Prozesstag 13 – 18.06.2026
Zeugin Heike M. – Freundin von Gina H.
Gina H. und Heike M. lebten gemeinsam im gleichen Haus. Man habe sich auf diese Weise kennengelernt. Da beide Hundehalterinnen sind und die Tiere sich gut miteinander verstanden haben, sei man auch ab und zu miteinander spazieren gegangen. Man habe sich auch bei den Pferden gegenseitig unterstützt. Nach der Trennung von Matthias R. habe Gina ausziehen müssen. Man habe sich versprochen, in Kontakt zu bleiben und einmal die Woche gemeinsam mit den Hunden spazieren zu gehen, dies sei hauptsächlich in Reimershagen passiert. Heike M., die auf eine Gehhilfe angewiesen ist, sei mit dem Auto zu den gemeinsamen Treffen gefahren. Gina sei bei den Ausflügen geritten, sie sei mit ihrem „Scooter“ gefahren und auch Sohn J. sei ab und an mit dem Fahrrad dabei gewesen.
Die Beziehung zu Matthias R. sei zerrüttet gewesen. Man habe sich viel gestritten. Im Hinblick auf den Umgang mit den Kindern sei J. auch schon mal vor die Tür gesetzt worden. Bei der Erinnerung an Fabian beginnt die Zeugin zu weinen. Fabian sei eine Zeitlang häufiger bei Gina gewesen. Irgendwann sei ihr das allerdings zu viel geworden, sie habe das Gefühl gehabt, dass Matthias R. ihn zu ihr „abschiebe“. Irgendwann habe sie es nicht mehr so gern gemocht, dass Fabian zu ihr kam, das habe sich an Aussagen gezeigt wie „Jetzt kommt Fabian schon wieder“. Matthias R. habe so viel gearbeitet, dass Fabian bei Gina blieb. Die Zeugin beschreibt Ginas Sohn J. als sehr schlauen und aufgeschlossenen Jungen, bei dem sie hin und wieder sogar den Eindruck hatte, dass er seine Mutter und Matthias gezielt gegeneinander ausgespielt habe, um die Streitereien hervorzurufen. Er habe Ginas geistiges Potential überstiegen, sodass sie dies nicht gemerkt habe. Bis auf die Straße habe man teilweise die Auseinandersetzungen zwischen den beiden Erwachsenen hören können. Zeugin von Schlägen sei sie nicht geworden, jedoch haben Gina und auch J. berichtet, dass Matthias sie geschlagen habe.
Auf Nachfrage des Richters berichtet Heike M. von ihrem Wissen bezüglich der finanziellen Situation von Gina H. Diese erhalte aufgrund psychischer Probleme eine Erwerbsunfähigkeitsrente. Die Diagnose selbst kenne sie nicht, sie wisse jedoch von Problemen mit der Mutter und der Schwester sowie Suizidversuchen. Eines Tages nach der Trennung von Matthias R. habe Gina sie angerufen, um ihr mitzuteilen, dass sie einen Abschiedsbrief auf den Tisch gelegt habe. Als sie sie daraufhin nicht mehr erreichen konnte, sei sie zu ihr gefahren. Matthias sowie ein Rettungswagen seien bereits dort gewesen und habe Gina bewusstlos im Pferdestall gefunden. Einer der Rettungssanitäter habe den Abschiedsbrief gelesen, sie habe ihn jedoch nicht gesehen.
Heike M. berichtet, dass Gina sich sonst den ganzen Tag um ihre Pferde gekümmert habe. Als ihr Lieblingspferd gestorben sei, habe sie einen Zusammenbruch erlitten. Während der Beziehung habe Matthias R. finanziell dafür gesorgt, dass Gina die Pferde halten konnte. Heike M. glaubt, dass sie nach der Trennung deshalb wieder zurück zu ihren Großeltern zog, um die Pferde halten zu können. Sie glaube, sich zu erinnern, dass Gina einmal für kurze Zeit in einem Reitsportladen gearbeitet habe und schätzt, dass dies im Jahr 2024 war.
Die Beziehung zu Matthias sei in ihren Augen eine reine Zweckbeziehung gewesen, da er für die Finanzierung der Pferde aufkam, die Gina sehr wichtig seien. Nach der Trennung habe ihr, so glaubt Heike M., den Boden unter den Füßen weggezogen.
Heike M. beschreibt Gina als sehr eifersüchtigen Menschen, der vor allem dann derartig reagierte, wenn sie das Gefühl hatte, einen Menschen nicht kontrollieren zu können. Ein falscher Blick von Matthias R. habe ausgereicht, um sie aus der Fassung zu bringen, auch im Hinblick auf Dorina L. Die Zeugin glaubt sich zu erinnern, dass Matthias R. einmal fremdgegangen sei, als er betrunken war. Aufgrund dessen habe Gina H. so empfindlich auf seinen Alkoholkonsum reagiert.
Am Morgen des 14. Oktober habe sie im Bett gelegen, als ihr Telefon klingelte. An eine genaue Uhrzeit könne sie sich nicht mehr erinnern. Gina H. habe ihr ohne Umschweife berichtet, dass sie Fabian tot aufgefunden haben. Vor lauter Schreck habe Heike M. aufgelegt, sie erinnere sich jedoch nicht mehr, ob Gina sie erneut anrief, oder ob sie zurückgerufen habe. Gina H. habe dann berichtet, dass sie Fabian gemeinsam mit den „Jungs“ gefunden habe. Heike M. habe immer wieder auflegen müssen. Es haben daher mehrere Gespräche stattgefunden. Sie habe es den Erklärungen von Gina so entnommen, dass sie mit Christan D. und Olaf K. gleichzeitig beim Tümpel gewesen sei. Sie habe berichtet, dass Jäger Christian ein Nachtsichtgerät verwendet habe. Die Polizei habe man nicht gerufen, da dieser sonst seinen Jagdschein verlieren würde, wenn er ein solches in einem fremden Revier zum Einsatz bringe. Heike M. kam dies komisch vor, gesagt habe sie jedoch nichts. Gina habe sie dann gefragt, wie man das am besten machen könne, um bei der Polizei nicht seltsam dazustehen. Heike M. könne sich nicht mehr daran erinnern, wer schließlich die Idee mit den Hunden einbrachte. Da Gina H. wisse, dass Heike M.s Hund nicht gehorche, habe sie darum gebeten, diesen abholen zu dürfen, um dann bei der Polizei behaupten zu können, dass er weggelaufen sei und sie so über Fabians Leiche gestolpert wäre. Da Heike M. geglaubt habe, dass dies so nicht funktionieren würde, habe sie sich bereiterklärt, mitzufahren aus Sorge darüber, dass die Leiche des Kindes sonst niemals gefunden werden würde. Sie sei besorgt gewesen, dass Gina die Polizei sonst nicht informieren würde. Heike M. sei es wichtig gewesen, dass der Junge gefunden und die Eltern Gewissheit erhalten würden.
Gemeinsam fuhr man schließlich in die Nähe des Tümpels. Auf der Fahrt habe die Zeugin die Angeklagte immer wieder beschworen, die Polizei anzurufen, diese habe jedoch gesagt, dass sie dies erst tun könne, wenn sie bei der Leiche gewesen sei. Heike M. ist die Gegend, in der die beiden dann aussteigen, völlig unbekannt. Während Ginas Hund frei läuft, hält Heike M. ihren an der Leine. Man sei in Richtung des Tümpels gegangen, da es sehr nass war, sei Heike M. nicht dazu in der Lage gewesen, zum Wasser selbst hinabzugehen. Um mit der Leine von Heikes Hund Schleifspuren zu hinterlassen, befestigt Gina H. ihre eigene Leine zusätzlich an deren Hund, um diesen in die richtige Richtung führen zu können. Nach einer Weile sei Gina H. stolz zurückgekommen und habe berichtet, dass Heikes Hund sogar noch neben die Leiche „gepullert“ habe. Fabians Leiche sähe laut Ginas Aussage noch schlimmer aus als beim ersten Mal. Heute glaube Heike M., dass Gina nur noch einmal mit ihr zur Leiche wollte, um dort frische Spuren zu hinterlassen.
Gina H. habe dann die Polizei gerufen und am Telefon gesagt, dass sie eine Leiche gefunden habe, die sie für Fabian halte. Danach sei Gina völlig normal gewesen und habe mit dem Handy spielend auf die Polizei gewartet. Heike M. selbst habe sich wie in einem falschen Film gefühlt. Gina habe Heike dazu aufgefordert, niemanden mit reinzuziehen. Die Zeugin habe sich aber vorgenommen, die Wahrheit zu sagen, wenn sich herausstellen sollte, dass es sich wirklich um Fabian handele. Das habe sie Gina H. auch so mitgeteilt, was diese unkommentiert ließ. Sie habe ihr jedoch angeboten, ein Foto von der Leiche zu machen, falls sie sie sehen wolle, was die Zeugin ablehnte.
Als die Polizei ankam, sei man zur Herausgabe der Handys aufgefordert worden. In den Augen der Zeugin sei Gina H. „total ausgetickt“ und habe sich der Aufforderung verweigern wollen. Im Nachhinein empfindet sie das Verhalten der Angeklagten vor Ort als unangemessen, kalt und zielstrebig. Nach dem Leichenfund habe man nur noch einmal eine WhatsApp ausgetauscht und ein kurzes Telefonat gefühlt. In diesem sei es um die Mütze ihres Mannes gegangen sowie um die Frage, ob Gina sauer sei, weil Heike bei der Befragung durch die Polizei die Wahrheit gesagt habe. Gina habe dies verneint. Danach sei der Kontakt völlig abgebrochen.
Auf Nachfrage bestätigt auch diese Zeugin, dass Gina H. ihr Handy nie ausschaltete und immer damit zugange war. In Ginas Leben seien die Prioritäten klar gewesen, an erster Stelle standen ihre Pferde, ihr Sohn sei erst später gekommen.
Die Zeugin wird entlassen.

