Prozesstag 8 – 02.06.2026
Vorbemerkungen
Gina H.s Verteidigung eröffnet damit, dass noch einmal betont werden soll, dass die Blut- und Faserspurenanalyse aus dem Ford Ranger nicht eindeutig feststellen konnte, wann diese von Fabian dort hinterlassen wurden. Auf der Kleidung, die die Angeklagte am Tattag getragen haben soll, konnten keine Blutspuren des Kindes gefunden werden, auch Rückstände von Brandbeschleuniger wurden nicht festgestellt. Zudem merkt die Verteidigung an, dass vielen Menschen gar nicht bewusst sei, dass ein Fahrzeug derart minutiös Bewegungsdaten aufzeichnet. Er bezweifle, dass seine Mandantin dieses Wissen gehabt habe, geschweige dann dazu in der Lage gewesen sei, die Daten in ihrem Navigationssystem zu löschen.
Zeuge 1 – Polizist Martin Q.
Der Beamte war bereits zuvor mit der Suche nach Fabian betraut gewesen und traf am 14. Oktober 2026 kurz nach 10:30 Uhr am Fundort der Leiche ein. Dort warteten bereits Gina H. und ihre Freundin Heike M. mit ihren beiden Hunden. Gina H. habe ihm die Richtung gewiesen, in der die Leiche zu finden sei. Zudem habe die Angeklagte gleich angemerkt, dass ihre Spuren am Ort zu finden seien, da sie mit den Hunden den toten Körper gefunden habe. Er empfand die Stimmung der beiden Frauen vor Ort als aufgeregt. Sie teilten ihm mit, dass sie beim Spaziergang mit den Hunden die Leiche entdeckt haben. Ein Notfallseelsorger habe schließlich die Betreuung der Frauen übernommen.
Als er sich selbst dem Leichnam näherte, schloss er aufgrund von Haaren, Gesicht und Körperbau auf Fabians Identität, zu erkennen war er jedoch nicht mehr. Zu diesem Zeitpunkt war der Tümpel noch nicht in den Umkreis der Suche mit einbezogen worden. Martin Q. berichtet, dass man jedoch bereits geplant hatte, die Suche auszuweiten, was dann vermutlich auch den Tümpel mit einbezogen hätte.
Auf Nachfrage beschreibt Martin Q. die Bodenverhältnisse am Tatort, die er im Hinblick auf den zuvor anhaltenden Regen anders vorzufinden erwartet hätte. Der Fundort sei dann zügig abgesperrt worden.
Der Zeuge wird entlassen.
Zeuge 2 – Polizist Christian H.
Der Beamte war für das Fotografieren und Dokumentieren von Spuren am Tatort zuständig. Aufgrund der Witterungsverhältnisse habe man ein Pavillon über dem Leichnam aufgebaut, sodass er am Nachmittag mit seiner Arbeit beginnen konnte. Insgesamt sind 157 Fotos entstanden, die sowohl Fabias Leiche als auch die nähere Umgebung zeigen. Die auf den Fotos zu erkennenden Schuhabdrücke können von Christian H. teilweise zugordnet werden. Er gibt an, dass direkt um die Leiche drumherum keine Pfotenabdrücke der Hunde festgestellt werden konnten. Auch Kampf- oder Schleifspuren habe es keine gegeben.
Der Zeuge wird entlassen.
Zeuge 3 – Sachverständiger für 3D-Rekonstruktion des Tatorts
Mithilfe eines 3D-Scanners habe er den Tatort abgetastet. Zusätzlich wurden am 15. Oktober Drohnenbilder angefertigt. Aufgrund des Regens konnte die Drohne am Vortag nicht zum Einsatz kommen. Das Gericht versucht anhand des auf diese Weise erstellten Tatortscans herauszufinden, von welchen Stellen aus der Leichnam von außen hätte sichtbar gewesen sein können. Fabians Körper lag hinter einem 90 cm hohen Busch. Diese Messungen sind im Hinblick auf Zeugenaussagen wichtig.
Der Zeuge wird entlassen.
Zeuge 4 – Hans-Joachim L.: Experte für Schuhabdrücke
Insgesamt konnten mehrere verschiedene Schuhabdrücke gesichert werden. Darunter konnte er auch Schuhe der Marke „Pammys“ ermitteln. Mehrere Schuhe dieser Marke konnten bei Gina H. sichergestellt werden, es war dem Experten jedoch nicht möglich, diese zweifelsfrei als Spurenverursacher zu identifizieren. Auch Spuren, die den Schuhen von Fabian ähneln, konnten am Fundort der Leiche sichergestellt werden, aber auch sie konnten aufgrund der Witterungsverhältnisse nicht zweifelsfrei zugeordnet werden. Die Abdrücke eines paar Gummistiefels wurden zwar im Bereich des angrenzenden Feldes jedoch nicht am Tümpel selbst sichergestellt.
Der Zeuge wird entlassen.
(Quellen: Stern.de; Ostseewelle; t-online; NDR; Focus Online; Pressemitteilungen Landgericht Rostock; RTL – Carsten Kulawik)

