wie das zu einer Mutter gewesen. Er habe sie auch öfter mal „Mama“ genannt. Das Verhältnis von Ginas Sohn und Fabian sei großartig gewesen, die beiden haben sich wie Brüder verstanden und seien unzertrennlich gewesen. Auch Ginas Großeltern habe er mit „Oma“ und „Opa“ angeredet.
Laut Matthias R. sei Fabian öfter einmal vom Grundstück weggelaufen, sei jedoch nie über mehrere Tage hinweg verschwunden gewesen. Er gibt zu, dass Fabian einen handgreiflichen Streit zwischen ihm und Gina beobachtet habe, woraufhin der Kontaktabbruch begonnen habe.
Im Jahr 2025 sei von Fabians Großeltern eine erneute Annäherung zwischen Fabian und Matthias R. initiiert worden. Nach zwei Jahren des Kontaktabbruchs habe Matthias R. seinen Sohn erst einmal wieder neu kennenlernen müssen. Er habe sich jedoch gefreut, dass man sich wieder annäherte.
Matthias R. sagt aus, dass er inzwischen sehr enttäuscht von der Polizeiarbeit sei, die bestimmten Hinweisen nicht nachgegangen sei, wie z.B. der telefonischen Meldung eines Zeugen, der ein Messer in einem Mülleimer bei Güstrow gefunden habe. Zudem habe er vom Tod seines Sohnes aus den Medien erfahren.
Matthias R. könne sich niemanden vorstellen, der von Fabians Tod profitieren würde oder von Ginas Festnahme. Er bestätigt den Inhalt der Nachricht, in der er Gina als manipulativ bezeichnet habe, gibt jedoch an, so kurz nach der Trennung diese Worte lediglich aus Wut gesprochen zu haben. Er lobt die Beziehung zur Angeklagten, gibt jedoch zu, dass sie eifersüchtig war, was jedoch für viele Frauen normal sei. Getrennt habe er sich nur, weil er sich ein wenig mehr Zeit für sich gewünscht hätte. Ein Freund von ihm habe ausgesagt, dass Gina sehr kontrollierend und eifersüchtig war, sodass er sie sogar während seiner Mittagspause per Videocall anrufen musste, um zu beweisen, dass keine andere Frau bei ihm sei. Matthias R. streitet dies ab und behauptet, dass dieser Freund wohl Gina H. nicht ausstehen könne. Eine weitere Zeugin, die bei der Polizei ausgesagt habe, Matthias hätte ihr gegenüber behauptet, dass Gina eine Spy-Software auf ihrem Handy installiert habe, streitet er ebenfalls ab. Zudem widerruft Matthias R. eine Aussage bei der Polizei im November 2025, bei der er noch behauptet habe, dass Gina eine Nachricht in seinem Namen an seine Ex-Schwiegereltern habe. Er habe inzwischen seine Meinung nach einem gemeinsamen Gespräch geändert.

Matthias R. wird mit diversen Chat-, Sprach- und Videonachrichten konfrontiert.

  • In einer vorgespielten Sprachnachricht, die Davina von Gina erhielt, sagt letztere, dass die Kinder sich bei Streitigkeiten schützend vor sie und „Adi“ stellen würden.
  • In einer weiteren Chatnachricht von Gina an Davina behauptet die Angeklagte, dass Matthias R. ihr einen Arm und auch beinahe mehrere Rippen gebrochen habe. Matthias R. kann sich diese Vorwürfe nicht erklären.

Die Befragung von Matthias R. wird am 3. Prozesstag fortgesetzt.

 

(Quellen: Stern.de; Ostseewelle; t-online; NDR; Focus Online; Pressemitteilungen Landgericht Rostock)

Schreibe einen Kommentar