Fabian: Prozesstag 12

Prozesstag 12 – 16.06.2026

 

Vorbemerkungen

Die Verteidigung betritt den Gerichtssaal mit zwei blauen Müllsäcken mit Kleidung von Gina H.s Sohn. Diese Kleidung wurde von Matthias R. als die identifiziert, die auch Fabian hin und wieder trug. Da unter Fabians Fingernägeln blaue Faserspuren gefunden wurden, die zu einem blauen Pullover von Gina H. gehören sollen, wird darum gebeten, die Kleidung ihres Sohnes zu untersuchen. Die Verteidigung geht davon aus, dass die Faserspuren unter Fabians Fingernägeln von der Kleidung stammen, die er sich mit J. teilte und sie durch die eigene Verwendung Faserspuren unter seinen Fingernägeln hinterließen.

 

Zeuge Olaf K. – Bester Freund von Gina H.

Die beiden kennen sich seit dem Jahr 2020. Zu dieser Zeit ist Olaf K. auf ein angrenzendes Grundstück von Gina H. gezogen. Im Laufe der Zeit wurden die beiden Freunde. Olaf K. half ihr immer wieder mit den Pferden und auch Fabian habe er durch diese Verbindung kennengelernt. Er sei zudem mit Ginas Großeltern befreundet. Olaf K. gibt an, Gina H. auch finanziell unterstützt zu haben, vor allem dann, wenn Matthias R. ihr kein Geld gegeben habe. Es seien kleinere Beträge gewesen, damit sie sich Lebensmittel habe kaufen können. Matthias R. habe sehr viel gearbeitet, die Beziehung zwischen ihm und Gina sei jedoch nicht gut gewesen. Ärger und Streit seien an der Tagesordnung gewesen. Vor allem der Alkoholkonsum von Matthias R. sei hier ein immer wieder auftauchender Faktor gewesen und auch über Fabian habe man sich immer wieder gestritten. Einmal berichtete Gina H. sogar von Handgreiflichkeiten.
Im Hinblick auf Fabian sei es bei den Streitereien darum gegangen, dass Matthias R. nicht anwesend gewesen, wenn sein Sohn zu Besuch war und Gina H. die Betreuung habe übernehmen müssen. Zudem sei Matthias R. sehr streng mit Fabian gewesen und habe ihn z.B. auch mal in sein Zimmer einschließen wollen. Gina H. habe von diesen Methoden nichts gehalten.
Auch Ginas Eifersucht sei immer wieder ein Streitthema gewesen. Vor allem Matthias R.s Facebook Kontakte habe sie kontrolliert und hinterfragt. Zudem habe sie ihm unterstellt, dass er ihr mit Dorina L. fremdgegangen sei. Dorina sei ihr ein besonderer Dorn im Auge gewesen. Gina H. habe verlangt, dass Matthias R. den Kontakt zu ihr abbreche.
Nach der Festnahme habe Olaf K. den Kontakt zu Gina H. abgebrochen.

Am Morgen des 09. Oktober haben Gina H. und Matthias R. erneut gestritten. Deshalb habe Olaf K. sich am Abend mit ihr darüber unterhalten. Er hatte jedoch den Eindruck, dass es Gina H. zu dieser Zeit gutging. Kurze Zeit später ließ sie sich jedoch von Chat GPT ein Testament verfassen.

Am 10. Oktober 2025 haben Gina H. und Olaf K. den Morgen gemeinsam bei ihren Pferden verbracht. Man traf sich gegen 7:30 Uhr und trennte sich zwischen 10:00 Uhr und 10:30 Uhr. Man habe sich verabschiedet und Gina habe zu ihm gesagt, dass sie noch einmal wegmüsse. Mehr habe sie zu ihren Vorhaben nicht erwähnt. Olaf K. sei zunächst einkaufen gewesen, dann zu Hause und schließlich beim Frisör. Erst am späten Abend habe er wieder mit Gina gesprochen und ihr einen Döner gebracht. Er habe zu dieser Zeit keinen außergewöhnlichen Eindruck von ihr gehabt, sie sei wie immer gewesen. Auffällig gewesen sei jedoch, dass sie an diesem Tag das Auto gereinigt habe, was sie sonst so gut wie nie getan habe. Auf Nachfrage des Richters Holger Schütt gibt Olaf K. an, dass Gina H. die Einzige war, die den orangefarbenen Ford Ranger gefahren sei. Er habe ihn nur einmal rangiert.

An den darauffolgenden Tagen habe Gina sich im Hinblick auf das Verschwinden des Jungen wenig mitfühlend gezeigt und auch nicht den Eindruck gemacht, sich an der Suche beteiligen zu wollen.

Am Abend des 13. Oktober habe er gegen 22:10 Uhr eine Nachricht von Gina H. erhalten. Sie habe ihn persönlich sehen wollen, um die Sache mit ihm zu besprechen. Am Telefon wollte sie nicht sagen, worum es gehe. Bei dem anschließenden Treffen, das ca. 15 Minuten später stattfand, habe sie ihm mitgeteilt, dass sie mit Christian D. an der „Schweinesuhle“ in Klein Upahl gewesen sei und dort etwas gefunden habe. Der Zeuge erinnert sich, dass Gina H. an diesem Abend eine schwarze Reithose und weiße Turnschuhe trug. Gina H. habe berichtet, sie sei eigentlich mit Christian D. unterwegs gewesen, um Tiere zu beobachten. Dieser habe sie dazu eingeladen, um sie auf andere Gedanken zu bringen. Bei der Entdeckung an der „Schweinesuhle“ habe sie jedoch nicht sicher sagen können, worum es sich dabei handele, es hätte eine „Gummipuppe“ sein können, aber „vielleicht Fabian“. Olaf K. habe sie daraufhin gefragt, warum sie nicht die Polizei gerufen haben, was sie damit begründete, dass Christian D. als Jäger in einem fremden Revier gewesen sei und sich damit strafbar machen würde. Sie wolle ihn nicht in Verlegenheit bringen und ihn raushalten. Dies habe Olaf K. für eine Ausrede gehalten und auch kundgetan, woraufhin Gina H. wütend wurde. Der Zeuge gibt an, dass Gina immer dann wütend wurde, wenn man sie beim Lügen ertappt hat.

Man sei dann schließlich gemeinsam noch einmal nach Klein Upahl gefahren. Gina H. habe darauf bestanden, dass man sein Auto benutze und nicht ihres. Gina H. habe dann ihr Handy ausgeschaltet. Die Angeklagte habe ihm den Weg gewiesen, da er selbst dort noch nie gewesen sei. Während der Fahrt habe sie immer wieder gefragt, was sie denn tun würden, wenn es sich wirklich um Fabian handele. In unmittelbarer Nähe des Tümpels habe man dann angehalten. Gina H. habe stark zu zittern begonnen und gesagt, dass sie Angst habe. Gemeinsam sei man zum Tümpel hinabgegangen, Gina H. habe sich bei ihm eingehakt. In der Nähe des Wassers habe er dann etwas liegen sehen. Er habe einen menschlichen Körper erkannt, der bereits angefressen gewesen sei. Sie habe sofort Fabian erkannt. „Das ist Fabian“, seien ihre Worte gewesen. Er habe Fabian jedoch nicht erkennen können. Die Angeklagte habe ihn dann aufgefordert, mit seiner Taschenlampe direkt in das Gesicht der Leiche zu leuchten, was er getan habe. Gina H. habe das Gebilde direkt als Brandleiche identifiziert, Olaf K. habe dies nicht erkennen können, da er noch nie eine Brandleiche gesehen habe. Gemeinsam seien sie dann nach knapp einer Minute zurück zum Auto. Man habe sich kurz darüber unterhalten, wie man jetzt weiter vorgehen würde. Gina H. wollte die Polizei rufen. Olaf K. habe gesagt, dass er nicht wisse, wie er erklären solle, dass sie mitten in der Nacht an einem solchen Ort seien. Man habe entschieden, nach Hause zu fahren. Er habe diese Nacht über alles nachdenken wollen. Er habe Gina H. jedoch nicht davon abgehalten, die Polizei zu rufen, sollte sie dies tun wollen.
Dem Zeugen wird nun ein Bild der Leiche gezeigt. Er gibt an, dass die Auffindesituation an diesem Abend eine andere war. Die Beine haben anders ausgesehen und der Leichnam sei in seinen Augen nicht so stark verbrannt gewesen. Im Dunkel der Nacht hätten ihn seine Augen jedoch auch trügen können.

Auch am darauffolgenden Morgen habe es ein Gespräch gegeben, bei dem Olaf K. geäußert habe, dass er mit der Sache nicht in Verbindung gebracht werden möchte. Ihm seien bereits am Abend am Tümpel Ungereimtheiten aufgefallen, die ihn stutzig gemacht hätten. Vor allem die Tatsache, dass sie bereits zu vor mit Christian D. am Tatort war, habe er seltsam gefunden. Daraufhin sei Gina ungehalten geworden und habe ihm mitgeteilt, dass sie plane, mit ihrem Hund dort spazieren zu gehen, dann zu behaupten, er sei weggelaufen und habe dann die Leiche gefunden. Der Zeuge gibt an, erwidert zu haben, dass ihr das niemand glauben würde, sie es aber machen solle, wenn sie glaube, dass das der richtige Weg sei. Olaf K. habe sich jedoch nicht eingestehen wollen, dass Gina mit der Tat etwas zu tun haben könnte. Erst die Festnahme habe ihn schließlich umgestimmt.

Der Richter spricht nun auf eine Sprachnachricht vom 11. Oktober an, bei der Gina Olaf K. um ein Alibi für den Tattag bittet, welches er ihr auch bereitwillig geben wollte. Der Zeuge bestätigt, dass Gina dieses Thema immer wieder erwähnt hätte.

In einem Telefongespräch vom 18. Oktober 2025 zwischen Olaf K. und Gina H. berichtet die Angeklagte davon, dass die Polizei Matthias R. als möglichen Tatverdächtigen in Betracht zöge. Aber auch sie selbst sowie Christian D. und Olaf K. seien in den Fokus der Polizei gerückt. Gina H. bedeutet, dass dies aus „Langeweile“ seitens der Ermittler geschehen sei. Sie äußert vor allem Sorge bezüglich ihres Autos, gibt jedoch an, alles gewaschen zu haben und dass somit keine Spuren mehr gefunden werden könnten. Sie habe trotzdem Angst, dass man ihr etwas anhängen wolle. Olaf K. antwortet daraufhin, dass er sich diesbezüglich keine Sorgen mache. Gina H. erwidert, dass sie sich besonders wegen ihrer Schuhe sorge. Kurz darauf habe ihm Gina H. weiße Turnschuhe vorbeigebracht. Zwei Tage später habe sie ihm ein weiteres Paar Turnschuhe gebracht. Er habe ihr kurz darauf gesagt, dass sie ihre Schuhe wieder abholen solle. Gina H. habe diese Anweisung wenig erfreut aufgenommen. Der Richter präsentiert nun eine Reihe verschiedener Schuhe.
Im weiteren Verlauf des Telefongesprächs sprechen Gina H. und Olaf K. darüber, dass die Polizei mit der Auswertung von Wildkameras in der Nähe des Tatorts beschäftigt sei. Gina H. wirkt sichtlich nervös, dass man sie auf einer dieser Kameras sehen könnte. Sie bete, dass dies nicht der Fall sei. Sie sei am Tattag in der Nähe spazieren gewesen, versichert jedoch, nicht am Tümpel gewesen zu sein. Auf die Nachfrage des Zeugen, warum Gina H. dort gewesen sein, antwortet sie, dass sie einen Tierheilpraktiker habe sprechen wollen, der jedoch nicht anwesend gewesen sei. Olaf K. versichert Gina H. am Telefon, dass sie sich keine Sorgen machen brauche, wenn sie nichts damit zu tun habe.

Die nächste Aufzeichnung eines Telefonats zwischen dem Zeugen und der Angeklagten ist vom 21. Oktober 2025. Olaf K. steht kurz vor seiner dritten Befragung durch die Polizei. Gina sucht vor dem Termin das Gespräch mit ihm und bittet ihn inständig darum, das gemeinsam besprochene Alibi vom 10. Oktober an diesem Tag bei der Polizei zu untermauern. Es sei überaus wichtig, dass er bestätige, dass sie bis 11:00 Uhr zusammen gewesen seien und auch das ganze Wochenende danach habe man gemeinsam verbracht. Sie erlaubt ihm sogar zu behaupten, dass man miteinander geschlafen habe. Olaf K. antwortet zweideutig, er wolle nicht lügen, dann würde er sich schon Taten wünschen.

Auf Nachfrage des Richters gibt Olaf K. zu, dass er sich Hoffnungen auf eine tiefere Beziehung mit Gina gemacht habe. Während der Beziehung zu Matthias R. habe sie immer wieder gesagt, dass sie ihm treu sei. Nach der Trennung habe sie sich ihm weiterhin auf sexueller Ebene entzogen. Sie habe ihm zwar Nacktbilder geschickt und immer wieder angedeutet, dass man mal gemeinsam im Bett landen würde, passiert sei es jedoch nie. Inzwischen sei der Zeuge davon überzeugt, dass sie auf diese Weise mit seinen Hoffnungen gespielt habe, damit sie weiterhin einen willigen Unterstützer für die Pferde und ihre Finanzen hatte.

Am 22. Oktober habe der Zeuge festgestellt, dass aus seiner Garage ein Messer mit einer Klingenlänge von ca. 10-15 cm fehle. Es sei sonst immer in der Garage gewesen. Er habe regelmäßig mit diesem Messer gearbeitet. Die Garage sei jedoch nicht immer verschlossen gewesen. In einem Telefonat mit Gina berichtet er davon, dass das Messer verschwunden sei und er es verzweifelt suche. Die Angeklagte erwidert, dass sie nicht wisse, wie das Messer aussehe, sie sich nur daran erinnere, dass es in seiner Garage an der Wand hängen würde. Der Zeuge ist sehr besorgt darüber, dass das Messer gefunden und mit dem Mord an Fabian in Verbindung gebracht werden könnte. Er meldet das vermisste Messer noch am selben Tag der Polizei. Gemeinsam mit Gina H. habe er die Garage dann abgesucht. Das Messer sei nicht aufgetaucht. Wenig später findet er es bei erneuter Suche in einem Karton in der Garage. Er ist verwirrt, denn dort habe er es nie abgelegt, es steckte immer an derselben Stelle in der Wand.
Das Messer sei von der Polizei schließlich untersucht worden. DNA-Anhaftungen konnten nicht festgestellt werden. Es konnte nicht als Tatwaffe identifiziert allerdings auch nicht ausgeschlossen werden.

Kurz vor Ginas Festnahme im November gibt es ein weiteres Telefonat zwischen ihr und Olaf K. In diesem Gespräch gibt die Angeklagte an, dass sie Dorina L. für die mutmaßliche Täterin halte. Sie wolle dies mit ihrem Anwalt besprechen.

Auf Nachfrage gibt Olaf K. an, dass auch er sich mit Gina über finanzielle Dinge gestritten habe.

Die Nebenklage möchte wissen, wie Gina H.s Verhalten gegenüber ihren Pferden war. Olaf K. berichtet, dass er selbst Zeuge zweier Situationen wurde, bei denen die Angeklagte ihre Pferde blutig geschlagen habe, als diese nicht spurten. Als er sie darauf angesprochen habe, habe sie ihn gebeten, dass er sie in solchen Momenten unterbrechen und wieder in die Realität zurückholen solle. Als er dies jedoch bei der zweiten Situation versucht habe, habe sie sich nicht darauf eingelassen. Auf Nachfrage von Richter Schütt, ob der Zeuge ein solches Verhalten auch Menschen gegenüber beobachtet habe, antwortet der Zeuge, dass er so etwas nie mitbekommen habe. Sie habe Fabians Vater Matthias zwar immer mal wieder angeschrien, Handgreiflichkeiten, auch gegenüber Fabian, habe er nie erlebt. Als Matthias R. nach der Trennung von Gina wieder den Kontakt zu Fabian aufnahm, war Gina jedoch nicht begeistert. Die Eifersucht sei stark gewesen.

Die Verteidigung möchte von Olaf K. wissen, inwiefern er Kontakt zur Presse gehabt habe. Der Zeuge bestätigt, dass die Presse sowohl ihn als auch Gina H. verfolgt habe. Vor allem ein bestimmter Journalist sei ihnen sehr auf die Pelle gerückt. Erst am gestrigen Tag habe er das letzte Mal mit ihm gesprochen. Der Verteidiger lässt vermuten, dass eine eventuelle Beeinflussung des Zeugen seitens der Medien stattgefunden haben könnte, geht jedoch nicht weiter darauf ein.
Der Verteidiger spricht den Zeugen nun auf seine Aussage bei der Polizei an, bei der er damals noch angegeben habe, dass er Gina sehr wohl für die Täterin halte, jedoch davon ausgehe, dass sie einen Komplizen gehabt habe. Olaf K. gibt an, seine Meinung nun geändert zu haben und dass er glaube, dass Gina allein gehandelt habe. Er ist sich sicher, dass, wenn Gina Fabian am 10. Oktober abgeholt hätte, er glücklich über den Besuch gewesen wäre und auch freiwillig mit ihr mitgegangen wäre. Bis damals sei er davon ausgegangen, dass die Leiche an den Tümpel gezerrt wurde, was er Gina allein nicht zugetraut habe.
Der Verteidiger zweifelt nun die Erinnerungsfähigkeiten des Zeugen an, da im Rahmen des polizeilichen Protokolls erwähnt worden sei, dass es Olaf K. immer mal wieder schwergefallen sei, sich zu erinnern. Der Zeuge verneint dies.

Der Zeuge wird entlassen.

Schreibe einen Kommentar