Prozesstag 4 – 13.05.2026
Vorankündigungen
Die Staatsanwaltschaft gibt bekannt, dass sie nach dem dritten Prozesstag am 05.05.2026 ein Ermittlungsverfahren wegen Falschaussage gegen Fabians Vater Matthias R. eingeleitet habe. Grund dafür seien die nachweislichen Falschaussagen seinerseits, die nicht darauf hindeuten, dass er an einer objektiven Wahrheitsfindung interessiert sei. Ginas Verteidiger quittieren diese Ankündigung mit Empörung.
Sprach- und Textnachrichten
Es werden Sprach- und Textnachrichten aus August 2025 präsentiert, in denen Gina H. überaus verzweifelt, weinend und mit zittriger Stimme über die Trennung spricht. Matthias R. beteuert zwar seine Liebe zu ihr, gibt jedoch an, dass er es nicht mehr erträgt, hart für sie zu arbeiten und im Gegenzug keinen Rückhalt von ihr zu erhalten. Er sei nicht mehr bereit dazu, sein eigenes Leben und seine Bedürfnisse für sie zurückzustecken. Auch seine Eltern wolle er weiterhin besuchen dürfen. Aufgrund von Ginas weniger gutem Verhältnis zu ihren „Schwiegereltern“ sei dies jedoch auf Probleme gestoßen. Sie erlaube ihm maximal einen Besuch bei seinen Eltern einmal monatlich.
Am 17. August versucht Gina H. Matthias insgesamt 40x anzurufen. Sie bombardiert ihn mit Fragen über potentielle neue Freundinnen und wer bereits von der Trennung wisse.
Am 18. August gibt Gina H. in einer Sprachnachricht an, Matthias nicht mehr belästigen zu wollen und sagt offen, dass sie seine Familie hasse. Sie sei von ihnen stets schlecht behandelt worden, obwohl sie stets respekt- und würdevoll im Umgang mit ihnen war. Sie wünscht sich zudem, dass er keine neue Frau findet und wieder zu ihm zurückkommt.
In weiteren Sprachnachrichten spricht sie davon, nun ihre Pferde verkaufen zu müssen und dass sie auch ihre Wohnung gekündigt habe. Sie könne nur noch für ihre Tiere aufstehen.
Gina H. beginnt zudem damit, wahllos Menschen zu kontaktieren, die auf Facebook mit Matthias R. in Verbindung stehen. So ruft sie die Mutter eines Mädchens an, das gerade neu in seiner Freundesliste aufgenommen wurde, um herauszufinden, ob es eine sexuelle Beziehung zwischen den beiden gäbe.
Eine Sprachnachricht aus September 2025 an eine Bekannte von Gina H. beinhaltet, dass sie sich bezüglich ihrer psychischen Störungen äußert (PTSD, Borderline, Depressionen)
Zeugin 1 – Fabians Klassenlehrerin
Die Klassenlehrerin beschreibt Fabian als kontaktfreundlichen, lieben und offenen Jungen mit festem Freundeskreis. Seine besonderen Stärken lagen vor allem bei Mathematik, Lesen und Schreiben hätten ihm eher Schwierigkeiten bereitet. Er zeigte sich seinen Mitschülern gegenüber stets hilfsbereit. Fabian kam häufig allein mit dem Fahrrad zur Schule. Manchmal fehlten ihm auch Schulmaterialien. Kam es unter den Schülern einmal zu Streit, hatte Fabian Probleme mit Frust und Wut, die er dann körperlich durch Schubsen oder Treten äußerte. Das Thema wurde jedoch offen angesprochen und aktiv und erfolgreich gemeinsam mit Fabian bearbeitet. Er habe Ende des 2. Schuljahres vermehrt Videospiele gespielt. Zu Beginn des 3. Schuljahres erzählte Fabian stolz davon, wieder Kontakt mit seinem Vater zu haben und auch Zeit mit ihm verbracht zu haben. Das Spielen von Videospielen habe sich damit auch verringert. Sie habe nie den Eindruck gehabt, dass Fabian von Videospielen in irgendeiner Form in seinem Verhalten beeinflusst worden sein. Von Gina H. habe er allerdings nie etwas erzählt.
Am 09. Oktober sei Fabian wegen Nasenblutens früher aus der Schule nach Hause gegangen.
Die Klassenlehrerin beschreibt Fabian zwar als offenen und vertrauensseligen Jungen, geht jedoch nicht davon aus, dass er mit einem Fremden freiwillig mitgegangen wäre.
Zeugin 2 – Mutter von Fabians bestem Freund
Sie kennt Fabian schon aus Kindergartenzeiten, eine intensive Freundschaft zu ihrem Sohn habe sich jedoch erst im Jahr 2025 entwickelt. Fabian sei schnell zu einem festen Bestandteil der Familie geworden und habe sich dort sehr wohl gefühlt und viel Zeit bei ihnen verbracht. Sie berichtet, dass Fabian auch mal wütend wurde, wenn er seinen Willen nicht bekam. Zudem habe sie sowohl ihrem eigenen Sohn als auch Fabian bei einem gemeinsamen Ausflug genau erklärt, warum sie niemals mit Fremden mitgehen dürfen. Sie hatte den Eindruck, dass beide Jungen das sehr gut verstanden haben. Die beiden haben regelmäßig gemeinsam Roblox gespielt und YouTube Videos geschaut. Zwar haben sie online gespielt, jedoch hatte die Mutter nicht den Eindruck, dass sie im Internet auch mit Fremden Kontakt hatten. Sein Handy hatte Fabian immer dabei.
Eines Tages habe Fabian berichtet, dass er beobachtet habe, dass sein Vater eine Frau geschlagen habe, woraufhin er keinen Kontakt mehr mit ihm haben wollte. Da sie den Eindruck hatte, dass ihn diese Situation sehr belaste, habe sie ihn nicht weiter damit konfrontiert und eher versucht, ihn abzulenken.
Am Ende der Sommerferien habe er sich wieder mit seinem Vater versöhnt, der daraufhin den neuen Fokus im Leben seines Sohnes darstellte, was sich auch merklich beim Kontakt zu ihrem Sohn zeigte. Die Jungs sahen sich weniger und Fabian übernachtete auch nicht mehr so häufig bei ihnen.
Am 09. Oktober habe Fabian bei ihnen geklingelt, um seinen besten Freund zu besuchen, da dieser jedoch zum Basketballtraining musste, habe sie Fabian nicht reingelassen. Er reagierte darauf mit Unverständnis und warf sein Fahrrad auf die Straße.
Am Abend haben die beiden dann kurz miteinander telefoniert. Worüber gesprochen wurde, kann sie nicht beantworten.
Sie berichtet zudem, dass Fabian am Wochenende zu seinem Vater wollte und er wütend darüber war, dass er dies nicht durfte, weil Dorina mit ihm noch Schuhe kaufen fahren wollte. Fabians Verhältnis zu seiner Mutter sei nicht das beste gewesen. Er habe sich von seiner Mutter vernachlässigt gefühlt, da er häufig allein zu Hause war. Dorina sei häufig erst gegen 1 Uhr nachts von einer Freundin nach Hause gekommen, für den Achtjährigen galt ein Zapfenstreich von 22:00 Uhr. Sie selbst empfinde Dorina als lieblos und nicht fürsorglich gegenüber ihrem Sohn. Dies bestätigt sich für sie dadurch, dass Fabian an den Wochenenden gar nicht erst nach Hause wollte.
Thomas Löcker fragt die Zeugin, ob sie etwas davon wisse, dass Dorina sich eine Hütte mit einem Mann in einer Gartensiedlung teile, in der es regelmäßig zu Trinkgelagen käme. Sie gibt zu, dass Fabian ihr von diesem Mann erzählt und davon, dass er sich gut mit ihm verstehe, er habe auch von den Trinkgelagen berichtet.
Die Zeugin wird entlassen.
Zeuge 3 – Fabians bester Freund
Der 9-jährige Junge wird über einen Bildschirm zugeschaltet. Er befindet sich nicht im Gerichtssaal. Nur der Richter darf ihm Fragen stellen.
Er bezeichnet Fabian als guten Freund. „Klein, dick und frech“. Sie seien immer mit dem Fahrrad unterwegs gewesen oder haben Roblox auf dem Handy gezockt. Fabians Zimmer sei sehr unordentlich gewesen, der Rest der Wohnung jedoch ordentlich und er habe Fabians Mutter als nett empfunden. Zudem habe sich Fabian öfter mal im örtlichen Jugendraum aufgehalten, in dem es PCs gab. Er selbst sei jedoch nie dort gewesen, wenn Fabian an diesen Geräten gezockt habe. Der Junge berichtet, dass Fabian ihm erzählt habe, dass Matthias R. eine Frau geschlagen habe, er selbst habe den Mann jedoch nie getroffen. Auch von Gina H. oder einer „Ziehmutter“ habe er nie etwas gehört. Er wisse nur von einer Frau, die Pferde hat, von der er einmal erzählt habe, jedoch wisse er nicht, ob er sie mochte oder nicht.
Am Abend des 09. Oktober haben sie sich am Handy nur über das Zocken unterhalten.
Der Zeuge wird entlassen.
Zeuge 4 – Freund und Nachbar von Fabian
Der 11-jährige Junge wird ebenfalls über einen Bildschirm zugeschaltet. Er beschreibt Fabian als klein, dick, blond, abenteuerlustig und cool. Sie hätten gemeinsam draußen in seinem Garten oder auf dem Spielplatz gespielt und auf dem Handy Roblox gezockt. In anderen Gärten oder gar in der Gartensiedlung seien sie nie gewesen. In der Freundesliste dort gab es keine Fremden. Er berichtet, dass Fabian gern bei seinem Vater gewesen wäre, er jedoch nicht zu ihm gedurft hätte, weil es einen Streit gegeben habe. Irgendwann habe er den Kontakt zu ihm aber wieder aufgenommen.
Über die Freundin seines Vaters habe Fabian berichtet, dass er sie nicht so gut mit ihr verstehen würde. Der Junge sagt aus, dass Fabian niemals mit einem Fremden mitgegangen wäre.
Der Zeuge wird entlassen.
Zeuge 5 – Augenzeuge
Der Mann hat entweder am 09. oder am 10. Oktober ein auffällig orangefarbenes Auto in der Straße von Fabians Wohnung gesehen. Er erinnere sich so genau an das Fahrzeug, weil er sich darüber geärgert habe, dass es auf zwei Parklücken gleichzeitig stand. Das Datum ist ihm jedoch nicht mehr genau bewusst. Das Auto habe er vorher noch nie dort gesehen. Nachdem man dem Herrn ein Bild des Fahrzeugs von Gina H. vorlegt, identifiziert er es eindeutig anhand des auffälligen Auspuffs als das der Angeklagten.
Der Zeuge wird entlassen.
Abschluss
Die ursprünglichen 17 Verhandlungstage werden seitens der Strafkammer um 10 weitere Tage ergänzt.
(Quellen: Stern.de; Ostseewelle; t-online; NDR; Focus Online; Pressemitteilungen Landgericht Rostock)

